Darf man mit Schnupfen Sport machen?

Die Nase läuft, also laufen wir besser nicht. Gute Ausrede - oder? Die Sportmedizinerin erklärt, ab welchem Zeitpunkt Schnupfen oder Kopfweh tatsächlich gegen ein Workout sprechen.


Da hat man sich endlich aufgerafft und läuft regelmßig, machen einem Schnupfen und Erkältungen einen Strich durch die Workout-Rechnung. Oder doch nicht? Kann man trotz Schnupfennase weiter trainieren? Wann muss das Training pausieren und wann hilft Sport sogar bei Beschwerden?

WIENERIN.at hat bei Sportmedizinerin Dr. Ulrike Preiml nachgefragt.

WIENERIN.at: Herbstzeit ist Schnupfenzeit. Aber kann ich mit laufender Nase noch ruhigen Gewissens laufen oder zur Pilates-Stunde gehen?

Dr. Ulrike Preiml: Eine „laufende Nase“ kann Symptom einer Hausstaub-Milben-Allergie sein und das ganze Jahr über auftreten, besonders wenn man sich viel in Räumen mit alten Teppichböden oder Textil-Möbeln aufhält. Da kann man beruhigt auch mit „laufender Nase“ im Freien laufen oder zur Pilates Stunde gehen.

Völlig anders ist es aber, wenn es um Schnupfen geht. Dieser ist ein Virusinfekt, der den ganzen Nasen-Rachenraum in Mitleidenschaft zieht bis hin zu Problemen beim Schlafen wegen verstopfter Nase und allgemeines Krankheitsgefühl. Generell kann man sagen, dass man mit einem akuten Infekt den Körper nicht zusätzlich belasten soll. Wenn die Nase wieder frei ist und man sich fit fühlt, dann ist der Zeitpunkt für die Wiederaufnahme der sportlichen Aktivität gekommen.

Work-out gegen Kopfweh – gibt’s das? Welche Beschwerden kann (gemäßigter) Sport eventuell sogar lindern?

Kopfschmerz ist ein weites Land! Medizinisch gesehen gibt es viele Ursachen.

Am häufigsten ist der Spannungskopfschmerz durch sitzende, konzentrierte Tätigkeit am Schreibtisch oder z.B. vor dem Computer. Hier kann ein Ausflug mit den Nordic Walking Stöcken in frischer Luft und flottem Durchbewegen der verspannten Schulter- und Nackenmuskultur Wunder wirken oder auch eine Gymnastik- Stunde mit sanften Bewegungs- und Dehungsübungen.

Anders ist es beim Migräne-Kopfschmerz: Hier verstärkt körperliche Anstrengung in der Regel die Symptomatik. Da ist es besser sich in einen abgedunkelten ruhigen Raum zurückzuziehen und falls möglich Entspannungsübungen zu machen.

Work-out gegen Kopfweh wird am ehesten in den Kopfschmerz freien Intervallen helfen, wo man durch regelmäßiges Kräftigen, und Dehnen und Lockerungsübungen der Hals- und Brustwirbelsäule dem schmerzhaften Verspannen der Muskulatur vorbeugen kann.

Auf seinen Körper zu hören ist wichtig!
Dr. Ulrike Preiml

Ich fühle mich angeschlagen, habe aber trotzdem keine Lust, auf der Couch zu liegen. Wie kann ich mich trotz Erkältung bewegen?

Wie schon erwähnt, ist es nicht ratsam sich körperlich zu belasten, wenn man sich angeschlagen fühlt. Auf seinen Körper zu hören ist wichtig! Wenn es einem so gut geht, dass man sich bewegen möchte, so ist ein Spaziergang bis flottes Gehen in frischer Luft für Körper und Seele gut. Die Dosis sollte man selbst festlegen. Gymnastik-oder leichte Kräftigungsübungen können ruhig gemacht werden, sofern sie den Kreislauf nicht zu sehr belasten.

Sport stärkt das Immunsystem. Aber wann muss der Sport der Gesundheit zu Liebe definitiv warten?

Zahlreiche Studien belegen, dass regelmäßiges Ausdauertraining das Immunsystem stärkt (am wirkungsvollsten 3 x / Woche ca. 60 – 90 Minuten oder ca. 3000 kcal Verbrauch/Woche durch Bewegung ). Extreme Ausdauerbelastungen gehen wiederum auf Kosten der körperlichen Abwehr. Wenig Bewegung, sich viel in geschlossenen Räumen oder in Menschenansammlungen aufhalten erhöht die Infektionsgefahr.

Sport sollte nur bei Infektfreiheit bzw. außerhalb eines akuten Schubes einer entzündlichen Erkrankung (z.B. Rheumatischer Formenkreis) betrieben werden – bei anderen chronischen Erkrankungen wie z.B. Diabetes kann Bewegungstraining aber ein wichtiger Teil der Therapie sein!

Wie lange muss ich nach einer Erkrankung warten, bis ich wieder sporteln darf?

Zuerst muss man mal fieberfrei sein und sich wieder so gut fühlen, dass man Lust auf Sport hat. Einen Tag länger zu warten ist besser als zu früh wieder zu starten. Wichtig ist auch nicht gleich mit vollem Umfang oder Intensität loszulegen, sondern sich langsam wieder an die Belastung von früher heranzutasten.

Übrigens: Regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining, gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und Nichtrauchen können erwiesenermaßen dazu führen, dass das Immunsystem so stark ist, dass man jahrelang infektfrei bleibt!

Leiterin einer sportärztlichen Praxis und Univ.-Lektorin der MedUni Wien.
Weiters Vorstandsmitglied der Österr. Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (ÖGSMP) und 2. Vizepräsidentin der Wiener Gesellschaft für Allgemeinmedizin (WIGAM) sowie Präsidentin der Österr. Gesellschaft für Unterwasser- und Hyperbarmedizin ÖGUHM

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