Das perfekte Wochenende in: Flanderns Städte Gent und Brügge

Ab jetzt reist www.miss.at jeden Monat in eine europäische Stadt und verrät euch die besten Citytipps. Reisewillige und Kurzentschlossene müssen hier einfach nur weiterlesen. Den Rest erledigen wir.

Freitag, 13.00
Wir kommen in Gent bei der Station St. Pieters an, nehmen ein Taxi ins Hotel und erwischen einen einheimischen Fahrer, der auf Belgien schimpft. Er findet, dass Mayerhofen in Tirol „the place to be" ist. Liegt aber daran, dass er Profi-Skifahrer ist, sonst in Tirol lebt, wegen einer Verletzung zu Hause Taxifahren muss und frustriert ist.

miss-Tipp: Solche Leute ignorieren, Belgien ist toll!

Gent Altstadt

14.00
Wir spazieren in die Kuip, die historische Altstadt. Hier könnte man glatt vergessen, dass man nicht im Mittelalter, sondern im 21. Jahrhundert ist. Erster Stopp: Groente Markt. Zuerst müssen wir unseren Heißhunger auf die berühmten, belgischen Waffeln bei Koffie 3,14, Thee stillen. Die sind so gut, dass man sie am besten pur isst. Gleich davor wird eine andere Spezialität verkauft, Neuskes („Genter Nasen"). Das sind kegelförmige Himbeergummis. Die Kollegen, die das Mitbringsel probiert haben, meinten allerdings, es schmecke nach Kinderzahnpasta.

Historisches Gent

Daneben befindet sich das wunderschöne Geschäft des Senfherstellers Tierenteyn. Der würzige Senf hat Kult-Status, wird seit Generationen nach dem gleichen Rezept zubereitet und beim Kauf frisch abgefüllt. Schokolade mit Tierenteyn Senf gibt's übrigens bei Chocolatier Yuzu (Walpoortstraat 11).

16.00
Eine Bootsfahrt auf der Leie ist ein Muss und dauert nicht länger als 45 Minuten. Vorbei geht´s am Vleeshuis (Fleischmarkthalle), der Grafenburg oder der Dulle Griet (die tolle Grete), eine alte, schmiedeeiserne Kanone, die seit 425 Jahren an derselben Stelle steht und noch nie geschossen hat. Der Lauf ist mittlerweile geschlossen, weil Betrunkene gerne darin übernachtet haben. Die Boote fahren bei Graslei ab, dem alten Hafen mitten in der Altstadt.

Hier am Wasser trifft sich bei Schönwetter ganz Gent. Während die weniger Betuchten mit ihrer Bierdose am Ufer sitzen, sitzen alle anderen in den Cafés wie dem chicen BelgaQueen (Graslei 10).

17.00
Ein tolles Viertel zum Entdecken ist das Patershol, das älteste Viertel der Stadt. Es lohnt sich ein Abstecher ins Beer & Ginhouse (Kraanlei 27). Belgien ist ja bekannt für sein Bier. Insgesamt gibt es 780 Sorten. Wer also nur „ein Bier" bestellt, erntet verständnislose Blicke. Toll: das Kriek mit Kirschgeschmack oder eines der sieben Trappistenbiere, die von Mönchen hergestellt werden.

Alternative: die Bierbrauerei Gruut (Grote Huidevettershoek 10). Hier kann man eines trinken oder mehrere Sorten verkosten. Beste Einkaufsstraße in Patershol: die Oudburg. Coole, belgische Klamotten gibt´s bei Meike Kleet (Zuivelbrugstraat 8).

miss-Tipp: das einzige Pub in Patershol, das Rococo Chez Betty (Corduwaniersstraat 57).

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Brussels Airlines fliegt 4 x täglich nach Brüssel. Tickets gibt´s für April ab ca. € 150.

Die Züge vom Flughafen Brüssel nach Gent fahren ca. im 20-Min.-Takt und dauern, je nach Verbindung, zwischen 50 bis 90 Minuten. Fast ebenso häufig gehen Züge von Gent nach Brügge und von dort zum Flughafen Brüssel. Tickets gibt´s auf www.oebb.at. Brüssel Flughafen–Gent kostet ca. € 11,60.

miss-Tipp: Die Love Brugge City Card kostet nur € 34, inkludiert aber freien Eintritt für alle Museen & Sehenswürdigkeiten, Reduktionen für Konzerte, Fahrradverleihs etc. www.bruggecitycard.be

Die besten Vorab-Infos gibt´s auf www.flandern.at.

Das miss-Team wohnte in Gent im Hotel River Ghent (Waistraat 5), eine alte Brotbackfabrik direkt an der Leie. DZ gibt´s im April ab € 190 für 2 Nächte. www.ghent-river-hotel.be. In Brügge im NH Brugge (Boeveriestraat 2), ein umgebautes, altes Kloster aus dem 17. Jahrhundert. Wochenendangebote gibt´s ab € 128. Genauere Infos www.nh-hotels.de.

Die gesamte Reise ist buchbar bei restplatzboerse.at.

20.00
Das Restaurant Pakhuis (Schuurkenstraat 4) liegt so versteckt, dass es kaum Touristen finden und sieht ein bisschen aus wie das Palmenhaus in Wien. Danach geht´s ins Pink Flamingo (Onderstraat 55), eine Empfehlung einer Kollegin der belgischen ELLE. Die Deko ist ziemlich kitschig und ändert sich alle paar Monate. Im Moment ziert etwa ein Luster aus Barbies die Decke.

Samstag, 10.30
Früh aufstehen muss nicht sein. Belgien ist zwar DAS Land für Trödel und Flohmärkte, vor 10.30 Uhr kommen letztere aber selten in Gang. Der bekannteste ist rund um die St.- Jacobs-Kirche. Coole Vintage-Mode gibt´s auch bei Oxfam (Bij Sint-Jacobs 12), Belgiens Antwort auf Caritas.

11.00
Auch der berühmte Genter Altar, das Meisterwerk der Brüder van Eyck in der St.-Bavo-Kathedrale, ist nicht vor 10.30 zu besichtigen. Notfalls kann man sich die Zeit in der Coffeelounge (Botermarkt) vertreiben. Und wenn Inhaber Ömer einen „Münztee" empfiehlt, meint er natürlich „Minztee".

12.00
Lunch gibt´s bei der besten Pommesbude der Stadt: Frituur Jozef (Vrijdagsmarkt). Wir essen die mit Stoofvles Saus, eine Art Gulaschsoße.

14.00
Natürlich wird auch in Gent samstags geshoppt. Bekannt ist die Einkaufsstraße Veldstraat.

miss-Tipp: Besser sind aber Hoogport & Bennesteg. Bei Meridian (Bennesteeg 25) schafft man es locker, ein Vermögen loszuwerden. Günstigere Alternative: der Besuch des Kunstzentrums Vooruit.

20.00
Trés chic speisen lässt es sich im BelgaQueen. Und weil Belgier Feinspitze sind, ist es nichts Besonderes, sich Austern oder Hummer zu bestellen. Ein Hit sind nicht nur die Kellner in ihren mönchsartigen Schürzen, sondern auch das WC. Die Glastüre auf den Toiletten wird erst, wenn man den Schlüssel umdreht, zur undurchsichtigen Milchglasplatte. Hie und da sieht man nämlich Leute, die vergessen haben zuzusperren ...

22.00
Im Charlatan (Vlasmarkt 6) kann man super Live-Musik hören. Ein Besuch später im Culture Club (Afrikalaan 174) ist ein Muss. Gent mag eine kleine Stadt sein, aber wegen dieses Clubs und seinen Electro-DJs wie Neon oder Maxim Lany reisen Besucher aus ganz Europa an.

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Sonntag, 10.00
Brügge ist nur 20 Minuten mit dem Zug entfernt und perfekt für einen Sonntags-Ausflug.

miss-Tipp: Zur perfekten Einstimmung vorab den Film Brügge sehen und sterben ..? mit Colin Farrell anschauen! Beim Tourismusamt (www.brugge.be) gibt´s den Stadtplan, wo alle Filmlocations eingezeichnet sind. So macht das Erkunden dieser pittoresken Stadt noch mehr Spaß.

13.00
Diesmal probieren wir die Pommes mit Special saus (Curryketchup, Mayonnaise & gehackte Zwiebeln). Die besten gibt´s am Markt direkt vor dem Belfried. Die Inhaber zahlen übrigens für ihre Bude jährlich 100.000 Euro Miete. Um die Kalorien wieder abzutrainieren, geht´s die 366 Stufen des Belfried rauf. Klaustrophobie darf man bei den engen, sehr steilen Treppen aber nicht haben. An schönen Tagen sieht man vom Turm aus bis nach Gent. Das liegt auch daran, dass in Brügge nichts über vier Stockwerke gebaut werden darf.

14.00
Ja, in Brügge hat man ein ganzes Museum den Pommes gewidmet (Vlamingstraat 33). Da lernt man z. B., dass eine Kartoffel gesund ist, nur 80 Kalorien hat und ausschließlich die fetten Soßen dick machen.

16.00
Belgische Schokolade ist berühmt und schmeckt himmlisch. Leider gibt es mittlerweile an jeder Ecke „Original Belgische Schokolade", die teilweise sogar aus China kommt. Auf Nummer sicher geht man bei The Chocolate Line (Simon Stevinplein 19). Das Kilo Pralinen kostet hier dementsprechend 50 Euro.

20.00
So schön Brügge ist, abends ist hier tote Hose. Das Maximiliaan van Oostenrijk (Wijngaardplein 16-17) war tagsüber proppenvoll, aber als wir unsere Moules frites (Miesmuscheln mit Pommes) dort abends essen, sind wir fast alleine im Restaurant.

Allerdings ist das die Chance, echte Einwohner zu sehen. Die lassen sich, ähnlich wie die Venezianer, erst abends blicken, um die Tourimassen zu vermeiden. Aber gut, da sitzt unsereins meistens schon wieder im Flieger nach Hause.

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