Schreibaby-Alarm

Die Vorstellungen in der Schwangerschaft vom Leben mit Baby haben oft wenig mit der Realität zu tun. Jedes 5. Neugeborene ist ein Schreibaby und hört nicht zu weinen auf. Wir verraten, was Neo-Eltern tun können.

Nach neun unendlich langen Schwangerschaftsmonaten hält die Mutter ihr Kind endlich im Arm. Doch bei einigen Kleinen will so gar keine Freude aufkommen: Das Gesicht ist rot, die Augen geschlossen, der Mund weit offen und heraus kommt ein Brüllen, das man dem winzigen Wesen auf den ersten Blick gar nicht zutraut.

ZDF: Beitrag über Schreibabys.

Jedes 5. Neugeborene ist ein Schreibaby.

Per Definition handelt es sich um ein Kind, das öfter als an drei Tagen pro Woche, drei Wochen lang mehr als drei Stunden täglich weint. Das hört sich vielleicht nicht so schlimm an, für die verzweifelten Eltern vergehen diese drei Stunden aber unendlich langsam. Denn ein typisches Kennzeichen ist, dass die Kinder sich durch nichts beruhigen lassen.

Die Ursachen für das Schreien.

Menschliche Kinder kommen quasi "unfertig" zur Welt. Wenn sie geboren werden können sie nicht viel mehr als trinken, schlafen, weinen und die Umwelt ein bisschen beobachten. In der Tierwelt stehen die meisten Kinder schon am ersten Tag auf und laufen selbst, auch wenn sie sich in den ersten Wochen von der Mutter füttern lassen. Der Mensch bräuchte hingegen mindestens noch einmal neun Monate, um diesen Status zu erreichen. Dies geht anatomisch nicht, da das Kleine nicht mehr durch das mütterliche Becken passen würde, daher werden menschliche Kinder früher geboren. Manche Kinder scheinen jedoch Probleme zu haben sich auf das Leben außerhalb des Bauches der Mutter umzustellen. Auch der Darm hat mit der Umstellung auf Muttermilch Probleme und kann Bauchdrücken verursachen. Doch die Forscher sind sich nach wie vor nicht ganz sicher, ob die Schreikinder vorwiegend an Schmerzen oder Umstellungsschwierigkeiten leiden.

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Wann hört das Schreien endlich auf?

Die gute Nachricht vorneweg: In den meisten Fällen ist der Spuk nach zwei, spätestens drei Monaten zu Ende. Nur acht Prozent aller Schreibabys weinen auch noch nach dem dritten Lebensmonat verhältnismäßig viel.

Was hilft den Kindern?

In erster Linie sollten betroffene Eltern viel Geduld aufbringen und sich selbst im Freundes- und Verwandtenkreis Unterstützung holen, um die schwere Zeit zu durchstehen. Ideal wäre es ruhig zu bleiben, das Kind vor einer Überreizung zu schützen und den Tagesablauf möglichst immer nach dem gleichen Schema zu strukturieren. Doch ein Rezept, das bei allen Kindern hilft, gibt es nach wie vor nicht.

Betroffene Eltern berichten von Erfolgen mit folgenden Hilfsmitteln:

  • Warmes Kirschkernkissen auf den Bauch legen.
  • Kind warm und eng einpacken, im Fachjargon „Pucken" genannt, um die enge Atmosphäre der Gebärmutter zu simulieren.
  • Sab simplex Tropfen ins Flascherl geben bzw. mit einem kleinen Plastiklöffel dem Kind verabreichen. Diese sollen die Luftbildung im Darm lindern.
  • Mit dem Kind auf einem Gymnastikball sanft auf- und abhüpfen. Das kann allerdings auch genau den gegenteiligen Effekt haben, nämlich dass das Kind überreizt wird.
  • Wenn nicht gestillt wird, dann Flascherl verwenden, welche der weiblichen Brust besonders gut nachempfunden sind, um das Luftschlucken beim Trinken zu reduzieren.
  • Viele Rituale einführen. Diese erhöhen durch den Wiedererkennungseffekt das Wohlbefinden des Kindes und lassen es so seine Probleme für einige Minuten vergessen.

Wohin wenden, wenn gar nichts helfen will?

In einigen Spitälern gibt es so genannte Schreiambulanzen, welche betroffene Eltern in dieser schweren Phase unterstützen. Fragen Sie in ihren Krankenhaus oder bei Ihrem Facharzt nach, wo in Ihrer Nähe sich eine solche Ambulanz befindet.

 

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