Von dummen Impfskeptikern und 100 Jahre alten Impfstoffen

Bert Ehgartner, Wissenschaftsjournalist, Dokumentarfilmer und Filmproduzent, setzt sich seit vielen Jahren kritisch mit dem Thema Impfungen auseinander. Im Oktober erscheint sein Buch Gute Impfung, schlechte Impfung

WIENERIN: Impfskeptiker werden oft als dumm beschimpft. Woher kommt dieses Vorurteil? 

Bert Ehgartner: Das hängt damit zusammen, dass in manchen Kreisen radikaler Impfgegner abenteuerlicher Stumpfsinn kursiert. Da wird beispielsweise behauptet, es gebe gar keine Viren, und alle Impfungen ­seien Ins­trumente der Pharma-Mafia, um die Menschheit zu vergiften. Auffällig ist jedoch, dass man heute schon als „Impf­gegner“ bezeichnet wird, wenn man Ver­besserungsvorschläge macht oder Kritik übt. Nirgendwo wird so extrem schwarz-weiß ­gemalt wie im Impfwesen.

Impfdiskussionen in Foren oder sozialen Medien laufen meist sehr emotional ab. Woran liegt das?

Es geht um eine ungewisse Bedrohung von außen, jemand gefährdet die Gesundheit der eigenen Herde. Ungeimpfte gelten als „Bioterroristen“, weil sie Keime einschleppen, es herrscht Angst und Unsicherheit. In Wahrheit sind Infektionskrankheiten zum Großteil Gefahren von gestern, während ein Drittel der Bevölkerung von Allergien, Autoimmunkrankheiten und anderen chronischen Krankheiten betroffen ist. Doch das subjektive Empfinden ist ein anderes.

Woher kommen dieses Empfinden und die Angst vor seltenen Krankheiten?

In den Medien wird laufend über Risiken berichtet: Ebola oder Influenza oder Masern brechen aus, überall lauern neue Krankheiten und Gefahren. Alle warnen und niemand ist für Entwarnung zuständig. Dabei hatten wir noch nie so ein hohes Maß an Sicherheit. 

Gilt das auch für die Sicherheit von Impfungen?

Wenn nach einer Impfung ein ­Problem auftritt, so wird sofort nach „maximaler Diagnostik“ gerufen, um vielleicht einen Genschaden zu finden, der schuld an der Störung ist; doch wenn nach einem Infekt ein Problem auftritt, war immer der Infekt schuld. Ein Beispiel: Als in Berlin beim letzten größeren Ausbruch ein Kleinkind an Masern starb, gingen die Wogen hoch. Dass das Kind altersgemäß geimpft war und zudem einen schweren angeborenen Herzfehler hatte, wurde in der Bericht­erstattung unterschlagen.

Stichwort Masern: Wie stehen Sie zu dieser Impfung?

Bei Masern gibt es nur noch den Weg nach vorne: zur Ausrottung der Masern­viren. Ich bin ein Befürworter der Impfung, wünsche mir allerdings, dass es bessere Impfstoffe gäbe: etwa Einzelimpfstoffe, die nicht unter die Haut gespritzt werden, sondern die man inhalieren kann. 
Früher waren die Masern eine relativ harmlose Kinderkrankheit, das typische ­Alter dafür war die Vor- und Volksschulzeit. Heute erkranken die Babys im ersten Lebensjahr, weil die meisten Mütter bereits geimpft sind und deshalb den Babys weniger Nestschutz mitgeben. In diesem Alter ist das Risiko für Komplikationen höher, ebenso bei Erwachsenen. Bei den letzten großen Ausbrüchen waren zwei Drittel der Betroffenen älter als zehn Jahre. Es gibt zwar heute deutlich weniger Masernfälle, doch bei ­jenen, die trotzdem erkranken, ist das Komplikationsrisiko gestiegen.

Heißt das, Impfungen können Krankheiten verändern?

Ja, wir verändern mit Impfungen manche natürlichen Abläufe. Wenn wir impfen, so verschiebt sich beispielsweise das Alter jener, die trotzdem erkranken, nach oben. Im Alter von 30 oder 50 Jahren ist unser ­Immunsystem jedoch deutlich weniger fit als mit drei oder fünf Jahren. Kinder sind Weltmeister im Umgang mit Viren und Bakterien – Erwachsene, die an Masern erkranken, bekommen vermehrt Lungenentzündung oder starke Bronchitis und andere Komplikationen. 

Die logische Antwort darauf wäre nun: Wenn alle geimpft sind, kann niemand mehr die Krankheit bekommen …

Das stimmt leider so nicht. Die Masernimpfung wirkt zwar sehr gut, doch ­aktuelle Untersuchungen zeigen, dass ­speziell im ­Alter zwischen 30 und 39 Jahren ein Immun­loch aufgeht und immer mehr Geimpfte keine Antikörper mehr haben. Während jene, die die Masern natürlich durchgemacht haben, ein Leben lang immun sind, ist das bei der Impfung nicht so gewiss. Und wahrscheinlich muss man bald Erwachsene nachimpfen.

Welche Impfungen sind empfehlenswert?

Es gibt nicht die eine Impfung, man muss differenzieren nach den Krankheiten und Arten von Impfungen: Wie hoch ist das Risiko, dass ich die Krankheit ungeimpft bekomme? Was passiert, wenn ich sie bekomme? Wie sicher schützt mich die Impfung? Und was sind die Nebenwirkungen der Impfung?

Gibt es Ihrer Ansicht nach Beispiele für bedenkliche Impfungen?

Es gibt eine Reihe von Impfungen, die bald 100 Jahre alt werden und bis heute kaum modernisiert wurden, wie etwa die Tetanus- und die Diphtherieimpfung. Da wäre es dringend nötig, einmal wissenschaftlich objektiv zu kontrollieren, ob ­diese Impfungen heute überhaupt noch nötig sind – und falls ja, für wen. Diese Impfungen ­zählen darüber hinaus zu den ­sogenannten Totimpfungen, die Aluminium enthalten. Mein Film Die Akte Aluminium hat zu ­einem Umdenken beim Einsatz von Alu­minium in Deos geführt – bei Impfungen gab es bisher keine Konsequenzen.  

Buchtipp! Der Ratgeber Gute Impfung, schlechte Impfung von Bert Ehgartner deckt jede denk­bare Impffrage ab und liefert verständliche Antworten ohne Panikmache. Ennsthaler-Verlag, € 21,90.

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