"Hässliches Stück Fleisch": So frauenfeindlich äußerte sich Odin Wiesinger

Die FPÖ bestellt Norbert Hofers "Lieblingsmaler" Odin Wiesinger in den oberösterreichischen Kulturbeirat. Seine Nominierung sorgt für jede Menge Kritik.

Seit Wochenanfang wird in der Öffentlichkeit heftig über die Bestellung Odin Wiesingers in den oberösterreichischen Kulturbeirat debattiert. Dem Künstler, der im Präsidentschaftswahlkampf als Norbert Hofers "Lieblingsmaler" bekannt wurde und auch bei anderen FPÖ-Politikern (Martin Graf, Manfred Haimbuchner) beliebt ist, wird Nähe zu rechtsextremen Gedankengut vorgeworfen: eine seiner Bilderserien trägt den Titel "Endsieg", seine Arbeiten erschienen in den rechten Medien Aula und Info-Direkt. Weiterer Vorwurf: ein von im als Logo verwendetes Symbol hat erstaunliche Ähnlichkeiten mit der stilisierten Othala-Rune, die in der nationalsozialistischen SS und später bei den Neo-Nazis verwendet wurde, berichtet unter anderem der STANDARD. Wiesinger sieht in dem Symbol hingegen ein harmloses Monogram aus "W" und "O".

Gegenwärtige Kunstszene als "Diktatur des Minderwertigen"

Nun soll der Maler, der die "gegenwärtige offizielle Kunstszene" 1998 in dem rechten Blatt "Junge Freiheit" noch mit Attributen wie "minderwertig", "würde- und maßlos" versah*, Teil eines Beirats werden, der über Förderungen im Kulturbereich entscheidet und die Landesregierung in grundsätzlichen Kulturfragen berät. Grund dafür ist eine Nominierung durch die FPÖ, die -so wie die anderen vier Parteien- das Recht hat, Personen für dieses Gremium vorzuschlagen. Insgesamt sitzen neun von der Politik bestimmte Personen in dem beratenden Gremium (vier ÖVP, drei FPÖ, eine SPÖ, eine Grüne), das aus 25 Mitgliedern und 25 Ersatzmitgliedern besteht.

Kunstrektorin als "hässliches und dummes Stück Fleisch"

Es ist aber nicht nur die Nähe zu rechtsextremen Medien und deren Gedankengut, die für Empörung sorgen. Wie das Magazin Vice berichtete, äußerte sich Wiesinger auch äußerst frauenfeindlich in den sozialen Medien. So schrieb er über Eva Blimlinger, Rektorin der Akademie der bildenden Künste in Wien (und damit wichtiger Teil der aktuellen österreichischen Kunstszene), "selten so ein hässliches und dummes Stück Fleisch gesehen". Sein Kommentar war die Reaktion auf einen TV-Beitrag, in dem Blimlinger gender-gerechte Sprache verteidigt hatte. In einem Kommentar, das Vice auf seiner Facebook-Seite entdeckte, bezeichnete er ORF-Moderatorin Lou Lorenz-Dittlbacher als "Tittenbacher" (er nannte das "Satire").

Nicht nur bei den Oppositionsparteien stößt die Nominierung Wiesingers auf massive Kritik. Autor Thomas Baum legte nach Bekanntwerden der Bestellung seine Funktion im Beirat zurück. Mit der Entscheidung für Wiesinger setze sich die Unkultur der dauernden und massiven Überschreitung einer roten Linie fort, so der oberösterreichische Autor auf Facebook. "Der Ruf des Landeskulturbeirats wird damit nicht nur aufs Spiel gesetzt, sondern nachhaltig beschädigt".

Die ehemalige Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (ÖVP) spart ebenfalls nicht mit Kritik. "Das ist keine gegenseitige Akzeptanz innerhalb einer Koalition, sondern stille Zustimmung zur Diskreditierung von Frauen" schreibt Kdolsky und spielt damit auf den "Fleisch"-Sager an. "Wieviel Abschaum wird hier noch hervorgeholt? Und vor allem was muss geschehen, dass Manche [sic] endlich aufwachen?".

Hilfe wie für Gabalier

Bisher beruft sich der Koalitionspartner ÖVP auf das Recht jeder Partei gewünschte KandidatInnen aufstellen zu dürfen. Das Büro von Landeshauptmann und Kulturreferent Thomas Stelzer (ÖVP) verwies am Sonntag darauf, dass die Statuten des Landeskulturbeirats "ein eigenständiges Nominierungsrecht für alle im Landtag vertretenen Parteien" vorsähen.

Wiesinger selbst sieht in der Aufregung jedenfalls "viel Lärm und nichts" und schrieb am Dienstag auf Facebook: "... denjenigen, die mir eine nähe [sic] zum Nationalsozialismus unterstellen sage ich folgendes [sic]: nichts liegt mir ferner als eine nähe [sic!] zur sozialistischen Ideologe jedweder prägung!" [sic!] Gleichzeitig erwarte Wiesinger, dass Freiheitliche "für mich das Wort ergreifen, so wie sie es für Andreas Gabalier getan haben!".

*Vollständiges Zitat: "Die gegenwärtige, offizielle 'Kunst-Szene'? Kurz gesagt ist das zum überwiegenden Teil für mich die Diktatur des Hässlichen, Minderwertigen, Würde- und Maßlosen! Verschüttete und verschmierte Farbe nach Art der Primaten in der Malerei, Pornographie und Gestammel auf den Bühnen."

 

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