Harvard-Professorin: "Kokosöl ist das reine Gift!"

"Ich bin überwältigt über ihr Interesse", sagt Professor Dr. Dr. Karin Michels am Beginn ihrer Vorlesung am Universitätsklinikum Freiburg. Fast schon prophetisch: Die Videoaufzeichnung ihres Vortrages "Kokosöl und andere Ernährungsirrtümer" wird zum viralen Hit auf YouTube. Mehr als 700.000 Views hat die 50-minütige Abhandlung inzwischen, in den sozialen Netzwerken wird sie rasant verbreitet und heiß diskutiert.

Michels verdammt das angeblich so gesunde Superfood erbarmungslos: Alle angeblichen Vorteile von Kokosöl seien, so die Medizinerin, "völliger Quatsch". Kokosöl sei vielmehr eines der schlimmsten Nahrungsmittel, das man überhaupt zu sich nehmen könne.

"Kokosöl ist noch viel gefährlicher als Schweineschmalz"

Tatsächlich besteht Kokosöl zu 92 Prozent aus gesättigten Fettsäuren. Aufgrund der besonderen, mittelkettigen Zusammensetzung dieser Fettsäuren sei das Öl trotzdem gesund, so der Glaube. Laut Michels würden die Fettsäuren das Risiko für Herzinfakte aber stark erhöhen. Mehr noch: Es gebe keine einzige verlässliche Studie am Menschen, die auch nur einen einzigen Vorteil von Kokosöl zeige.

Bereits 2017 hatte die American Heart Association mit der Aktualisierung ihrer Richtlinien das Superfood Kokosöl entzaubert: Sie empfiehlt, gesättigte Fettsäuren, wie sie in Kokosöl enthalten sind, zu meiden. Die Verbraucherzentrale Hamburg warnte schon 2016 vor "nicht überzeugenden" Studien, die die heilenden oder gesunden Eigenschaften von Kokosöl belegen sollten und schließt: "Die gern zitierten Studien sind aus unserer Sicht nicht geeignet, einen besonderen gesundheitlichen Nutzen von Kokosöl zu belegen."

Offline wie online - das Interesse an Kokosöl und Thesen, die das Image des Superfoods ankratzen, ist hoch. Das liegt laut Michels auch daran, dass Kokosöl in fast allen (Bio)-Läden als supergesund angepriesen werde. Und das Raunen, das immer wieder durch den Vorlesungssaal geht, wenn Michels den Ruf des geliebten Kokosöls zerstört, zeigt: Der Glaube an Superfoods ist inzwischen fest in den Köpfen "gesundheitsbewusster" Menschen verankert.

 

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