Sex-Typen

Jede Frau ist einzigartig. Auch im Bett. Doch gewisse Grundtypen gibt es auch. Wie Sie sind, woher diese kommen, wie Se damit gut leben können.

Für Männer ist die Sache oft ganz einfach: Rothaarige sind wilde Hexen. Blondinen kriegt man leicht ins Bett. Frauen mit vollen Lippen sind Spezialistinnen für Orales, die mit dünnen sind verklemmt und so weiter und so fort. Für uns Frauen ist diese Typisierung meist - gelinde gesagt - ärgerlich. Denn egal, ob wir jetzt rothaarig, schmollmundig oder sonst was sind - wie wir uns beim Sex verhalten, worauf wir stehen und worauf nicht, hat damit herzlich wenig zu tun.

Der persönliche Sexquotient

Hundert Mal wichtiger als unsere Haarfarbe ist dafür zum Beispiel, ob wir als Kleinkinder ausgiebig mit unserem Brei rummatschen durften. Wichtiger als unsere Körbchengröße ist die Frage, ob unsere Mama unseren Papa eigentlich noch geil fand. Alles, was wir bis zu dem Moment erlebt haben, an dem wir mit einem Mann ins Bett steigen, ist ausschlaggebend dafür, wie wir das tun. Manche Verhaltensweisen - ob genetisch oder energetisch - erben wir wahrscheinlich einfach von unseren Eltern. Andere Grundtendenzen prägen sich gleich in der frühen Kindheit aus. Das heißt: Welche sinnlichen Erfahrungen durfte ich da ungestört machen, welche habe ich vermisst, welche wurden unterdrückt, welche abgewertet?

Alles, was wir bis zu dem Moment erlebt haben, an dem wir mit einem Mann ins Bett steigen, ist ausschlaggebend dafür, wie wir das tun.

Und dann spielt natürlich noch das generelle Familien-Klima eine Rolle. War es herzlich, kühl oder aufgeladen mit verqueren erotischen Spannungen? Wer waren in der Pubertät meine Vorbilder? In einer Psychoanalyse werden all solche Fragen auf der Couch im Detail zerlegt, wenn jemand sich selbst auf die Schliche kommen will. Und heraus kommt immer dasselbe: Jeder Mensch hat seine ganz persönliche und einzigartige Sexualität. Dennoch erkennen die Tiefenpsychologen auch gewisse Grundmuster, die sich immer wieder ausbilden. Ausgehend von diesen Grundmustern hat die WIENERIN zusammen mit Dr. Walter Hoffmann und Sexualtherapeut Dr. Dieter Schmutzer sechs Sex-Profile erarbeitet. Auf manche Frauen mögen sie 100-prozentig zutreffen - die meisten jedoch werden sich als Mischtypen erkennen. Doch egal, in welchem Profil man sich wieder erkennt: "Sich einmal auf neue Erfahrungen einzulassen", so Dr. Schmutzer, "ist einem Menschen immer möglich."

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Die Abenteurerin
Die Romantikerin
Die Coole
Die Sexbombe
Die Konservative
Die Selbstsichere

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Die Abenteurerin

Aussehen. Oft eine Mischung aus trendy, sexy und eigenwillig. Übersehen kann man sie jedenfalls nicht - was manche Männer sofort fesselt, andere jedoch verschreckt.

Verbale Ebene. Zu ihr darf man alles sagen, nur nichts Langweiliges. Kecke Ansagen und frivole Komplimente hingegen motivieren sie, mit einem Mann in einen (verbalen) Clinch zu gehen.

Fantasien. Bunt, wild und bizarr. Und manchmal von der großen Liebe.

Sex. Sie kann - da sie teilweise wie ein Mann denkt - Sex und Liebe durchaus voneinander trennen. Was sie besonders reizt, ist der Reiz des Neuen, des Verbotenen und Ungewöhnlichen, während sie bei erotischer Hausmannskost von der Bettkante flüchtet. Männer bekommen von ihr beim Sex viel geboten - Impulsivität, Kreativität und schräge Kicks. Stilles Genießen und echte emotionelle Nähe gehören jedoch nicht unbedingt zu ihrem Repertoire. Und das führt dazu, dass sich etliche ihrer Bettgenossen nach einer Zeit der Ekstase überfordert und übersättigt von ihr fühlen.

Hintergrund. Mitunter ist die permanente Suche nach Thrill und Action eine Trotzreaktion auf eine extrem spießige, einengende Familie. Häufig ist die Abenteurerin jedoch eine, die sich als kleines Mädchen ungestört in Daddys Bewunderung sonnen durfte. Deshalb fühlt sie sich als Erwachsene geradezu unverletzbar und spielt gerne mit dem Feuer. Die Schattenseite dieser Vater-Tochter-Bindung: Die realen Männer können dem tollen Vater nicht das Wasser reichen, und deshalb bleibt sie im Herzen immer nur ihm treu.

Tipp. Sich öfter mal selbst die Zeit geben, seinen wirklichen Gefühlen nachzufühlen. Oder anders formuliert, medizinisch: von einer permanenten Überdosierung einmal auf Homöopathie umsteigen.

Die Romantikerin

Aussehen. Die Romantikerin muss nicht unbedingt mit Spitzen und Rüschen dekoriert sein - einen femininen Stil bevorzugt sie allemal. Weiche Stoffe, freundliche Farben und verspielte Details kennzeichnen ihren Look, der jedoch selten eindeutig sexy ist. Haare: gerne lang oder lockig.

Verbale Ebene. Liebesgeflüster - ja, bitte. Bis der Honig aus den Ohren tropft. Deftige Verbalerotik - bloß nicht. Die irritiert sie wie ein Paukenschlag in einem Mozart-Sonett.

Fantasien. Überwältigt werden von starken Armen und Gefühlen. Kosmische Liebe und Einssein.

Sex. Stimmung und Atmosphäre müssen immer passen, und von Quickies oder One-Night-Stands hält dieser Frauentyp nicht viel. Sie muss sich geliebt und zärtlich umworben fühlen, um Lust auf Sex zu haben. Und selbst dann ist ihr Kuscheln und Schmusen oft wichtiger als der Akt an sich. Ist sie jedoch innerlich wirklich bereit, dann kann diese Frau sehr hingebungsvoll sein, weil ihre tiefste Sehnsucht die nach der totalen Verschmelzung mit dem Partner ist.

Hintergrund. Die Romantikerin kommt oft aus einem Umfeld, in dem Triebe verniedlicht und behübscht wurden. Ästhetik und Kultiviertheit haben in ihrer Familie mehr gezählt als Authentizität. Ihre Bindung an die Mutter ist meist stärker als die an den entfernteren Vater.

Tipp. Das Repertoire erweitern. Denn: Liebe ist nicht immer nur lieb. Sie braucht auch das direkte Zupacken, um nicht irgendwann vor Langeweile zu sterben.

Die Coole

Aussehen. Ihr Styling ist so gewählt, dass es ihr Distanz verschafft. Schlichte Stücke in gedeckten Farben, fast etwas maskulin, und stets wie aus dem Ei gepellt. Wuschelige Frisuren lehnt sie eher ab - die Coole ist kontrolliert bis in die Haarspitzen.

Verbale Ebene. Ironisch bis schnoddrig. Gefühlvolle oder erotische Komplimente machen sie eher verlegen, als sie in Stimmung zu bringen. Insgeheim braucht sie zwar das Lob, aber umgehen kann sie damit nicht.

Fantasien. Fesseln und gefesselt werden, ritualisierter Sex, Lustsklave und Domina.

Sex. Loslassen kann sie nur am Anfang einer Beziehung. Da ihr das Genießerische fremd ist und emotionelle Nähe sie beunruhigt, legt sie später oft keinen großen Wert mehr auf Vorspiel und Zärtlichkeiten. Sie bemüht sich im Bett zwar, technisch alles richtig zu machen und dabei noch gut auszusehen, aber spielerische Elemente, wollüstige Geräusche oder deftiges Bettgeflüster sind bei ihr nicht drin. Ihre größte Angst: sich zu öffnen, in Gefühlen zu verlieren und dadurch verletzlich zu werden.

Hintergrund. Regeln, Leistung und Funktionieren wurden ihr früh - zu früh - abverlangt. Auch die Eltern haben ihr wahrscheinlich eher eine Art Arbeitsgemeinschaft als eine erotisch-herzliche Beziehung vorgelebt. Gefühle zu zeigen oder spontan seinen Bedürfnissen nachzugehen war dementsprechend verpönt. Nähe hat sie dadurch nur selten, und wenn, dann als riskant erfahren.

Tipp. Sich Schritt für Schritt Genuss erlauben. Und die Angst vor Kontrollverlust in lustvolle kleine Kontrollspiele umwandeln.

Die Sexbombe

Aussehen. Steht auf ihrer Prioritätenliste ganz oben. Ob Mini, High Heels oder Wonderbra - diese Frau weiß ganz genau, wie sie Männer an die Angel bekommt. Und deshalb würde sie sich nie so stylen, dass ihre Vorzüge nicht optimal zur Geltung kommen.

Verbale Ebene. Sie ist Weltmeisterin in Fishing for Compliments. Und wenn ein Mann auf ihr Aussehen und ihren Körper Lobeshymnen anstimmt, dann ist das für sie das beste Aphrodisiakum.

Fantasien. Sex oder Striptease vor einem begeisterten Publikum. Oder: Mann sein und selbst einen Penis zu haben.

Sex. Verführung ist ihr Metier, deshalb macht sie auch gerne den ersten Schritt. Doch im Endeffekt besteht ihre Lust nicht darin, Befriedigung zu bekommen oder zu geben, sondern sich selbst im Begehren des Mannes zu spiegeln. Im tiefsten Inneren hat sie Angst vor Liebe und Hingabe, weil das für sie Unterwerfung und Machtverlust bedeutet. Männer erkennen ihre innere Unbeteiligtheit beim Sex oft erst nach einiger Zeit, weil sie dabei von Dessousshow über Lustschreie bis zur Stellungsakrobatik alle Register zieht.

Hintergrund. Eine Familie, die eigentlich eine erotische Dreiecksbeziehung gewesen ist. Mutter und Tochter haben um die Bestätigung und das Lob des Vaters gebuhlt, der jedoch zu schwach für stabile Beziehungen war. Übrig geblieben ist dabei eine zornige und verratene kleine Prinzessin, die kein echtes Selbstwertgefühl aufbauen konnte. Denn: Wenn die Mutter Rivalin ist, gewinnt letztendlich immer sie.

Tipp. Freundschaften schließen. Sowohl mit Männern als auch mit Frauen. Und dabei üben, anderen Menschen nicht nur das Äußere zu zeigen.

Die Konservative

Aussehen. Dezent vom Scheitel bis zur Sohle. Die typische Kostümfrau, die sich in Tönen von Beige bis Grau wohl und sicher fühlt. In trendigeren Outfits fühlt sie sich verkleidet.

Verbale Ebene. Sie mag es schlicht, aber gehaltvoll. Das bedeutet: Ein Mann braucht nicht viel Fantasie und Eloquenz für seine Komplimente, wenn er es nur ernst mit ihr meint.

Fantasien. Eher wenig, da verdrängt. Manchmal aus dem Themenkreis von Dominanz und Unterwerfung, manchmal aus jenem von Beobachten und Beobachtet-werden.

Sex. Kein großes Thema in ihrem Leben, aber auf jeden Fall an Liebe und Beziehung gekoppelt. Spontanität fällt ihr schwer, und deshalb muss alles stimmen, wenn es zu Sex kommen soll: Die Küche muss aufgeräumt sein, sie selbst frisch geduscht, und am nächsten Tag darf kein wichtiger Termin drohen. Experimente und Exzesse jeder Art lehnt sie ab. Aber wehe, wenn sie doch einmal zu viel getrunken hat ...

Hintergrund. Ein die Lebensfreude unterdrückendes, stark reglementiertes Umfeld, in dem das Spielerische zu kurz kam. Meist ein dominanter, autoritärer Vater und eine sich ihm unterordnende Mutter. Konservative Ideale, die an sie als Kind schon sehr früh hohe Anforderungen gestellt haben. In ihrem Inneren ist daher als erstes Gebot gepägt: Sei streng mit dir selbst, sonst verlierst du die Kontrolle.

Tipp. Die verdrängte Aggressivität spüren. Und dann einmal im stillen Kämmerlein überlegen, was man im Bett damit so alles anstellen könnte.

Die Selbstsichere

Aussehen. Sie wirkt auf Männer erotisch, auch wenn sie nur Jeans und T-Shirt trägt. Ansonsten hat sie in ihrem Kleidungsstil - wie überall in ihrem Leben - eine große Bandbreite. Mal sportlich, mal sexy, mal elegant - aber nichts davon übertrieben oder aufgesetzt.

Verbale Ebene. Wie's gerade passt. Ob romantisches Geturtel oder lustvolle Ferkeleien, bei ihr ist alles drin. Bis auf eines: sexistische Sprüche auf ihre Kosten.

Fantasien. Vielfältig, ohne schlechtes Gewissen und auch häufig auf den eigenen Partner bezogen.

Sex. Diese Frau tut im Bett, was immer ihr Spaß macht und Lust bereitet. Sie kann sich voll hingeben, aber auch ganz klar ihre Grenzen ziehen und Nein sagen, wenn sie keinen Bock hat. Ihre Flexibilität zeigt sich auch darin, dass sie im Liebesspiel sowohl die aktive als auch die passive Rolle einnimmt - ohne sich dadurch beherrscht oder unterlegen zu fühlen. Als Partner sucht sie sich nur jene Männer, die stark genug sind, um auch sie gelten lassen zu können.

Hintergrund. Optimal. Eine stabile und herzliche Beziehung zwischen den Eltern mit klaren Grenzen zum Kind. Das heißt, eine Umgebung, in der ein kleiner Mensch in Sicherheit und Offenheit seine Entwicklung zum sexuell reifen Wesen durchlaufen konnte. Dadurch fällt es der Selbstsicheren auch leicht, sich zum richtigen Zeitpunkt von ihren Eltern abzulösen und ihre Liebe Mr. Right zu schenken.

Tipp. Weitermachen!

 

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