“Frauen, traut euch mehr zu!”

Als Frau alleine mit einem Motorrad durch ganz Afrika fahren – das ist mal wirklich nicht alltäglich. Die professionelle Abenteurerin und Buchautorin Lois Pryce hat uns erzählt, wie es war.

Der englische Telegraph bezeichnet sie als „eine der größten Abenteurerinnen unserer Zeit“. Dabei findet Lois Pryce selbst, sie sei eine ganz normale Frau. Vor über zehn Jahren gab sie ihren Bürojob auf, um mit dem Motorrad die Welt zu bereisen und darüber zu schreiben. In ihrem neuesten Buch beschreibt sie ihre Fahrt quer durch Afrika: eine viermonatige Reise über Schotterpisten und Wüstenstraßen – und mit ganz viel Humor. Warum sie gerade als Frau habe sie dabei den Vorteil hatte, hat sie uns im Interview erzählt:

Frau Motorrad Reise

WIENERIN: Du bist mit einem Motorrad durch den ganzen afrikanischen Kontinent gefahren. Was lernt man bei so einem Abenteuer über sich selbst?

Lois Pryce: Ich habe gelernt, dass ich psychisch, emotional und mental viel mehr aushalten kann, als ich gedacht hatte – und ich glaube, dass das auf uns alle zutrifft. Wir wissen nicht, was wir alles können, bevor wir uns nicht in einer Situation wiederfinden, die uns auf die Probe stellt. Abgesehen davon habe ich gelernt, dass die Welt ein viel weniger furchterregender Ort ist, als man uns glauben machen will.

Wie haben die Menschen darauf reagiert, dass da eine Frau alleine auf einem Motorrad so eine Reise macht?

Sie waren natürlich überrascht. Vor allem in den nordafrikansichen Ländern, wo Sie meistens dachten, ich bin ein Mann, bis ich meinen Helm abnahm. Aber generell haben mich die Leute willkommen geheißen und waren überall neugierig auf mich.  

Du hast in einem Interview gesagt, dass eine Frau die alleine reist auch ein paar Vorteile hat. Welche sind das?

Als Frau wirst du weniger als Bedrohung angesehen und die Menschen wollen sich eher um dich kümmern. Ich glaube Menschen neigen von Natur aus dazu, sich um eine Frau, die alleine ist zu sorgen und sie nicht auszunutzen oder ihr weh zu tun. Ich bin oft auf Einheimische – Frauen und Männer – gestoßen, die geschaut haben, dass es mir gut geht und denen es wichtig war, dass ich einen positiven Eindruck von ihrem Land bekomme.

Was war denn der gefährlichste Moment auf deiner Tour?

Ich bin einmal während eines heftigen Sturms in Angola in ein Minenfeld geraten. Ich hab das erst bemerkt, als ich mittendrin war und dann musste ich auf demselben Weg wieder hinaus.

Und was hat dich am meisten überrascht?

Afrika ist voller Überraschungen – alles kann passieren! Ich war sehr inspiriert von der Kraft der Menschen, die ich getroffen habe, die oft in sehr schwierigen Verhältnissen leben und trotzdem immer schauen, wie sie ihr Leben etwas besser machen können.

Nach vier Monaten auf dem Motorrad – was war das erste, was du zuhause wieder getan hast?

Well, ich bin Engländerin. Also hab ich natürlich erst mal Wasser aufgesetzt und mir einen Tee gemacht (lacht). 

Was rätst du Frauen, die nicht sicher sind, ob sie sich auf so ein Abenteuer einlassen sollen oder nicht? 

Hört nicht auf Menschen, die keinerlei Erfahrungen mit dem haben, was ihr vorhabt. Ihr werdet von ihnen nur Warnungen und Angstmacherei hören, die meistens unbegründet ist. Sucht nach Menschen, die das gemacht haben, was ihr vor habt – sie werden euch ermutigen. Und: Es ist viel leichter, als ihr glaubt!

 

„Mit 80 Schutzengeln durch Afrika“ von Lois Pryce ist bei Dumont Reise erschienen und im Handel erhältlich.

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