Warum Netflix die Suizid-Szene aus "13 Reasons Why" gelöscht hat

Vor Veröffentlichung der dritten Staffel "Tote Mädchen lügen nicht" entfernt Netflix die kritische Szene aus dem Staffelfinale der ersten Staffel - und hört damit schlussendlich auf die Warnungen zahlreicher PsychologInnen auf der ganzen Welt.

++++++ Achtung: Triggerwarnung! Der Artikel enthält Darstellungen von selbstverletzendem Verhalten und Suizid. ++++++

Tote Mädchen lügen nicht

Die erste Staffel der Netflix-Serie "13 Reasons Why", zu deutsch "Tote Mädchen lügen nicht", mag mit einigen Tabus über psychische Erkrankungen und sexuelle Gewalt gebrochen haben, die Glorifizierung des Selbstmordes der Hauptfigur hat aber seit Veröffentlichung für laute Kritik gesorgt. Weltweit warnten PsychologInnen vor den Darstellungen in der Serie, auch der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie stellte nach Veröffentlichung der ersten Staffel klar: "Problematisch ist [...], dass das Thema Suizid darin als Weg aus einer schwierigen Situation dargestellt wird." In den USA warnten Gesundheitsorganisationen, dass die Serie den Zustand Jugendlicher mit psychischen Problemen verschlechtern könnte, in Neuseeland dürfen Minderjährige nicht ohne Erwachsene schauen. Mit Veröffentlichung der zweiten Staffel fügte Netflix schließlich Warnhinweise hinzu, am Inhalt änderte sich nichts - bis jetzt!

3 Minuten Selbstmord im Fernsehen

Eine Szene der ersten Staffel stand seit nunmehr zwei Jahren besonders in Kritik: Das Staffelfinale der ersten Staffel zeigt den Selbstmord der Titelfigur Hannah Baker, fast schon minutiös und feierlich. Vor Veröffentlichung der dritten Staffel traf Netflix nun eine Entscheidung: Die Suizid-Szene wird endgültig aus der Folge gelöscht. Man orientiere sich an der Empfehlung medzinischer ExpertInnen, wie etwa der medizinischen Leiterin der American Foundation for Suicide Prevention.

"Es war unsere kreative Absicht, die hässliche und schmerzhafte Realität von Suiziden detailliert zu zeigen und so den die schreckliche Wahrheit solch einer Tat zu illustrieren - um sicherzustellen, dass niemand sie jemals nachahmen wollen würde", betont Serienmacher Brian Yorkey. Trotz negativer KritikInnen und Stimmen der letzten Jahre sehen sich die Serienmacher in dieser Mission bestätigt. "Wir haben von so vielen jungen Menschen gehört, dass "13 Resons Why" sie dazu ermutigt hat, über schwierige Probleme wie Depressionen und Suizidgedanken zu sprechen und Hilfe anzunehmen - oft zum ersten Mal", heißt es im offziellen Statement von Netflix. Nichtsdestotrotz habe man sich für den neuen Schnitt entschieden. "Keine einzelne Szene ist wichtiger als das Überleben der Serie und der Message, die sie verbreiten will: Dass wir alle besser aufeinander Acht geben müssen."

Hilfe in Krisensituationen: Telefonseelsorge

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