Eine Mutter erklärt ihrem Sohn die Pubertät - auf die beste Art und Weise

Die Pubertät - eine harte Zeit für Kinder und ihre Eltern. Jo Eberhart hat online geteilt, wie sie ihrem Sohn auf einfühlsame Weise erklärt hat, was in dieser Zeit in seinem Kopf passiert.

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Es begann mit einer einfachen, ehrlichen Frage, die die Mutter eines Elfjährigen auf der Plattfoom Quora gestellt hatte:
"Wie erkläre ich meinem wundervollen, elfjährigen Sohn (auf eine Art, die ihn nicht runterzieht), dass die Art, wie er seit kurzem mit mir spricht (respektlos), mich dazu bringt, weniger Zeit mit ihm verbringen zu wollen (ich habe ihm schon gesagt, dass ein solches Verhalten unakzeptabel ist)?"

Für alle, die bereits Kinder durch die Pubertät begleitet haben, klingt diese Situation wohl nachvollziehbar. Die Antwort, die Jo Eberhart der Mutter gab, wird aber nicht nur die ansprechen, sondern uns alle - schließlich haben wir die schrägen Jahre zwischen Kind sein und erwachsen werden alle mitgemacht. Deshalb, ob Eltern oder nicht, berühren Jos Worte wohl jede von uns.

Mutter-Sohn-Gespräch: Was in der Pubertät im Gehirn vorgeht

"Ah, die Pubertät. Es macht aus unseren süßen, kleinen Jungs süße, Augen rollende, ängstliche, unbeabsichtigt respektlose, aber immer noch wundervolle Fast-Erwachsene."

Jo Eberhardt ist Autorin und zweifache Mutter aus Australien und beschreibt in ihrer Antwort eine Situation mit ihrem elfeinhalbjährigen Sohn im Auto - immer ein guter Ort, um möglicherweise unangenehme Gespräche zu führen (schließlich fährt man trotz allen Unstimmigkeiten in dieselbe Richtung):

"Ich habe dir viel darüber erzählt, wie die Pubertät deinen Körper verändert", erklärte Eberhardt ihrem Sohn, "und was nach diesen Veränderungen passiert, aber ich habe komplett vergessen, dir zu sagen, was gerade in deinem Gehirn vorgeht. Pubertät ist die Zeit, in der dein Gehirn wächst und sich mehr verändert als zu jedem anderen Zeitpunkt im Leben - abgesehen von der Zeit als Baby, vielleicht. Entschuldige, dass ich dich damit im Stich gelassen habe."

Jos Sohn nahm die Entschuldigung an und fragte, wie genau sich denn sein Gehirn verändere.

"Das ist das Tolle", erklärte Jo weiter. "Obwohl dein Gehirn bisher schon so viel gelernt hat, war es immer noch das Gehirn eines Kinds. Und all die Informationen darüber, wie denn das Gehirn eines Erwachsenen funktioniert, waren ein wenig ... sagen wir, verschwommen. Also hat dein Gehirn sein Bestes gegeben, aber es wusste ja noch nicht, zu was für einem Menschen du dich entwickeln würdest, was du dafür von deinem Gehirn brauchen würdest.
Und damit kommen wir zur Pubertät. Schau, die Pubertät ist ziemlich super. Nicht nur verändert sich dein Körper von jenem eines Kindes zu jenem eines Erwachsenen, genauso wird dein Gehirn komplett neu programmiert und zum Gehirn eines Erwachsenen."

"Das klingt anstrengend", antwortete Jos Sohn.

"Oh ja, das ist es. Deshalb hätte ich dich vorher warnen sollen. Denn es braucht wirklich viel Kraft, ein Gehirn neu zu programmieren. Das ist einer der Gründe, warum du zur Zeit viel schneller müde wirst als sonst. Und das macht dich gelegentlich auch einfach weniger geduldig und viel gereizter als normal. Und ich kann mir vorstellen, dass das ziemlich frustrierend für dich ist."

Ihr Sohn sah sie an: "Ja, ist es. Manchmal bin ich einfach nur wütend und weiß nicht, warum."

Jo sprach weiter: "Dazu kommt, dass der erste Teil deines Gehirns, der auf Erwachsenen-Größe wächst, die Amygdala ist. Die kontrolliert deine Gefühle und Instinkte. Weißt du noch, wie wir über 'kämpfen oder fliehen' gesprochen haben? Darüber dass unser Gehirn manchmal glaubt, vor Publikum zu sprechen sei genauso gefährlich wie eine Attacke eines Säbelzahntigers?"

Der Junge lachte. "Ja. Und dass man seinem Hirn manchmal sagen muss, dass da kein Säbelzahntiger ist, damit es sich beruhigen kann."

"Genau. Darum kümmert sich die Amygdala: Säbelzahntiger-Warnungen und große Gefühle. Die Sache mit der Pubertät ist also die, dass du plötzlich eine erwachsenen-große Amygdala hast, die all deine Knöpfe für Gefühle und Säbelzahntiger drückt. Und das ist bestimmt ziemlich schwierig für dich auszuhalten."

Ihr Sohn nickte und meinte: "Manchmal weiß ich nicht, warum ich sage, was ich sage. Die Worte kommen einfach raus und dann fühl ich mich schlecht deswegen."

"Ich weiß, Schatz. Schau, der letzte Teil deines Gehirns, der neu eingestellt wird, ist ganz vorn in deinem Kopf. Er heißt präfrontaler Cortex. Der ist super dabei, Entscheidungen zu treffen und Konsequenzen zu verstehen. Du hast also diese superstarke Amygdala, die dich mit riesengroßen Gefühlen bombardiert, aber du hast noch den verschwommenen präfrontalen Cortex eines Kindes, der damit nicht umgehen kann und schon gar nicht versteht, was die Amygdala von ihm will. Und das ist ziemlich scheiße."

"Also ist es nicht meine Schuld?", fragte Jos Sohn.

"Nein, es ist die Schuld der Pubertät, dass dein Gehirn gerade so arbeitet", antwortete Eberhardt. "Aber das heißt nicht, dass es nicht deine Verantwortung ist, zu erkennen, was da gerade passiert und dein Handeln zu verändern. Es ist nicht einfach, aber es ist auch nicht unmöglich. Deine Gefühle sind deine Gefühle, und sie sind immer okay. Aber du entscheidest über deine Reaktion. Du entscheidest, was du mit deinen Gefühlen machst. Und, wenn du einen Fehler machst, entscheidest du, ob du dich dafür entschuldigst und es wiedergutmachst.
So zeigst du, dass du tatsächlich erwachsen wirst."

Jos Sohn reagierte mit einem ziemlich versändlichen "Pubertät ist scheiße".
"Oh ja", antwortete Jo, "ich bin nicht in deinem Kopf, aber ich kann mir vorstellen, dass da drinnen ziemliches Chaos und Verwirrung herrscht, und du von einer Minute zur nächsten nicht weißt, was passiert."

"Ja, genau!"

"Es ist verwirrend, damit zu leben", sprach Jo weiter, "stell dir mal vor, wie verwirrend es für mich ist, wenn ich nur sehe, wie du darauf reagierst."

"Das muss ziemlich verwirrend sein", stimmte ihr Sohn zu.

"Weißt du, was das bedeutet?"

"Was?"

"Dass ich manchmal Fehler machen werde. Manchmal werde ich mich über Dinge aufregen, die du tust, weil ich nicht verstehe, was in deinem Kopf vorgeht. Manchmal werde ich vergessen, dass du beinahe erwachsen bist, und dich wie ein Kind behandeln. Genauso wie ich manchmal mehr von dir erwarten werde, als du zu leisten imstande bist. Ich begleite das erste Mal jemanden durch die Pubertät und ich werde Fehler machen. Kann ich dich also um etwas bitten?"

"Was denn?"

"Kannst du mir immer sagen, was in deinem Kopf passiert? Je mehr wir darüber reden, umso leichter wird es für uns beide werden, okay?"

"Okay", antwortete der Junge.

Jo Eberhardt schrieb weiter, dass dieses Gespräch nicht automatisch dazu führte, dass ihr Sohn ihr alles erzählte. Es hätte ihnen aber in jedem Fall eine neue, gemeinsame Gesprächsbasis gegeben. "Er weiß jetzt zum Beispiel, was heißt, wenn ich ihm sage, dass ich kein Säbelzahntiger bin."

 

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