Welche Menstruations-Apps deine Daten an Dritte weitergeben

Anwendungen wie Clue, Flo & Co. helfen dabei, Muster im Zyklus festzustellen und die Periode zu tracken. Von so manchen Apps profitieren aber in erster Linie nicht nur die Enduserinnen, sondern vor allem auch große Konzerne.

Illustration einer Zyklus-App

Egal, ob man gerade versucht, schwanger zu werden oder genau das vermeiden möchte – viele Frauen tracken ihren Zyklus mittlerweile mit Apps anstatt rote Punkterl oder Stricherl in den analogen Kalender zu kritzeln. In diversen Applikationen erhalten Menschen mit Periodenblutung so auf einen Blick eine Übersicht über den Zyklus – welche Muster erkennbar sind, welche Veränderungen es gibt, wann der Eisprung oder die fruchtbaren Tage sind.

Perioden-Apps tracken nicht nur die Periode

Mit ebendiesem praktischen Überblick werben Zyklus-Apps um Anwenderinnen – dabei fragen die Applikationen oft viel mehr ab als bloß Infos zur Monatsblutung: Coding Rights hat analysiert, welche Daten Menstruations-Apps darüber hinaus sammeln. Gesundheitszustand, Schlafqualität, Sexleben werden oft genauso abgefragt wie Infos über den aktuellen Zustand von Haut und Haaren. Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass all diese Aspekte auch mit der Periode zusammenhängen und wichtig sein können, um Muster zu erkennen. Nur: Die Daten werden für Userinnen nie so wichtig sein wie für die Apps selbst. App-Anbieter können unsere Daten nämlich um teures Geld weiterverkaufen.

Femtech-Branche boomt

Aufzeichnungen über unsere Stimmung, unsere Motivation und unser Schlafverhalten sind im Marketing großer Konzerne begehrt. So können Werbungen für Pölster, Bettwäsche oder Schokolade genau getimed werden – und so zu höherem Konsum führen. Der Guardianhat ebendieses Phänomen in einem Video aufbereitet und zeigt, warum wir in der ersten Zyklushälfte eher Werbungen für Unterwäsche im Facebook-Feed haben und uns in der zweiten Zyklushälfte eher Interior-Shops anlocken wollen:

Die Daten von Frauen als Zielgruppe mit besonders hoher Kaufkraft (weil: Hallo Selbstoptimierung, Shoutout ans Patriarchat!) sind daher für Marketingzwecke besonders wertvoll – weshalb immer mehr Zyklus-Apps die Daten mit Dritten teilen.

Die britische NGO Privacy International hat hierfür getestet, wie Menstruations-Apps mit den Daten ihrer Nutzerinnen umgehen. Folgende Apps wurden Teil der Untersuchung: Period Tracker by Leap Fitness Group, Period Tracker Flo by Flo Health, Period Tracker by Simple Design Ltd, Clue Period Tracker by Biowink, Maya by Plackal Tech, MIA by Mobapp Development Limited, My Period Tracker by Linchpin Health, Ovulation Calculator by Pinkbird, Period Tracker by GP International LLC, Mi Calendario by Grupo Familia.

Alle außer eine App verkaufen Daten an Facebook

Das Ergebnis ist ernüchternd: Alle Anbieter außer Period Tracker by GP International LLC teilen die Daten mit Facebook. Die Apps Maya by Plackal Tech und MIA by Mobapp Development Limited sind in Sachen Datenschutz besonders negativ aufgefallen. Erstere etwa teilt die Daten bereits beim bloßen Öffnen der App mit Facebook – ohne, dass man zuvor eine Zustimmung angekreuzt oder Nutzungsbedingungen zugestimmt hat.

Daten von Schwangeren besonders teuer

Die Daten von einer menstruierenden Person sind im Schnitt 10 Cent wert. Daten über Schwangere werden hingegen um bis zu 1,50 Dollar weiterverkauft, weil Schwangere bei Werbefirmen eine besonders beliebte Zielgruppe sind. Wird also einmal getrackt, dass die Periode ausbleibt, steigt der Preis unserer Daten immens. Nur: Wenn auf den Verkauf der Daten nicht einmal in den Nutzungsbedingungen von Apps hingewiesen wird, verstoßen die App-Anbieter gegen die EU-Datenschutzverordnung. Welche juristischen Folgen diese Erkenntnisse der Analyse nach sich ziehen, ist noch ungewiss.

Immerhin kann man durch die Analyse von Privacy International nun als Endkonsumentin aber mal erkennen, welche Apps Daten weiterverkaufen. Das löst aber das Problem an sich nicht, so das Fazit der NGO: "Nicht die Nutzerinnen sollen sich darüber sorgen müssen, mit wem die App, die sie ausgewählt haben, die Daten teilen, sondern die Verantwortung soll bei den Unternehmen liegen, ihren rechtlichen Verpflichtungen nachzukommen."

 

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