Horror-Urlaub

Im Idealfall sollte ein Urlaub von den Sorgen des Alltags befreien. Leider macht uns die Realität nur zu gern einen Strich durch die Rechnung. miss erzählt drei Horror-Urlaubsgeschichten, über die heute ausnahmsweise mal gelacht werden darf.

Juni 2005, Sprachreise nach Italien.
Wenn ich heute versuche, mich daran zu erinnern, was mich in dem Moment geritten hat, als ich dem zwielichtigen Hütchenspieler in Bologna 90 Euro in die Hand gedrückt habe, dann ist da nur ein großes schwarzes Loch. Die ärgerliche Wahrheit ist, ich kann mir diese blödeste Handlung in meinem Leben selbst nicht erklären. Es war, als hätte ich unter einem Bann gestanden. Innerhalb von zwei Minuten hab ich also das ganze Geld verspielt, das ich für die Sprachwoche in Italien dabei hatte und eigentlich in Pizza und Souvenirs investieren wollte. Und das noch dazu am Anreisetag! Das Schlimmste an der Geschichte ist, dass mein Religionslehrer die ganze Sache beobachtet hat und mit beschwichtigender Stimme versucht hat, mich dazu zu bringen, die Misere meinen Eltern zu beichten (Sie wissen es bis heute nicht). Was passiert ist, nachdem der Gauner mein Taschengeld grinsend eingesteckt hat, war nicht minder peinlich: Meine Italienisch-Lehrerin sammelte bei meinen verärgerten Klassenkameraden Geld für mich ein, Sozialhilfe für Spielsüchtige quasi. Nachdem die Mitleidseuros gerade für drei Tage sparsamstes Essverhalten und vergünstigte Museumseintritte gereicht haben, musste ich die restlichen vier Tage bei Freundinnen schnorren, die ihrerseits ihre Jugendkreditkarten belasten mussten. Ich weiß nicht, wieviel Scham ein Mensch in einer einzigen Woche ertragen kann. Ich war jedenfalls knapp an der Grenze.

Ela

Was passiert, wenn mein Flug abgesagt wird?
In diesem Fall steht Ihnen eine finanzielle Entschädigung zu. Bei höherer Gewalt, wie zB. Wetterverhältnisse haben Sie keinen Anspruch auf Schadenersatz.

Muss die Fluggesellschaft für einen Ersatzflug sorgen?
Die Airline ist verpflichtet, den frühestmöglichen Ersatzflug zu suchen. Bleibt das erfolglos, kann der Fluggast auch selbst aktiv werden und die entstehenden Kosten in Rechnung stellen.

Wie kann ich verhindern, dass mein Koffer ohne mich Urlaub macht?
Machen Sie ihn unverbechselbar: Geschenkband, Sticker oder eine ungewöhnliche Farbe sorgen dafür, dass ihn am Band niemand versehentlich mitnimmt. Unbedigt Heimat- und Urlaubsadresse am Koffer hinterlassen.

Was, wenn der Koffer tatsächlich nicht ankommt?
Der erste Weg führt zum Lost&Found-Schalter. Dort Formular ausfüllen und eine genaue Beschreibung des Koffers abgeben.Routenverfolger: www.worldtracer.aero

April 2007: Chinareise
Mit 19 habe ich mir in einer selten blöden Aktion kochend heißes Wasser über die Beine gekippt. Das war aus mehreren Gründen ein einschneidendes Erlebnis. Zum einen, weil das die größten Schmerzen meines Lebens waren und zum anderen, weil schon am nächsten Tag die lang ersehnte Chinareise mit meinen besten Freundinnen anstand. Also hieß es Heilsalben, Verbände und Schmerzmittelchen in den Koffer schmeißen und ab zum Flughafen. Auch nach zehn Stunden Flug und kaum Schlaf war ich noch guter Dinge. Allerdings nur so lange, bis wir in Shanghai am Kofferbeförderungsband standen und vergebens auf den letzten Koffer warteten. Meiner, nebenbei bemerkt. Nach hitzigen Diskussionen am Lost and Found Schalter („Ihr Koffer taucht schon wieder auf" - „Sind Sie sicher?" - „Ja" - „Wie sicher?") führte mich mein erster Weg in eine Apotheke, um die nächsten Tage auch ohne den Inhalt meines Koffers zu überstehen. Dort die nächste Ernüchterung: Trotz Bemühungen unserer deutsch sprechenden Reiseleiterin und der pantomimischen Darstellung von „größer bitte": Mehr als zweifingerbreite Pflasterchen waren nicht drin. Doch Not macht erfinderisch und so bastelte ich aus den Minipflastern und zahlreichen Taschentüchern so etwas ähnliches wie einen Verband, Wundversorgung china-style sozusagen. Am dritten Tag kam die große Erleichterung, als wir gerade von der Besichtigung des heiligen Tempels zurückkamen: „Wir haben Ihren Koffer gefunden". Von da an ging es bergauf. Denn spätestens beim Erklimmen der chinesischen Mauer in Peking hatte ich die Schmerzen der letzten Tage vergessen. Beim Heimflug konnten sich die Mädels die Witze nicht verkneifen: „Ich würde gern dein Gesicht sehen, wenn der Koffer daheim wieder nicht da ist". Und es war eine Mischung aus Ungläubigkeit und Verzweiflung, die sich auf meinem Gesicht spiegelte, als der Koffer tatsächlich auch am Wiener Flughafen wieder nicht da war. Nach vier Stunden tauchte er dann doch noch auf, genauso wie die zwei Handys, die Bankomatkarte und das Maturazeugnis, das ich im Laufe meines Lebens verloren habe. Ich

Februar 2008: „Traumurlaub" auf Kuba
Während meines Auslandsjahrs in den USA besuchte mich mein damaliger Freund Claus. Unser Wiedersehen wollten wir in der Karibik feiern. Wegen dem herrschenden Embargo seitens der USA war kein Direktflug nach Havana möglich, wir mussten in Mexico City und Cancún zwischenlanden. Der erste Flug war super und unsere Vorfreude gigantisch - wie in der Bacardiwerbung am weißen Strand liegen und Kokosnüsse köpfen! Kurz nachdem wir nach Cancún abgehoben hatten, drehte das Flugzeug plötzlich und setzte wieder zur Landung an. Es holperte kurz und die Maschine stieg doch wieder. Das Spiel ging drei Mal so. Zwischendurch teilte uns der Pilot mit, es „habe vermutlich etwas mit den Triebwerken", was uns die schlimmsten Absturz-Szenarien aus dem Fernsehen ins Gedächtnis rief. Beim vierten Mal landeten wir endlich. Am Boden gleich der nächste Spaß: Man ließ uns nicht wieder in den Flughafen. Warum, das konnte uns das Personal nur auf Spanisch erklären. Aus Angst, den Anschlussflug zu verpassen, nervten wir die Stewardessen. Die meinten es wäre „no problem", der Flieger würde warten. Aber natürlich flog die Maschine ohne uns los. Als Notlösung wurden wir mit einem Frachtflugzeug nach Havana gebracht. Die Flughafencrew versicherte uns, dass die Maschine in passablem Zustand sei. Schon völlig übermüdet von der langen Reise mussten wir feststellen, dass "passabler Zustand" sehr subjektiv ist. Die Sitze waren dreckverkrustet und das Flugzeug war geschätzte 100 Jahre alt. Wir beruhigten uns mit kubanischem Rum und brachten es in der Nacht auf zwei Stunden Schlaf in der Notunterkunft. Duschen war aus Angst davor, danach noch dreckiger zu sein als vorher, keine Option. Um den Schrecken der vergangenen Stunden zu vergessen, gönnten wir uns ein romantisches Hummer-Abendessen. Von Romantik war keine Spur mehr, als ich den Rest der Nacht auf dem Klo verbringen musste. Gleich am nächsten Tag legte sich eine Regenperiode über Kuba, was alles andere als Karibik-Feeling bei uns auslöste.Um das Beste daraus zu machen, reisten wir weiter nach Havana, um die Stadt zu erkunden. Da war das schöne, karibische Wetter dann wieder und wir zerflossen fast bei unserem City Trip. Was am Ende unseres „Traumurlaubes" blieb, war nur die Erleichterung, dass er endlich vorbei war.

Michaela

 

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