6 Dinge, die du wirklich über K.O.-Tropfen wissen solltest

K.O.-Tropfen sind eine reale Gefahr für Frauen und Mädchen in Österreich. Auch österreichische Ex-Politiker tun gut daran, das nicht zu verharmlosen.

Das politische Drama, das die österreichische Innenpolitik dieser Tage ist, geht nicht ohne frauenfeindliche und herabwürdige Aussagen. Johann Gudenus sieht sich im Ibiza-Video als "willkommenes und willfähriges Opfer", das man "womöglich zusätzlich mit K.O.-Tropfen oder ähnlichen Substanzen und Drogen" gefügig gemacht habe. Der von allen Funktionen zurückgetretene, ehemalige FPÖ-Politiker verhöhnt so all jene, die tatsächlich und gegen ihren Willen Opfer der flüssigen Drogen wurden: Eine siebenstündige Unterhaltung in einer Fremdsprache und ein paar pantomimische Einlagen sind unter dem Einfluss von K.O.-Tropfen nämlich nicht möglich.

Für Frauen und Mädchen ist die Gefahr tatsächlich real. Im Jahr 2015 wurden 54 Vergewaltigungsfälle aktenkundig, in denen die Täter ihre Opfer ohne deren Wissen unter Drogen gesetzt hatten. 2014 waren es acht, 2013 nur ein Fall. Die Bereitschaft sexueller Gewalttäter, ihre Opfer mit Drogen gefügig zu machen, steigt also an. Was du wissen musst:

6 Fakten, die du wirklich über K.O.-Tropfen wissen solltest

1. K.O.-Tropfen sind nicht "diese eine einzige Droge"

Was wir übergreifend als "K.O.-Tropfen" kennen, kann eine von vielen Substanzen sein. Im Allgemeinen handelt es sich um flüssige Drogen, die in geringer Dosis stimulierend und enthemmend, in höheren Dosen betäubend und einschläfernd wirken. Die Tropfen sind farb- und geruchlos, schmecken salzig bis seifig, sind jedoch in Mixgetränken kaum wahrnehmbar.

Am häufigsten wird so genanntes "Liquid Ecstasy" verwendet, das auf GHB oder GBL basiert. Die Gamma-Hydroybuttersäure (GHB) ist eine Droge, die dem Betäubungsmittelgesetz untertliegt. Sie hat einen salzigen bis seifigen Geschmack. Gamma-Butyrolacton (GBL) wandelt sich im Körper eigenständig fast 1:1 in GHB um, unterliegt aber nicht dem Betäubungsmittelgesetz, sonderm dem Neue Psychoaktive Substanzen Gesetz (NPSG). Es kommt hauptsächlich als Lösungsmitel in der Industrie zum Einsatz. In der Regel ist es flüssig und farblos, riecht unangenehm und schwach lösungsmittelartig, aber nicht beißend.

Außerdem verwenden Täter auch Ketamin, Benzodiazepine und viele weitere Medikamente.

2. Achte auf erste Anzeichen

Nach Einnahme der K.O.-Tropfen werden die Opfer zunächst willenlos und leicht manipulierbar. Danach folgen Übelkeit und Schwindel. Je nach Dosierung ist die Bewegungs- und Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Zunächst können die Tropfen euphorisierend wirken, doch in hoher Dosierung können sie zu einem tiefen, komaartigen Schlaf und sogar zum Tod führen. Der "willenlose Dämmerzustand" ähnelt dem eines schweren Alkoholrausches. Erinnerungslücken bis hin zur Amnesie treten außerdem auf.

3. Meistens gibt es erst später Gewissheit

Dass da wirklich K.O.-Tropfen im Getränk waren, wird Betroffen meist erst im Nachhinein bewusst. Sie erwachen daheim oder an einem fremden Ort und wissen nicht, wie sie dorthin gekommen sind. Opfer fühlen sich, als wären sie extrem verkatert, sie fühlen sich matt. Noch länger können sie unter körperlichen Beschwerden wie Erbrechen, Kopfschmerzen oder Schwindel leiden.

4. Erinnern kannst du dich trotzdem an wenig

Betroffene wissen oft nicht, was ihnen geschehen ist. Sie können sich nicht erinnern, ob oder in welcher Form und von wem ihnen möglicherweise Gewalt angetan wurde. Häufig gibt es nur ein vages Gefühl, dass es zu einem sexuellen Übergriff oder zu einer Vergewaltigung gekommen ist. Gerade in solchen Fällen ist Beratung (zum Beispiel beim Frauennotruf) extrem wichtig - auch wenn man sich unsicher ist, was wirklich passiert ist.

5. Darum: Vorher aufpassen ist wichtig

Die Regeln sind bekannt, und sie gelten leider nach wie vor: Lass dein Getränk nicht unbeaufsichtigt stehen. Mach mit FreundInnen aus, dass ihr gegenseitig auf eure Getränke aufpasst. Nimm keine offenen Getränke an, und Getränkeeinladungen nur dann, wenn du den Weg des Glases mitverfolgen kannst. Und aufpassen - die TäterInnen müssen keine Fremden sein!

6: ... und hör auf deinen Instinkt!

Wenn du dich auf einer Party unwohl fühlst, wende dich an eine Freundin, informiere sie oder verlasse das Lokal oder die Party am besten. Alleine zu gehen ist jedoch gefährlich, da die Täter oft draußen vor dem Lokal als Hilfe anbietende Personen bereits auf die beeinträchtigte Person warten und ihnen anbieten, sich bei ihnen auszuruhen oder sich um sie zu kümmern. Wenn du glaubst, dass dir K.O.-Tropfen verabreicht wurden, handle schnell (Polizei 133, Rettung 144) und ohne Scham, bevor die volle Wirkung einsetzt. Wichtig: Auch wenn du die verbotenen Substanzen freiwillig eingenommen haben, machen sich Personen, die diesen Zustand ausnutzen, strafbar!

Die Kampagne "Mich kriegst du nicht K.O." des Frauenservice (MA 57) klärt darüber auf, was K.O. Tropfen sind, wie du dich davor schützen kannst und was du tun kannst. Im Notfall kannst du dich immer an den Frauennotruf unter 01 71 71 9 oder die Frauenhelpline 0800 222 555 wenden

 

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