„So stolz wie noch nie“ Lotte über ihr neues Album und die Kunst, man selbst zu sein
Zwischen Ankommen und Träumejagen
© Nat Traxel
Verträumte Töne treffen auf ehrliche Texte. Lotte schreibt Songs mit viel Gefühl und verwandelt sie in leichte Melodien. Seit nun mehr als einem Jahrzehnt macht sich die Sängerin einen Namen in der deutschen Musikszene. Mit ihrem neuesten Album „Lotte” zeigt sie eine neue Seite von sich und diese scheint mehr sie selbst zu sein, als je zuvor. Lotte sprach mit uns über ihr Leben zwischen Ankommen und Träumejagen, wie sie diese Gefühle in Musik verwandelt und dabei ihren ganz eigenen Stil schafft, der vor allem eines ist: sie selbst.
Lotte im Interview
Vor Kurzem ist dein neues Album „Lotte” erschienen – wie geht es dir damit? Ist Stress abgefallen oder geht’s gleich weiter?
Lotte: Ich bin so stolz wie noch nie. Ich merke, dass auf diesem Album eine ganz andere Wichtigkeit für mich liegt. Es passiert gerade alles Schlag auf Schlag, jeden Tag ist etwas, aber dadurch, dass ich das Album so sehr liebe, macht es mir mega viel Spaß und ich bin sehr glücklich dabei.
Dein neues Album trägt deinen Namen – würdest du sagen, es ist dadurch dein bisher persönlichstes?
Ja, in jeder Hinsicht. Ich habe den ganzen Prozess so richtig zu meinem gemacht. Deshalb ist das Album als Ganzes mehr meines als je zuvor. Von den Themen her war aber zum Beispiel mein voriges Album sehr persönlich, weil es da um sexualisierte Gewalt, Depression und so weiter ging. Aber diesmal habe ich wirklich alles einfach genauso gemacht, wie ich wollte.
Wie würdest du deinen Musikstil beschreiben?
Ich glaube, ich bin ein bisschen unkonventioneller als der Durchschnitt der deutschen Popindustrie. Wenn ich Songs schreibe, denke ich nicht direkt in typischen Popstrukturen. Einer meiner Songs hat zum Beispiel keinen Chorus oder andere gehen über fünf Minuten und haben viele verschiedene Teile. Musik darf alles und hat keine Grenzen. Ich sehe Musik als eine riesige leere Leinwand, auf die ich alle Farben werfen kann.
Du machst schon seit einigen Jahren Musik – wann hast du gemerkt, dass Musik für dich mehr als ein Hobby ist?
Ich habe das nie so entschieden, es kam eher wie ein Geschenk in mein Leben und hat sich seinen Platz genommen. Deshalb bin ich so dankbar für jeden Tag, an dem ich das machen kann. Musik ist einfach mein Lebensmittelpunkt und das wird immer so sein. Sie hilft mir in der Welt klarzukommen und ist das Ventil für meine Gefühle. Dass es beruflich etwas wird, habe ich nicht kommen sehen.
Schreibst du deine Musik nur für dich oder auch für die Menschen, die sie hören?
Es fängt immer bei mir an. Ich schreibe einen Song immer zuerst mal für mich, aus meinem Gefühl heraus. Manchmal ist es etwas, das ich erlebt habe, manchmal ist es eine Sehnsucht. Es ist sehr schön zu sehen, dass diese Gefühle auch andere Menschen verbinden. Das passiert im nächsten Schritt, aber erstmal muss ich es einfach nur für mich schreiben.

Gibt es eine Emotion, die dich am meisten zu deinen Texten inspiriert?
Meine Musik ist sehr nah an meinem Leben dran. Ich muss immer über etwas schreiben, das ich gerade fühle, träume oder verstehen möchte. Deshalb ändert sich das mit meinem Leben eigentlich jeden Tag. Ich würde heute einen anderen Song schreiben als morgen.
Deine Texte behandeln oft sehr emotionale und persönliche Themen – was macht es mit dir, zu wissen, dass so viele Menschen diese Lieder hören?
Ich glaube, ich darf darüber nicht so viel nachdenken. Wenn ich mir während dem Schreiben schon bewusst mache, dass das ganz viele Leute nachher hören werden, dann werde ich schüchtern. Dann mache ich mir Gedanken darüber, was andere von mir denken. Und dann fange ich an, auf einmal so schreiben zu wollen, dass es erfolgreich sein kann. Das ist, glaube ich, das Schlimmste und macht die Kunst komplett kaputt. Auch, wenn ich es während dem Schreiben nicht beabsichtige, ist es mir aber total wichtig, dass die Musik Menschen verbindet.
Was ist es für ein Gefühl, deine ersten Lieder zu hören? Emotional oder ein bisschen unangenehm?
Ich muss mich dann immer wieder selbst daran erinnern, dass Musik ein Zeitzeugnis ist. Ich würde keines meiner Alben nochmal so machen, aber als ich sie rausgebracht habe, habe ich sie genau so gemeint und deshalb ist das gut so. Das ist aber, glaube ich, auch der Grund, warum man immer weiter Musik macht: Weil man sich eben laufend verändert und das mit der Musik zeigen möchte.
Inwiefern würdest du sagen, hat sich dein musikalischer Stil und du als Künstlerin seit deinen Anfängen in der Musikbranche verändert?
Ich habe am Anfang gedacht, dass ich andere Leute mitreden lassen muss. Jetzt bin ich froh, dass ich endlich verstanden habe, dass mein Album komplett meines ist. Ich finde es total wichtig, dass Kunst nicht verbessert wird. Das ist meine Musik, das ist meine Kunst und ich muss sie nicht glattbügeln.
Du sprichst manchmal von einer gewissen Zerrissenheit zwischen Ankommen und Träumejagen – denkst du, ist das gerade eine Phase in deinem Leben oder ist dieses Immer-Weiter-Wollen Fluch und Segen einer künstlerischen Person mit großen Träumen?
Ich habe das immer schon in mir drin, ich merke es nur zurzeit mehr. Vielleicht, weil andere Leute in meinem Alter gerade wichtige Entscheidungen treffen und ich an einem ganz anderen Punkt im Leben stehe und nicht so ganz einen Plan habe. Ich finde das auch sehr schön und bin sehr glücklich, aber ich glaube, deshalb fühle ich diese Zerrissenheit gerade mehr als bisher.
Gibt es eine musikalische Seite von dir, die die Leute bisher noch nicht kennen und die du aber gerne einmal zeigen würdest?
Ich habe ein paar Ideen für das nächste Album. Da gibt es ein paar Sachen, bei denen ich mir wünsche, dass es diese Musik auch in Deutschland gäbe. Aber ich will noch nicht so viel verraten. Ich möchte nach meiner Tour dann im Studio ein paar Sachen ausprobieren.
Wenn dein aktuelles Leben ein Album wäre: Wie würde es heißen?
Lotte. Das klingt jetzt total doof, weil das neue Album so heißt, aber es beschreibt mein ganzes Leben gerade. Ich versuche gerade, einfach auf mich zu hören und mein Leben nach den Dingen auszurichten, die mich ausmachen. Deshalb geht es ganz viel darum, mich selbst zu verstehen und der kleinen Lotte viel Platz zu geben.
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