Heftige Kritik an Alice Schwarzer nach Angriff auf Muslima

"Oh, ich dachte, nur ein Mann darf Sie nicht anfassen", ätzt Alice Schwarzer gegenüber einer Muslima. Das Video des Vorfalls sorgt derzeit für heftige Kritik im Netz.

Alice Schwarzer Angriff auf Muslima Demonstration Frankfurt

Bei einer Gegenveranstaltung des Kollektivs "Uni gegen AMR – Kein Platz für antimuslimischen Rassismus" während einer "Tagung zum muslimischen Kopftuch" an der Frankfurter Goethe-Universität kam es am Mittwochnachmittag zu einem Vorfall zwischen einer Demonstrantin und der Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer. Ein Video, das derzeit auf Instagram kursiert, zeigt, wie Schwarzer, die sich selbst als Feministin bezeichnet, mit AktivistInnen der Demonstration diskutiert. Kurz darauf kommt es zu einer Handlung Schwarzers, die nun für heftige Diskussionen auf der Social-Media-Plattform sorgt. Die Videoaufnahme des Nutzers Zuher Jazmati alias @xanax_attax (hier ansehen) zeigt, wie Schwarzer eine der DemonstrantInnen, eine junge Frau mit Kopftuch, anfasst. Als diese sich wehrt und darum bittet, nicht angegriffen zu werden, macht sich Schwarzer über die Demonstrantin lustig. "Oh, ich dachte nur ein Mann darf Sie nicht anfassen", kommentiert sie höhnisch und schwingt währenddessen ihre Hand demonstrativ von der jungen Frau weg.

Umstrittene Tagung unter Polizeischutz

Schwarzer war eine der BesucherInnen der "Tagung zum muslimischen Kopftuch", die am Mittwoch in Frankfurt an der Goethe-Universität stattfand. Im Vorfeld hatte es heftige Kritik an der Diskussionsrunde gegeben, die letztlich sogar unter Polizeischutz gestellt wurde. Organisatorin und Islam-Expertin Susanne Schröter sah sich Vorwürfen durch Studierende ausgesetzt, wie unter anderem derstandard.at berichtet. Sie selbst sagte, sie wolle mit der Tagung bewusst ReferentInnen mit unterschiedlichen Positionen einladen. Schröter betonte während der Veranstaltung: "Niemand hat das Recht eine Frau mit Kopftuch zu beleidigen". Es gebe viele individuelle Gründe, ein Kopftuch zu tragen. „Man kann Feministin sein und auch ein Kopftuch tragen“, so Schröter weiter.

Anders äußerte sich Schwarzer, die sich seit Jahren in den Medien sehr kritisch gegenüber dem Kopftuch und dem Islam äußert. Die Frauenrechtlerin ortete ein "Sprechverbot" für kritische Stimmen gegen den politisierten Islam. In Deutschland habe sich eine "falsche Toleranz" und eine "verordnete Fremdenliebe" entwickelt, fürchtete Schwarzer während der Tagung weiter. Eine Welt, in der Musliminnen selbstbestimmt ein Kopftuch tragen - die kann sich Schwarzer, trotz der vielen Gegenbeispiele, nicht vorstellen. Das zeigt auch ihr Text, den sie im Anschluss an die Tagung veröffentlichte. Ihre Abneigung gegenüber dem "Dutzend" junger "Protestpappen wedelnder" Frauen an diesem Tag, wird in dem Text erneut deutlich. Sie hätte mit dem "Häuflein", den Demonstrantinnen, reden wollen, schreibt Schwarzer. Das wäre aber nicht möglich gewesen. Als Stellungnahme zu dem Angriff verweist Schwarzer auf ein Video, das diese Diskussion mit den Aktivistinnen zeigt (hier ansehen). Der oben beschriebene Vorfall ist darin allerdings nicht zu sehen.

Instagram-NutzerInnen üben heftige Kritik

Das Video von dem Vorfall, das unter anderem auch von dem antimuslimischen Rassismus-Kollektiv (unter dem Instagram-Nutzernamen @wirbleibenlaut) geteilt wurde, erreichte binnen weniger Stunden viele NutzerInnen in den sozialen Medien. @xanax_attax kommentiert den Vorfall auf Instagram und schreibt: "Diese Frau [Schwarzer, Anm. d. Red] und die Leute, die auf dieser Konferenz aufgetreten sind, sind nichts weiteres als Menschen, die gegen den Islam und Muslim*innen hetzen und nicht anerkennen wollen, dass es antimuslimischen Rassismus tatsächlich gibt. Die Hetze, die sich verbreiten, spiegelt sich nämlich in Taten wider. Und diese haben sie mitzuverantworten".

Die WIENERIN hat beiden Parteien, Schwarzer und den AktivistInnen, am Donnerstagvormittag Möglichkeiten für Stellungnahmen gegeben. Dieser Artikel wird bei Einlagen dieser laufend ergänzt.

 

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