Pastamara: Wir haben die neue Aperitivo Bar in Wien getestet

Lokalaugenschein in der neuen Wiener Bar "Pastamara": Martina Parker ertränkt ihre Vorurteile über schnöselige Hotelbars in erstklassigem Negroni und lässt sich von zwei Sizilianern nach allen Regeln der Kunst einkochen.

Also ehrlich. Als mir meine Freundin Ingrid von der neuen Bar im Hotel Ritz-Carlton erzählt hat, war ich anfangs etwas skeptisch. Luxushotelbars sind ja ein recht vorurteilsbehaftetes Terrain. Ein bisschen schwingt da immer die Angst mit, zwischen protzenden Oligarchen, aufgehübschten Escorts und zu Tode gelangweilten Geschäftsleuten zu landen. Für Schwellenangst bei den Locals sorgen auch die zumeist saftig überteuerten Preise an diesen Tresen.  

Aber weil die Ingrid ein „Nein“ noch nie gelten ließ, sitze ich jetzt da in der Bar Pastamara und statt der erwarteten Oligarchen blicken mir zwei Sizilianer tief in die Augen. Der eine ist klein, rundlich, molto sympatico und heißt Ciccio. Er hat in Ragusa zwei Restaurants, zwei Michelin Sterne und gilt in seiner Heimat als eine Art sizilianischer Jamie Oliver. Ciccio Sultanohat die Küchenlinie entworfen. Der zweite heißt Nicola, ist Souschef, wirkt lässig cool und hat Unterarme so bunt und üppig tätowiert, dass man am liebsten gleich selbst wieder an der Nadel hängen möchte. Nicola Zamperetti wird hier den Laden schupfen. Nach steifer Langeweile sieht das hier schon mal nicht aus.

Pastamara neu in Wien

Ciccio und Nicola wollen Aperitivo nach Wien bringen

Sie wissen schon – dieses italienische Pendant zum britischen 5 Uhr Tee, wo es statt lauwarmem Earl Grey hochprozentige Drinks in der Farbe der Abendsonne gibt - Aperol Spritz, Negroni, Campari.

Dazu bekommt man traditionell kostenlose Appetithäppchen, die im Ritz Carlton hübsch gestapelt auf einer Etagere daherkommen. So ganz kann das Luxushotel seine Wurzeln doch nicht verleugnen. Aber spätestens als ich das erste hausgemachte Grissini in die Thunfischmayonnaise tauche und koste, verkneife ich mir den Sarkasmus und halte den Mund. Weil – bist du deppert – schmeckt diese Mayo gut. Ciccio grinst und zeigt mir ein riesiges Glas in denen riesige Stücke feinsten italienischen Thunfischs schwimmt.  Aus diesem Öl rührt er die Mayo, sagt er.

Vier Container italienischer Lebensmittel hat er seit der Eröffnung am letzten Samstag nach Wien schaffen lassen, damit der Geschmack „molto autentico“ ist. Prosciutto von freilaufenden Schweinen, die den ganzen Tag nur Eicheln fressen, wird hier auf der Berkel Maschine in hauchdünner Perfektion aufgeschnitten. Wer mehr Hunger hat kann Panini, hausgemachte Pasta (z.B. Spaghetti mit Bottarga Sauce) oder Schwertfisch in Mandel- und Pistanzienpanade ordern.

Aperivito-Bar in Wien

Die Zutaten für die Drinks werden auf einem campariroten Servierwagen zum Tisch des Gastes gefahren und vor dessen Augen gemixt. James Bond lässt grüßen. Dabei wird palavert, gelacht, gescherzt und gleich ein bisschen Getränkekunde vermittelt.

Zwischendurch laufen Kellner in weißen Dinner-Jackets durch, die winzige Arancini – sizilianische Reisbällchen gefüllt mit Ragout – verteilen. Auch das sind weitere gratis Kostproben sizilianischer Kochkunst. Die anwesenden Gäste können ihr Glück kaum fassen.

Obwohl das Konzept gelebter italienischer Gastfreundschaft stark auf Tradition und Authentizität setzt, trifft das auch ganz schön den Zeitgeist. Von den „bunten Ärmeln“ des Sous Chefs bis zum ätherischen Kadamomöl mit dem man seinen Negroni besprühen lassen kann. Brot, Butter, Eier und Schinken sind bio. Das Interieur wurde vom renommierten Designstudio Tarruella Trenchs entworfen. Instagramer kommen hier voll auf ihre Kosten. „Instagram wird uns auch helfen, damit die Wiener ihre Schwellenangst ablegen“,  meint Ciccio.

„Die italienische Küche wird in Österreich immer sehr nostalgisch und melancholisch zelebriert“, erklärt der aus Südtirol stammende Ritz Carlton-Hoteldirektor Christian Zandonella, der Ciccio über einen Jugendfreund kennt. Das wollte ich ändern. Mit einer Bar, die die Wiener und die Welt anspricht.

Hoffen wir mal für die WienerInnen, dass sie die Bar vor der Welt entdecken. Es könnte dort demnächst eng werden.

The Ritz Carlton Vienna

Schubertring 5-7, 1010 Wien
T.: +43131188

Pastamara ist täglich ab 8 Uhr morgens für alle Gäste geöffnet. 
www.ritzcarlton.com

 

Preise:
Espresso € 2,80
Italienische Frühstücksgerichte € 6 -  € 12,-
Aperitivo Cocktail € 7,50 – € 17, - inklusive Appetizer
Pasta Gerichte € 14 - € 24
Secondi € 22 - 26

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