6 feministische Podcasts, die jede interessierte Frau gehört haben muss

Podcasts sind nicht nur sehr praktisch, um in beschäftigten Zeiten Inhalte zu konsumieren, viele sind auch super witzig, feministisch und lebensbereichernd.

Bis vor kurzem erschloss sich mir das Konzept "Podcast" überhaupt nicht. Ich höre schon kaum Radio und gewählte Sendungen zu streamen kam mir einfach nur absurd vor: Wann sollte ich einfach daheim auf der Couch sitzen und mir einen Podcast anhören?

Mein Weg hin zu diesem wunderschönen Medium war ein ziemlich willkürlicher: Ein Freund erzählte mir, dass er ein großer Fan von Jessica Williams sei. Die hatte damals gerade aufgehört, für die "Daily Show" auf Comedy Central zu arbeiten um für den Sender eine eigene Serie zu entwickeln. Eine kurze Google-Suche ließ mich auf die schwärmenden Reviews ihres Podcasts "2 Dope Queens" stoßen. Kurze Zeit später war es um mich geschehen, und jetzt höre ich permanent, während dem Abwaschen oder auf dem Weg in die Arbeit, Podcasts. Eigentlich immer, sofern es mir meine Aufmerksamkeit nebenbei erlaubt. Und wenn es gerade nichts Neues gibt, bin ich auf der Suche nach neuen Podcasts. Hier ist meine Auswahl der interessantesten Podcasts aus Frauenperspektive.

1) 2 Dope Queens

Gute Einstiegsdroge, weil mehr unterhaltend als intellektuell fordernd. Jessica Williams und Phoebe Robinson sind die beiden namensgebenden Königinnen und leben als junge, afroamerikanische Comedians in New York. Der Podcast ist eine Aufnahme ihrer Live-Show in Brooklyn, bei der sie wechselnde Gäste zu Stand Up-Auftritten einladen, und in den Zwischensegmenten selbst über das Leben philosophieren. Dabei kann es um ihre sehr unterschiedlichen Herangehensweisen an Analsex gehen oder darüber, wie sehr sie von weißen Schauspielern genervt sind, die in historischen Dramen die Rollen von People of Color übernehmen. Oder darüber, wie sehr Phoebe mit Dwayne The Rock Johnson schlafen will, und dass er mal auf einen Tweet von ihr reagiert hat. Es ist auf jeden Fall immer sehr lustig, selbst wenn ernste Themen wie Rassismus behandelt werden. Die Gäste drücken auch oft in der Comedy-Szene unterrepräsentierte Stimme aus: Viele sind weiblich, queer oder gehören einer ethnischen Minderheit an.

2) Popaganda

Bitch Media - "the feminist response to pop culture" - ist ein unabhängiger, Non-Profit Verlag in Portland, Oregon. Das Magazin "Bitch" wurde von 1996 von u.a. Andi Zeisler gegründet und heute produziert der Verlag auch zwei Podcasts: "Popaganda" und "Backtalk".

Während sich in "Backtalk" zwei Redakteurinnen über aktuelle popkulturelle Ereignisse unterhalten - also auch eher ein leger erzähltes Format - ist Popaganda ein intensiv recherchiertes Erklärformat über Geschlechteraspekte in der Popkultur. Vor kurzem gab es eine Episode über Fembots und wie Roboter und künstliche Intelligenz oft als weibliche Dienerinnen oder die "perfekte Frau" dargestellt werden, die sich in ein männliche Ingenieur erschaffen hat.

Man muss schon ein ziemlicher Popkultur-Nerd sein, um Popaganda zu mögen, da es oft eine relativ detaillierte Analyse aktueller Phänomene ist, aber definiv hörenswert!

3) BBC Women's Hour

BBC Women's Hour ist so ein richtiges BBC-Programm: Also ziemlicher Hardcore-Journalismus aus weiblicher Perspektive. Da kann es um die erste britische Frau, die in Syrien ISIS bekämpft hat gehen, um PAP-Abstriche, mentale Krankheiten oder um das unrealistische Ideal von romantischen Langzeit-Beziehungen. Natürlich werden auch hochrangige kulturelle Ereignisse wie die Oscar-Nominierungen nicht ausgelassen. Ein bisschen weniger persönlich und spaßig aufgebaut als viele beliebte Podcasts, dafür sehr informativ.

4) Another Round von Buzzfeed

Viele Leute kennen Buzzfeed ja nur von Listicles über 20 Spielzeuge, die du aus deiner Kindheit vermisst. Weniger bekannt ist, dass Buzzfeed auch tollen Investigativjournalismus macht und einige Buzzfeed-Reporter im letztjährigen Wahlkampf mit großen Recherchecoups auf sich aufmerksam gemacht haben, wie zum Beispiel die Geschichte über Donald Trump in den Ankleidezimmern bei Schönheitswettbewerben oder auch seine politischen Interessenkonflikte mit seinen Unternehmen.

Jedenfalls kann man Buzzfeed durchaus ernstnehmen, und so auch den preisgekrönten Podcast "Another Round". Der Podcast ist witzig, intelligent und die Gästeliste ist mehr als prominent: Unter anderem waren schon Hillary Clinton, Ta-Nehisi Coates, Lena Dunham, Roxanne Gay und Margaret Cho zu Gast. Die behandelten Themen sind hochpolitisch und persönlich hat es mir wichtige Einblicke gegeben, was es bedeutet, als schwarze Frau in den USA zu leben. Diese Erfahrung lässt sich nicht eins zu eins auf andere Lebensrealitäten umlegen, ist aber trotzdem ein bereichernder Erfahrungsschatz um die politische Welt als auch die Gefühlswelt von Menschen mit mehreren Diskriminationserfahrungen besser zu verstehen.

5) Sooo many white guys

"Sooo many white guys" ist der zweite Podcast von Phoebe Robinson, eine der beiden Gastgeberinnen von "2 dope queens". So lustig sie als "dope queen" ist, lässt sie in "Sooo many white guys" ihre empathische Seite heraus: Der Podcast ist ein Interview-Format, bei dem sie die Geschichten von Menschen in den Vordergrund rücken möchte, die keine weißen Typen sind (weil die ohnehin schon ziemlich viel Öffentlichkeit bekommen). Zum Ende der Staffel wird noch ein Quoten-weißer Typ eingeladen, der auch seine Sicht der Dinge darlegen darf.

In der zweiten Staffel wurden die eingeladenen Namen merkbar bekannter, aber gerade das Entdecken neuer Stimmen, Künstler und Persönlichkeiten machte auch die erste Staffel sehr spannend (zB Lizzo) . Auch wichtig: Broad City-Kreatorin und Schauspielerin Ilana Glazer ist Produktionsleiterin für "Sooo many white guys".

6) Lady Problems

Im MTV-Podcast "Lady Problems" diskutiert die MTV-Kulturredakteurin Rachel Handler mit einer wechselnden Runde an Frauen, wie Popkultur Frauen in einer gegebenen Woche behandelt hat (und das ist meistens schlecht). Es geht viel um aktuelle Filme, Award Shows, und oft ist noch ein Insider aus der Industrie eingeladen: Diese Woche war zum Beispiel die Regisseurin Karyn Kusama zu Gast, die auch den bekannten Film "Jennifer's Body" gemacht hat, um über Frauen und Horrorfilme zu sprechen. Man kommt immer wieder auf sehr interessante, neue Aspekte, aber das Zuhören fällt wirklich sehr leicht und es fühlt sich oft eher so an, als würde man dem Gespräch einer Gruppe von Freundinnen lauschen (die sich halt wirklich gut auskennen).

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