Sich schön essen? Ja, das geht!

Dichtes Haar, glatte Haut und harte Nägel – kein Problem, wenn man die richtigen Dinge isst. Doch gerade das tun Frauen oft viel zu wenig.

Zuerst einmal eine kleine Zeitreise: Stellen Sie sich eine österreichische Bäuerin vor, die vor etwa 500 Jahren gelebt hat. Die um vier Uhr morgens aufstehen musste, den ganzen Tag gerackert hat und daneben noch zehn Kinder aufzog. Was sehen Sie? Eine Frau mit struppigem, glanzlosen Haar, mit trockener Haut und brüchigen Fingernägeln? Nun, dieses Bild stimmt wahrscheinlich nicht. Und zwar aus verschiedenen Gründen:

Erstens konnte diese Frau durch ihre schwere körperliche Arbeit bis zu 4000 Kalorien täglich zu sich nehmen, während wir Bürofräuleins gerade einmal 1900 Kalorien vertragen, um nicht in die Breite zu gehen. Das heißt: Allein durch das viele Essen konnte sie ihren Bedarf an Mikronährstoffen leichter decken als wir Dauer-Diäterinnen. Zweitens hat diese Frau eine weitaus größere Menge an Getreideprodukten – als Frühstück zum Beispiel den besonders wertvollen Haferbrei – zu sich genommen, als heute üblich ist. Und drittens war das Obst und Gemüse, das zu ihrer Kost gehörte, noch viel reicher an Vitaminen und Mineralstoffen als unsere auf ausgelaugten Böden angebauten Landwirtschaftsprodukte.

Zurück in die Zukunft.

Wir essen also quantitativ weniger und dazu noch qualitativ schlechter - bräuchten aber genau so viele Mikronährstoffe wie die Bäuerin vor 500 Jahren. Das Ergebnis liegt auf der Hand: Die Frau von heute rutscht leicht in ein Defizit. Und viele haben Probleme mit irritierter Haut, dünnem Haar und zersplitternden Fingernägeln. Eine Studie, die am Institut für Ernährung und Stoffwechselerkrankungen von Primarius Dr. Meinrad Lindschinger mit 400 gesunden (!) Probanden vor einiger Zeit durchgeführt wurde, hat dies auch mit harten Zahlen belegt. Dr. Lindschinger: "Sogar bei den Frauen, die halbwegs bewusst essen, fehlt überall ein bisschen was. Jene, die Entschlackungskuren machen, haben schnell zu wenig Zink und Silizium. Bei häufigen Abmagerungskuren ist Haarausfall vorprogrammiert. Und am schlimmsten sieht die Situation bei den gestressten jungen Frauen aus, die doppelt- und dreifachbelastet sind und dazu noch rauchen." Letztere haben nicht nur klare Mangelerscheinungen, sondern auch eine "grenzwertige Belastung von freien Radikalen und eine grenzwertige Antikörpersituation". Eine der Folgen: Die Haut altert schneller, sie bekommen schon früh Falten und die kleinen, braunen Altersflecken.

Stress in der Zelle.

Freie Radikale sind eines der Spezialgebiete des steirischen Orthomolekular-Mediziners. In seinem Institut, das zu der Tagesklinik Schwarzl im Ort Laßnitzhöhe gehört, kann er als einer der wenigen in Österreich genau bestimmen, wie stark ein Mensch durch diese zellschädigenden Substanzen belastet ist. Und: welche Nährstoffe er in welchen Mengen genau bräuchte, um wieder auf gleich zu kommen. Dazu wird eine so genannte Vollblut-Analyse samt Radikalbestimmung gemacht. Sinnvoll ist sie auf jeden Fall, wenn Veränderungen bereits sichtbar sind. Wenn also die Nägel etwa schon Rillen und weiße Punkte haben, die Haare brüchig sind oder immer mehr ausdünnen oder wenn die Haut extrem trocken und reizbar ist. "Dann ist ein Nährstoffdefizit bereits eingetreten", so Lindschinger, "und man schafft es mit besserer Ernährung allein oft nicht mehr, die Depots wieder aufzufüllen. In diesem Fall hilft eine kurmäßige Substitution, die über ca. drei Monate geht."

In ganz extremen Fällen - wenn also solche Mengen an Mineralien und Vitaminen fehlen, dass durch orale Einnahme der Magen zu stark belastet würde - verabreicht Dr. Lindschinger Infusionen. Wovor er allerdings dringendst warnt, ist die blinde Einnahme von Nahrungsmittel-Substitutionen: "Wenn Sie ungezielt Antioxidantien einnehmen, können Sie unter Umständen genau das auslösen, was Sie verhindern wollen." Ebenfalls geklärt sollte bei Mangelerscheinungen unbedingt werden, ob bei der betreffenden Person eine Lactose- oder eine Fructoseintoleranz - also eine Unverträglichkeit von Milch- oder Fruchtzucker - besteht. Denn: Durch eine derartige Unverträglichkeit kann es zu einer gestörten Aufnahme von Vitaminen, Mineralstoffen und den (gerade für die Schönheit so wichtigen) Spurenelementen wie Kalzium, Zink oder Selen kommen. Mehr noch, so der Stoffwechselexperte: "Wenn Sie zum Beispiel eine Unverträglichkeit gegen Früchte haben, bauen Sie ein Vitamin-Defizit auf - und genau dadurch können sich immer weitere Unverträglichkeiten entwickeln."

Vorbeugen statt schlucken.

Einmal abgesehen von all diesen schon krankheitswertigen Problemen mit den Mikronährstoffen - was kann man tun, um gar nicht erst in ein Defizit hineinzurutschen, um einfach natürlich schön zu sein? - Sich gesund ernähren, natürlich. Aber wie macht man das, darauf bei all dem Stress nicht zu vergessen? Ganz Eiligen empfehlen wir, sich in der Küche oder am Arbeitsplatz einen Spickzettel aufzuhängen. Und sich darauf eingängige Ernährungsregeln zu notieren, wie etwa:

  • Zwei Mal wöchentlich Meeresfisch
  • Hartkäse statt Wurst
  • Nüsse statt Schoko
  • Mineralwasser statt zuckerhaltigen Getränken

Wer mehr Zeit hat, sollte sich aus den für Haare, Haut und Nägeln empfohlenen Nahrungsmitteln Mahlzeiten zusammenstellen, die ihm besonders gut schmecken. Und dann daraus einen Wochen-Menüplan machen, den man ebenfalls gut sichtbar in die Küche hängt. Sich zu denken: "Ach was, ich geh' zum Würstelstand und schluck' die Vitamine nachher!" ist übrigens nicht empfehlenswert. Denn so gut manche Präparate auch sein mögen – die Schönheit, die aus lebendigen Zellen kommt, kann durch nichts ersetzt werden.

 

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