"Menstruation bedeutet für mich primär Schmerz"

Eine neue interaktive Lernplattform soll Österreichs SchülerInnen über Zyklus, Menstruationsbeschwerden & Co. aufklären.

Menstruation, Masturbation, was? Österreichs SchülerInnen weisen eklatante Wissenslücken vor, wenn es um die weibliche Menstruation geht. Das zeigt eine Umfrage der Erdbeerwoche, über die die wienerin.at bereits vergangenes Jahr berichtet hat.

Die Untersuchung, die anonym unter 1.100 Jugendlichen den Wissensstand und Einstellung rund um Menstruation und Monatshygiene ermittelte, legte Probleme in Bildung und Erziehung von österreichischen SchülerInnen offen - und bildete die Grundlage für die Erstellung der interaktiven Lernplattform "Ready for Red", die genau diese Wissenslücken auf witzige, spielerische und "unpeinliche" Art und Weise schließen soll, wie die Gründerinnen der Erdbeerwoche bei der Präsentation erklären.

Menstruation wird mit Masturbation verwechselt

"Vor allem Burschen denken bei Menstruation immer wieder an Selbstbefriedigung, weil sie den Begriff mit Masturbation verwechseln", sagt Co-Gründerin Annemarie Harant. 17 Prozent der Mädchen und 34 Prozent der Burschen wissen nicht einmal, was der Begriff Menstruation überhaupt bedeutet. Ein weiteres Ergebnis: Die meisten jungen Frauen verbinden Menstruation mit Schmerzen - über die sie jedoch selten reden können oder aufgeklärt werden.

Die erste digitale Lernplattform zum Thema Menstruation, Zyklus und Monatshygiene für Jugendliche von 11 bis 16 Jahren setzt genau dort an, wo es bisher an genügend Bildung und Sensibilisierung fehlt. Kristina Hametner, Leiterin des Wiener Programms für Frauengesundheit, erklärt, warum die Stadt Wien in Kooperation mit dem Stadtschulrat für Wien das Projekt unterstützt: „Es ist höchst an der Zeit, die Regel als selbstverständlichen Teil eines Mädchen- und Frauenlebens wahrzunehmen und Mädchen darin zu bestärken, sich nicht dafür zu schämen.“ Das fange zum Beispiel dort an, wo sich Frauen dafür schämen, wenn sie "an der Supermarktkassa Binden oder Tampons auf das Förderband legen". "Es ist die natürlichste Sache der Welt, und trotzdem tun wir alle so, als hätten wir sie nicht."

Auch Martina Tiwald, Vorsitzende der Bundesjugendvertretung begrüßt die neue Lernplattform: „Wenn es um Themen wie Menstruation oder Sexualität geht, sind nach wie vor viele Mythen und Falschinformationen im Umlauf. Hier gibt es großen Aufholbedarf.“

Die Tabuisierung der Menstruation führt auch zu bedenklichem Unwissen in der Entsorgung der Monatshygieneprodukte. So schmeißen ganze 83 Prozent der jungen Frauen ihre Tampons und Binden ins Klo. "Wir müssen die gesellschaftlichen Auswirkungen von Menstruation ernst nehmen und ganzheitliche Menstruationsaufklärung auch im Lehrplan aufnehmen", fordert Harant.

Interessierte LehrerInnen finden hier alle Infos zum Mitmachen und Umsetzen: https://www.ready-for-red.at/start/

 

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