Kaffkiez auf der Bühne

„Das ist KAFFKIEZ, das sind WIR.” – Sänger Johannes Eisner im Interview

Vom Kaff in den Kiez

7 Min.

© David Gottwald

Wenn die Bühne bebt und das Publikum in Ekstase gerät, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass gerade fünf Rosenheimer auf der Bühne stehen. Die deutsche Indie-Rock-Band KAFFKIEZ zeigt, was passiert, wenn sich fünf Kreativköpfe zusammenschließen und einfach mal machen, was ihnen Spaß macht. Noch vor wenigen Jahren als Coverband in der bayrischen Heimat, machen sie heute mit Hits wie „Nie Allein” die Bühnen der Großstädte unsicher. Ehrlich, energiegeladen und mit ganz viel Wir-Gefühl im Gepäck.

Wir sprachen mit Johannes Eisner, Sänger und Gitarrist der Band, über das Leben als Musiker und was hinter KAFFKIEZ steckt.

Im Gespräch mit KAFFKIEZ-Frontman Johannes Eisner

Welche Geschichte steckt hinter dem Namen KAFFKIEZ und wie seid ihr damals darauf gekommen?

Johannes Eisner: Wir haben damals einfach gewusst, wir wollen einen deutschen Namen haben. Die Idee war – wir kommen alle aus sehr ländlichen Gegenden ­– dieser Wunsch mal in großen Städten zu spielen. Die Story hatte sich dann zum Glück auch sehr schnell auserzählt, weil wir schon ein Jahr später das erste Mal in Hamburg gespielt haben.

Von Rosenheim in die Großstadt und auf immer größere Bühnen –  War das die Vision, die ihr hattet, als ihr damals angefangen habt, gemeinsam Musik zu machen?

Der erste Song war eigentlich eher ein Abschlussprojekt. Der Pianist und ich waren mit dem Studium fertig und hatten eine Coverband. Da haben wir gesagt, bevor wir jetzt alle in eine große Stadt ziehen, lasst uns doch noch einmal etwas Cooles zusammen machen. Ich hatte den Track „Nie Allein“ damals schon geschrieben und habe gesagt: “Lass den doch einfach aufnehmen.” Dass dann alles andere im Nachhinein passiert ist, was passiert ist, war wirklich eine Story wie aus dem Bilderbuch. Damit hat keiner gerechnet.

Wenn du eure Musik in die deutsche Musiklandschaft einordnen würdest, was ist das, was KAFFKIEZ besonders macht?

Ich würde sogar als erstes auf das Wort Band zu sprechen kommen, weil es gibt gar nicht mehr so viele Bands, zumindest in der Größe. Wir machen das gemeinsam und das ist auch das, was die Musik ausmacht und was wir leben, dieses Gemeinsam. Es ist handgemacht, wir haben sehr viel Spaß an dem, was wir hier machen. Und ich glaube, wir schaffen es sehr gut, das auf der Bühne und in der Musik, die wir veröffentlichen, zu kommunizieren.

Wir wissen alle, was wir können und dass man sich auf den anderen verlassen kann.

Johannes Eisner

Stichwort Band: Ihr seid zu fünft. Fünf Köpfe, fünf Meinungen. Läuft bei euch immer alles harmonisch? Und wie trefft ihr Entscheidungen, wenn ihr euch einmal überhaupt nicht einig seid?

Bei uns gibt es den schönen Spruch: „Ich habe keine oder ich habe eine starke Meinung.“ Wir haben in den vergangenen Jahren bis zu 80 Konzerte im Jahr gespielt. Es ist, glaube ich, logisch, dass man sich nicht immer nur gut versteht. Im Zweifel hat dann derjenige die stärkste Meinung, der auch so ein bisschen die Fahne in dem Bereich hochhält. Wir wissen alle, was wir können und dass man sich auf den anderen verlassen kann. Dann vertraut man im Zweifel der Meinung des anderen.

Deutschsprachige Musik erlebt derzeit wieder eine große Präsenz. Warum glaubst du, funktionieren Songs auf Deutsch so gut und erreichen so viele Menschen?

Als ich in meinem Jugendalter war, war deutsche Musik uncool. Ich glaube, dass es dann bestimmte Bands und Künstler:innen waren, die den Weg bereitet haben, damit das auch einfach wieder cool ist. Ich für mich finde es gerade als Songwriter, aber auch als Konsument, total schön, jedes Wort zu verstehen und nicht einfach nur kopflos Musik zu konsumieren.

Ihr gebt auf der Bühne immer sehr viel Energie. Was passiert, wenn ihr selbst einmal nicht bei 100 Prozent seid? Legt sich ein Schalter um, wenn ihr als KAFFKIEZ auf der Bühne steht?

Es gehört in Wahrheit dazu, dass bei Show Nummer 70 in einem Kalenderjahr die Beine und der Kopf müde sind. Wir sind keine Maschinen und können nicht immer die gleichen Voraussetzungen schaffen. Aber es ist uns bewusst, wie besonders es ist, auf solchen Bühnen stehen zu dürfen. Da haben wir schon immer den Anspruch, den Leuten zu zeigen, was wir können und alles rauszuholen.

Ich verstehe mich als Geschichtenerzähler und eine gute Geschichte muss nicht unbedingt meine sein.

Johannes Eisner

Ihr tourt gerade mit eurem neuen Album „WIR“. Wer ist dieses “Wir”? Wen wollt ihr damit ansprechen?

Ich würde sagen, jede:r, der/die sich damit auch gerne eingeschlossen fühlt. Wir waren schon lange auf der Suche danach, was diese Band besonders macht. Was wir dabei übersehen haben, ist, dass sich das organisch und von selbst entwickelt hat. Wir waren einfach die Typen, die wir sind. Was daraus entstanden ist, ist, dass die Leute kommen, weil es eben so unkompliziert ist, weil es niederschwellig ist, weil es alle mit einschließt. Und irgendwann ist uns das wie Schuppen von den Augen gefallen und wir haben gesagt: “Hey, das ist es doch. Das macht die Band aus. Das sind wir und alle Leute, die sich von dem, was wir da machen, angesprochen fühlen.” Und das wollten wir mit dem letzten Album einfach nochmal so zusammenfassen. Das ist KAFFKIEZ, das sind wir.

Was machst du, wenn du mal nicht im Studio oder auf der Bühne stehst – vielleicht auch, um Abstand vom Künstlerleben zu gewinnen?

Die Berge sind für mich ein Ort, der einem den Stecker zieht und einen ein bisschen anders auf dieser Welt verortet. Wir genießen es sehr, dass wir uns dagegen entschieden haben, nach Berlin zu ziehen, sondern alle in der Heimat geblieben sind, weil wir hier das soziale Umfeld haben, das uns einen Safe Space gibt. Wenn man von einer Bühne mit 50.000 Menschen nach Hause kommt, kann es einen schon ganz schön krass an die Wand fahren. Da sind wir sehr dankbar, Freunde und Familie zu haben, die uns hier vor Ort auffangen und mit denen man dann auch einfach gerne zusammensitzt und quatscht.

Gibt es einen Song, der dir besonders am Herzen liegt?

Es gibt immer verschiedene Songs, die einem auf verschiedenen Ebenen sehr viel bedeuten. Zum Beispiel „Halb so schön wie du“ erfüllt mich als Songwriter total mit Stolz, weil ich einfach cool finde, was wir da geschafft haben. Ich finde es unglaublich schön, auf den Shows zu sehen, wie sehr der Song Menschen auch verbindet. Auf der letzten Platte ist aber auch „Angst zu sterben“ ein sehr persönlicher Track. Auf die Frage, ob wir autobiografische Texte machen, sage ich immer, ich verstehe mich als Geschichtenerzähler und eine gute Geschichte muss nicht unbedingt meine sein.

Und was würdest du sagen war in diesem Jahr bis jetzt dein Highlight? Ein Moment, in dem du gemerkt hast: Deswegen machen wir das?

Also natürlich Shows. Wir sind einfach eine Live-Band und das ist das, was uns am meisten antreibt und bewegt. Einmal haben wir hier in München auf der Tour das Zenith ausverkauft. Das ist quasi der Laden, in dem wir früher alle unsere Idole gesehen haben und das hat natürlich schon krass emotionalisiert. Und jetzt im Sommer haben wir am Hurricane und am Southside gespielt und da standen wir an einem Wochenende vor 85.000 Leuten.

Ihr habt einen Song, der „Oh Wien“ heißt. Da singt ihr darüber, dass sich in Wien das Leben im Kreis dreht. Als WIENERIN müssen wir natürlich nachfragen: Habt ihr spezielle Erfahrungen in Wien gemacht? Und hat sich eure Perspektive, seitdem ihr den Song geschrieben habt, verändert?

Ich muss sagen, schon als wir den Track damals geschrieben haben, bin ich eigentlich absoluter Wien-Fan gewesen. Ich war auch schon immer sehr beeindruckt davon, wie sauber und wie aufgeräumt die Innenstadt wirkt. Also wenn man das mit Berlin vergleicht, wie liebevoll chaotisch unsere Hauptstadt vielleicht ist, so clean und sleek wirkt Wien manchmal. Es tut mir auch immer wieder ein bisschen leid, wenn wir in Wien den Song spielen, weil ich weiß, dass Wien sehr viel zu bieten hat. Also verzeiht uns, ihr wart der naheliegendste Kontrast zu Berlin.

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