Vaginal Steaming: Warum das umstrittene Intim-Dampfbad so beliebt ist

Gwyneth Paltrow gönnt ihrer Vagina regelmäßige Dampfbäder. Aber müssen wir es deshalb auch tun?

Alle reden über Vaginal Steaming. Aber was Hollywood-Star Gwyneth Paltrow regelmäßig macht und amerikanische Spas als angesagtes Treatment anbieten, ist in Wahrheit gar nicht so neu, wie es klingt.

In afrikanischen Kulturen in Mosambik oder Südafrika werden warme Vaginal-Bedampfungen bereits seit Jahrhunderten durchgeführt, auch in Indonesien oder Thailand ist es lang gepflegte Tradition. Doch egal, ob trendige Hipster-Behandlung oder Kult-Brauch - der Ablauf ist immer gleich.

Gwyneth Paltrow

So funktioniert ein Vaginal Dampfbad

+ Schritt 1: Bringe einen großen Topf voll Wasser zum Kochen bis es sprudelt. Füge mehrere Esslöffel getrockneter Kräuter (Kamille, Lavendel und/oder Rosmarin) hinzu und lass alles bei mittlerer Hitze circa zehn Minuten köcheln. Anschließend lass das Dampfbad abkühlen bis der Dampf nicht mehr brennend heiß, sondern angenehm warm ist (Vorsicht vor Verbrühungen!).

+ Schritt 2: Setz dich ohne Unterwäsche und mit leicht geöffneten Beinen auf die Kante eines Stuhls, stell den dampfenden Topf darunter und leg eine dicke Decke so über den Schoß, dass sie bis auf den Boden reicht und keinen Dampf zu den Seiten entweichen lässt.

+ Schritt 3: Lass das Dampfbad für circa 20 Minuten wirken. Versuche dabei eine bequeme Sitzposition zu finden, sodass du entspannen kannst. Nach Ende des Dampfbads tupfst du den Intimberiech vorsichtig mit einem Handtuch trocken und ziehst dir umgehend warme Wäsche an.

Was bringt ein Vaginal Dampfbad?

Befürworter des Vaginal Steaming schätzen das Ritual vor allem als Mittel der Entspannung. Wer zu Regelschmerzen neigt oder sich beim Sex schlecht entspannen kann, kann durch den warmen Dampf auf Besserung hoffen. Die Hitze regt nämlich die Durchblutung an und soll so für Muskelentspannung sorgen und ein anhaltendes Wärmegefühl in der Vagina erzeugen. Sogar leichte Hautreizungen oder Pickel sollen durch den pflegenden Kräuterdampf beruhigt werden.

Schmerzhafte oder größere Entzündungen sollten hingegen nicht in Eigenregie behandelt werden, sondern bedürfen ärztlicher Hilfe. Auch bei einer Neigung zu Pilzbefall sollte man mit vaginalen Dampfbädern vorsichtig sein, da warmer Dampf das Bakterienwachstum fördert.

Vorsicht: Mögliche Gefahren des Vaginal Steaming

Der heiße Dampf unterhalb der Gürtelline findet ohnehin nicht nur Befürworter. Oft heißt es zwar, vaginale Dampfbäder würden eine Detox-Kur oder gar eine Tiefenreinigung der Schleimhäute bewirken. Eine wissenschaftliche Bestätigung hierfür gibt es allerdings nicht.

Sogar das Gegenteil ist der Fall: Viele GynäkologInnen raten davon ab, die Vagina mit heißen Dämpfen aus ihrem natürlichen Gleichgewicht zu bringen. Die Vagina verfügt über Schleimhäute und Bakterien, die sich selbst gesund erhalten und vor dem Eindringen von Bakterien schützen. Stört man diese empfindliche Vaginalflora (z.B. durch zu heißen Dampf, aber auch durch zu aggressive Waschsubstanzen), könnte die natürliche Schutzfunktion tangiert werden. So erklärte die amerikanischeGynäkologin Dr. Jen Gunter kürzlich, wie gefährlich derartige Reinigungsbehandlungen sind: "Studien über Studien haben bewiesen, dass vaginale Duschen, Reinigungen, Dampfbäder oder ph-balancierende Produkte, Aloe Vera, Essig oder was auch immer schlechter sind, als einfach nichts zu tun. Alles, was wir dadurch bewirken, ist die Tötung guter Bakterien oder die Schädigung der Schleimhaut".

Wer seiner Vagina etwas Gutes tun will, glaubt daher nicht alles, was aus Hollywood kommt; sondern hinterfragt kritisch und hört letztlich auf seinen Körper und sein Bauchgefühl; das weiß nämlich immer noch am besten, was du und deine Vagina brauchen!

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