So können Sie sich aus emotionalen Krisen "hinausschreiben"

Eine Anleitung, wie man emotionale Krisen mithilfe von Stift und Papier überwinden kann.

James W. Pennebaker ist ein US-amerikanischer Professor für Psychologie an der „University of Texas at Austin“. Er heiratete in den 70er-Jahren, direkt nach dem College. Drei Jahre Ehe brachten ihn dazu, die Beziehung zu seiner Frau zu hinterfragen, er versank in eine Depression, aß weniger, trank mehr Alkohol und fing an zu rauchen. Er schämte sich für seine - wie er sagt - "emotionalen Schwächen" und isolierte sich mehr und mehr von seiner Frau.

Dann fing er an zu schreiben


Eines Tages aber setzte er sich vor seine Schreibmaschine - und fing an zu schreiben. Ganz frei brachte er Geschichten über seine Ehe, seine Eltern, seine Sexualität, seine Karriere und sogar seinen Tod aufs Papier. Als er zu schreiben anfing, und die Tage vergingen, passierte etwas Faszinierendes: seine Depression verschwand, er fühlte sich befreit. Er begann damit, sich seiner Frau wieder näher zu fühlen und sah zum ersten Mal wieder einen Sinn in seinem Leben.

Diese positiven Effekte des Schreibens auf seine Psyche motivierten den Wissenschafter dazu, darüber zu forschen. Er machte Experimente mit Gruppen von Menschen, die er ein paar Tage lang hintereinander jeden Tag lang 20 Minuten lang über emotionale Erlebnisse schreiben ließ. Manche schrieben über sexuellen Missbrauch, andere über Verlust, Krankheit und Trennungen. Über Dinge, die sie sonst niemandem erzählen würden.

Emotionale Krisen lassen sich besser überwinden, wenn man sie von außen betrachtet


Der Psychologe fand in diesen Studien heraus, dass Menschen emotionale Krisen besser überwinden können, wenn sie darüber schreiben. Sie wurden glücklicher, weniger depressiv und weniger ängstlich. Auch auf ihren körperlichen Zustand hatte das Schreiben positive Auswirkungen: niedrigerer Blutdruck, stärkeres Immunsystem, weniger Besuche bei ÄrztInnen.

Das heißt konkret: Schreiben hilft uns, Ängste, Depressionen und Krisen zu überwinden und besser bewältigen zu können. Der Grund ist einfach: wir entwickeln eine gewisse Distanz zu Erlebtem und betrachten die Dinge "von oben", wenn wir darüber schreiben. Vor allem Sätze wie "Ich habe gelernt", "Ich weiß jetzt" und "Ich verstehe" helfen bei diesem Prozess.

Pennebakers Schreibregeln:


Stellen Sie einen Timer für 20 Minuten. Öffnen Sie Ihren Laptop oder Ihr Notizbuch - und schreiben Sie. Über emotionale Erlebnisse aus der Vergangenheit, ohne auf Rechtschreibregeln und Grammatik zu achten. Schreiben Sie einfach drauflos, ohne darüber zu urteilen. Sie schreiben schließlich nur für sich selbst. Machen Sie das für ein paar Tage und schmeißen Sie das Geschriebene dann weg - oder wenn Sie dazu bereit sind, heben Sie es auf und lesen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal. Darauf kommt es nicht an - sondern nur darauf, dass das Ganze endlich draußen ist. Der Prozess, sich davon zu lösen und neue Perspektiven zu finden, hat begonnen.

Mehr Infos dazu im Buch "EMOTIONAL AGILITY" von Susan David.

 

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