Angespuckt und beschimpft: Rassismus gegen junge Muslima in Wien

Eine junge Österreicherin mit Hijab wird auf offener Straße von einer älteren Frau wüst beschimpft und bespuckt. Ein Video des Vorfalls sorgt für Aufsehen. Nun startet ein Crowdfunding, um bei Hass-Attacken zu helfen.

"Das ist mein Land, du Hure!" Die ältere Frau brüllt. Sie sitzt an einem sonnigen Samstagnachmittag an einer Straßenbahnhaltestelle im 7. Bezirk in Wien und beschimpft eine 25 Jahre alte Österreicherin, die ein Kopftuch trägt. Es ist nicht die erste Beleidigung der aufgebrachten Rassistin - nur der Beginn des Videos, das die Muslima mit ihrem Smartphone aufnimmt. Später wird es in den sozialen Medien hohe Wellen schlagen.

"Du wirst nicht hier bleiben, wir schmeißen euch alle raus. Die FPÖ schmeißt euch alle raus, die FPÖ schmeißt solche primitiven Tiere wie dich raus, du freches Schwein", schreit die sitzende Frau weiter. Und: "Setz dich, du Hund, auf den Boden, wos d' hingehörst." Einen Mann, der der Angegriffenen zur Hilfe kommen will, beschimpft die Frau als "Sandler". Bevor sie schließlich in die Straßenbahn steigt, bespuckt sie die jüngeren Frau.

Schockiert und verängstigt schickt die junge Frau das Video des Vorfalls an ihre Freundin Asma Aiad. Die Aktivistin spricht regelmäßig über rassistische Diskriminierungen gegenüber Frauen mit Hijab. Im November teilte Aiad ein Live-Video vom Wiener Flughafen, wo ein Polizist sie und ihren Freundinnen bei der Rückkehr von einem Wochenentrip rassistisch beleidigt hatte. Zuletzt sprach sie nach dem rassistischen Attentat in Christchurch auf der Donnerstagsdemo vor zwei Wochen. Sie las dort Berichte von Übergriffen auf muslimische Frauen in Wien vor.

Aiad teilte das Video ihrer Freundin am Samstag auf Facebook und Instagram. Es wurde mehr als 1500 Mal geteilt.

"Rassismus gehört zum Alltag muslimischer Frauen"

"Islamfeindliche Übergriffe sind mittlerweile Tagesprogramm", schreibt Aiad auf Instagram. Zahlreiche Muslimas und Women of Color haben sich nach Veröffentlichung des Videos bei Aiad gemeldet. Sie erzählen von rassistischen Beschimpfungen und teilweise tätlichen Angriffen. Einer Frau soll ein Mann auf offener Straße in den Bauch geschlagen haben - während ihrer sichtbaren Schwangerschaft. Andere wurden brutal geschubst oder angespuckt. Aiad sammelt die Geschichten auf ihrem Instagramaccount @asmaiad.

Vor allem wollen die Frauen aber eines: Wissen, wie sie sich bei rassistischen Vorfällen am besten verhalten sollen und können. Aiad hat deshalb am Sonntag ein Crowdfunding gestartet. Sie möchte Seminare und Workshops für von Rassismus und Diskriminierung betroffene Frauen anbieten, um dem "wachsenden Hass und Rassismus mit konstruktivem und selbstermächtigendem Handeln entgegenzuwirken." Teilnehmerinnen sollen gemeinsam mit ExpertInnen Instrumente erarbeiten und lernen, wie sie am besten mit rassistischen Situationen umgehen und Räume haben, in denen sie sich darüber austauschen können.

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