Liverpool: Eine Reise in die urbane, coole Beatles-Hauptstadt

Die Hafenstadt Liverpool im Nordwesten Englands ist vor allem als eines bekannt: als die Geburtsstadt der Beatles. Doch abgesehen davon hat Liverpool noch einiges mehr zu bieten. Coole Lokale, spannende Museen, neue Ideen – und natürlich: Musik, Musik, Musik.

Die Ohrwürmer bekomme ich tagelang nicht aus dem Kopf. „Lucy in the skyyy with diaaamonds …“ „Let it be, let it beee …“ Und natürlich: „All you need is love … tam, tata, tadaaa …“ Dabei mag ich die Beatles gar nicht besonders. Oder: mochte. Ein verlängertes ­Wochenende in Liverpool reicht nämlich nicht nur, um eine coole, wachsende Stadt kennenzulernen, sondern auch, um ­zumindest ein wenig Bezug zu den omnipräsenten Pilzköpfen zu bekommen. Denn eines ist klar: Um die Fab Four kommt man in Liverpool einfach nicht herum.
Ein guter Start für die obligatorische Beatles-Pilger­reise ist der Cavern Club. Wenn man die schmalen Stiegen zum Kellergewölbe in der Mathew Street hinunter­geht, kommen einem bereits die ersten Gitarrenriffs und Rock-’n’-Roll-Beats entgegen. Auf der winzigen Bühne im länglichen, ziegelgemauerten Kellergewölbe steht eine vierköpfige Band und spielt – wie nicht anders zu erwarten – die größten Beatles-Hits. Das Publikum nimmt es dankbar an.
Wir befinden uns hier nicht im echten Cavern Club. Der wurde in den 1970ern für den Bau der Merseyrail abgerissen. Aber beim originalgetreuen Nachbau sollen immerhin die Ziegelsteine von damals benutzt worden sein. Das ist wichtig, denn der Club gilt als die Geburtsstätte der Band. Hier haben sie ihr ­erstes Konzert gespielt und sind insgesamt 292 Mal aufgetreten. Heute performen auf der Bühne Coverbands vor Beatles-begeisterten TouristInnen.

Ljubias Geheimtipp

Das Berry and Rye (48 Berry Street) ist eine „Secret Bar“ und tatsächlich gar nicht so leicht zu finden. Von außen unscheinbar, hat die kleine Cocktailbar mit Jazzpianist sehr viel Charme.

Philharmonic Dining Rooms

Nostalgietour

Die zweite große Anlaufstelle für den Beatles-Kult ist die Beatles Experience, die Ausstellung im Albert Dock. Wer die Räumlichkeiten betritt, macht eine Zeitreise in die wilden 1960er-Jahre. Hier sieht man die ersten Gitarren, Drums und Bühnenoutfits der Fab Four. Das weiße Klavier und die typische runde Brille von John Lennon. Das nachgebaute Büro ihres Managers mit der alten mechanischen Schreibmaschine und Wänden voller Promo-Flyer. Einen Nachbau einer Aufnahme­kabine der legendären Abbey Road Studios. Dazwischen Fernsehbilder von kreischenden Fans am Höhepunkt der Beatlemania. Wer noch mehr Beatles braucht, kann die von ihnen besungenen Strawberry Fields ­besichtigen, oder John Lennons ehemalige Schule in der Harthill Road. Aber für den Anfang sollte das reichen. Denn das heutige Liverpool hat auch genug Neues zu bieten.

Bold Street und Baltic Quarter

Wer das coole, urbane Liverpool kennenlernen will, geht am besten in die Bold Street. An einem Samstagnachmittag wuselt es hier nur so vor Menschen. Hier kann man eine gemütliche Runde durch die vielen Vintageshops machen, die wie Pilze aus dem Boden schießen; ebenso wie ungewöhnliche Projekte wie die Urban-Gardening-Initiative in der Saint Luke’s Church, einer Kirchenruine an der Leece Street, die heute ein Weltkriegsdenkmal ist. Von dort ist es nicht mehr weit ins Baltic Triangle oder ­Baltic Quarter: Das einst ver­ödete Arbeiterviertel ist gerade dabei, zum hippen Kultur-District zu werden. Die Industriegebäude und Lagerhallen eignen sich gut für die Mischung aus großflächiger Street Art, Galerien, Lokalen und Clubs, die hier gerade einzieht.


Ein weiterer neuer Stadtknotenpunkt ist das Albert Dock, das generalsanierte Hafenviertel mit seinen Museen, Cafés, Galerien und kleinen Shops. Eines der Backsteingebäude enthält die Tate Gallery, die heuer ihr 30-jähriges Bestehen feiert. Dass Liverpool bewusst mit Kultur punkten will, merkt man auch daran, dass der Eintritt in sämtliche staatliche Museen gratis ist – eine Einladung, auf die man sich definitiv einlassen sollte.
Nur 15 Gehminuten vom Albert Dock steht das Mari­time Museum of Emigration. Liverpool war einst der größte Emigrationshafen Europas und hat neun Millionen Menschen auf den Weg nach Amerika gebracht. Die dunkle Seite der günstigen Küstenlage Liverpools ist seine Rolle in der Zeit des Sklavenhandels. Damals war die Stadt der zentrale Hafen, über den Menschen, die man aus ­Afrika verschleppt hatte, nach Amerika transportiert wurden.

Vintage Shoppen in Liverpool

Die Bold Street hat wohl die höchste Dichte an Vintageshops.

Ob im Cow Vintage, dem Ressurection, dem Soho’s London oder in der Pop Boutique – hier kann man fürs ­Stöbern ruhig mal den ganzen Nachmittag einplanen.

Stones bis Mercury: British Music Experience

Wenige Meter von hier entfernt wird es noch einmal musikalisch: Die British Music Experience ist für Musikfreaks ein absoluter Pflicht-Programmpunkt. Die riesige Sammlung des Musik­moguls Harvey Goldsmith wurde 2017 von London nach Liverpool verlegt. Hier sind praktisch sämtliche Größen der britischen Popmusik seit 1945 vertreten: von den Gitarren und Bühnenoutfits der Rolling Stones (die Burschen müssen echt zierlich gewesen sein!) über original handgeschriebene Songtexte von Freddie Mercury bis zu den exaltierten Kostümen von David Bowie; von den Lederjacken von Black Sabbath bis zu den Kleidern der ­Spice Girls. Im interaktiven Teil der Ausstellung kann man sich selbst an Instrumente setzen und per Videotutorial lernen, etwa zu Song 2 von Blur zu spielen.


Und ab und zu nimmt auch eine/r der MitarbeiterInnen auf einem der Hocker Platz und fängt an zu spielen. Denn praktisch das ganze Personal hier besteht aus Musikerinnen und Musikern – es ist ein bisschen wie mit den schauspielenden KellnerInnen in Hollywood. So kann es gut sein, dass der junge Mann, der Ihnen am Eingang noch den Audio­guide in die Hand gedrückt hat, eine Stunde später auf der Bühne der Cafeteria steht und seine eigenen Songs performt. Noch mehr Ohrwürmer zum Mitnachhausenehmen. Thank you for the music, Liverpool!

 

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