Studie: Regelschmerzen senken Leistungsfähigkeit

Schmerzen im Unterleib sorgen dafür, dass menstruierende Menschen im Schnitt neun Tage pro Jahr weniger leistungsfähig sind – das zeigt eine aktuelle niederländische Studie.

Regelschmerzen, Menstruation, Studie, Unterleibsschmerzen

Ein leichtes Ziehen und ein bissl Stimmungsschwankungen? Bis heute werden Menstruationsbeschwerden gerne als kleines Weh-Wehchen abgetan. Während die Schmerzen für einen Bruchteil der menstruierenden Frauen tatsächlich vielleicht kaum spürbar sind, sind die Schmerzen während der Periode für andere (erwiesenermaßen!) so stark wie bei einem Herzinfarkt.

Trotzdem kommt es für die wenigsten in Frage, sich wegen Menstruationsschmerzen krank zu melden. Viele Frauen würden sich lieber stattdessen „einen Magen-Darm-Virus oder eine andere Ausrede“ einfallen lassen, wie Bettina Steinbrugger von dem nachhaltigen Frauenhygiene-Unternehmen Erdbeerwoche gegenüber dem Standard bestätigt. Nur eine von fünf Personen, die sich wegen Menstruationsschmerzen krank meldet, nennt am Arbeitsplatz auch tatsächlich ebendiesen Grund für die Krankschreibung.

Regelschmerzen werden nicht ernst genommen

Zu sehr Tabuthema sei die Menstruation, zu groß die Angst, nicht ernst genommen zu werden – schließlich wird das Schmerzempfinden von Frauen nachweislich weniger ernst genommen als jenes von Männern (mehr dazu hier). Die Konsequenz ist ein als Präsentismus bezeichnetes Phänomen. Gemeint ist in der Arbeitspsychologie damit das Verhalten, wenn ArbeitnehmerInnen trotz Krankheit am Arbeitsplatz sind. Dieses Gegenteil vom Absentismus (also das Krankschreiben ohne Krankheit) ist besonders unter menstruierenden Menschen weit verbreitet.

Viele haben Schmerzen, wenige gehen in Krankenstand

Dass Präsentismus keine langfristige Lösung für den Umgang mit Menstruationsschmerzen ist, ist klar. Eine niederländische Studie macht die Folgen des Phänomens nun allerdings greifbar: Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden über 30.000 Frauen zwischen 15 und 45 Jahren zu ihrer Periode und dem Ausmaß der damit einhergehenden Schmerzen befragt. Fast ein Drittel hat schon einmal unter so starken Regelbeschwerden gelitten, dass sie eine/n Arzt/Ärztin aufsuchen mussten. Obwohl viele Frauen angaben, unter starken Schmerzen zu leiden, blieben nur weniger als 14 Prozent tatsächlich einen Tag von der Arbeit fern. Etwa 3,5 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich fast monatlich gezwungen sehen, wegen der Schmerzen in Krankenstand zu gehen.

Starke Regelschmerzen machen unproduktiv

80 Prozent der Probandinnen gaben an, durch Menstruationsschmerzen weniger produktiv zu sein. Die meisten führten das auf schlechtere Konzentrationsfähigkeit zurück. Rechnet man die Ergebnisse der Befragung auf ein Jahr hoch, ergeben sich insgesamt neun Tage, an denen menstruierende Menschen weniger produktiv arbeiten können.

Dass viele trotz Menstruationsschmerzen in die Arbeit gehen, zeige laut Forschungsteam deutlich, wie stark tabuisiert das Thema immer noch ist. Das Fazit (und die Handlungsanweisung) der StudienautorInnen ist klar: Weil sich viele nicht trauen, über ihre Regelschmerzen zu sprechen, kann die Lösung nur eine sein – alle müssen offener über Menstruation sprechen.

 

Aktuell