#FemalePleasure: Woher die Angst vor der weiblichen Lust kommt

Die Doku "Female Pleasure" porträtiert fünf Frauen, die gegen die Dämonisierung der weiblichen Sexualität kämpfen.

„Ihre Religion ist das Patriarchat.“ Ein Satz, eine klare Botschaft. Was Religionen, die Unterdrückung des weiblichen Körpers und das patriarchale System gemeinsam haben, erforscht der neu erschienene Dokumentarfilm „Female Pleasure“ der Schweizer Regisseurin Barbara Miller. Und das Publikum ist begeistert, wie sie im Gespräch mit der WIENERIN erzählt: „Die Reaktionen sind überwältigend. Frauen geben oft das Feedback, dass es ermutigend ist. Und Männer sagen, dass ihnen nicht bewusst war, wie systemimmanent das Problem ist und welcher Gewalt Frauen eigentlich ausgesetzt sind.“

Doch zurück zum Anfang. Ursprünglich wollte Miller aufzeigen, „wie es uns Frauen auf der ganzen Welt im 21. Jahrhundert eigentlich geht.“ Herausgekommen ist dabei ein Porträt von fünf beeindruckenden Frauen, die in ganz unterschiedlichen Kontexten und auf unterschiedliche Weise für die sexuelle Selbstbestimmung der Frau und gegen Gewalt ankämpfen.

Deborah Feldman

Deborah Feldman (Bild oben), deren Buch „Unorthodox“ zum Weltbestseller wurde, zeigt den ZuseherInnen ihren Befreiungsweg aus einer chassidischen Gemeinschaft in New York. Mit 17 wurde sie verheiratet, sexuell missbraucht, bekam ein Kind und verließ die Gemeinde. Ihr wurde ein Leben lang beigebracht, dass ihr Körper sündhaft sei, und ihre Menstruation „unrein“.

Leyla Hussein, Aktivistin und Therapeutin, kämpft für die sexuelle Freiheit der Frau, und arbeitet vor allem mit Opfern von Genitalverstümmelung. Sie selbst musste diese gewaltvolle Praxis als Kind über sich ergehen lassen. Heute hat sie sich dem Kampf dagegen verschrieben, und muss dafür viele Risiken eingehen, wie sie im WIENERIN-Interview erzählt.

Geschichten von Vergewaltigung, Selbstermächtigung und Lust

Vithika Yadav hatte das Privileg, lieben und leben zu können, wen und wie sie es möchte. Und genau deshalb betreibt sie in Indien den Aufklärungsblog „Love matters“. Mit ihrer Arbeit möchte sie junge Menschen empowern aus traditionellen Rollenbildern auszubrechen und gegen die Vergewaltigungskultur anzukämpfen.

Etwas skurriler ist der Fall der japanischen Künstlerin Rokudenashiko, die 3D-Skulpturen ihrer Vulva herstellt. Und dafür wegen Obszönität verklagt wurde, ihr drohten sogar zwei Jahre Gefängnis. Und schließlich wird auch die Geschichte von Doris Wagner (Bild unten) beleuchtet, einer ehemaligen Nonne, die in der erzkatholischen Ordensgemeinschaft „Das Werk“ mehrmals vergewaltigt wurde. Und bis heute auf Gerechtigkeit wartet.

Doris Wagner

Es sind erschreckende, mutige und sprachlos machende Geschichten, die die Doku „Female Pleasure“ in ein – längst überfälliges – Licht rückt, und damit auf eine Weltbühne bringt. Der weibliche Körper muss reguliert, kontrolliert, beschnitten werden. Das ist die traurige Realität, die Barbara Miller als Drehbuchautorin und Regisseurin auf die Leinwand projiziert. Und das Sichtbarmachen ist, auch 2018, noch immer notwendig, wie sie sagt: „Uns wird gesagt, wie wir uns verhalten sollen, wie wir sprechen sollen – im Grunde also, dass wir nicht genügen. Die eigene Lust, oder die Klitoris zum Beispiel, existiert nicht. Viele junge Frauen sagen: ich weiß gar nicht, was ich eigentlich möchte. Oder wie ich mich verhalten muss. Der Druck ist unglaublich stark.“

Mit ihrem Film möchte sie vor allem Mut machen. Damit wir endlich dort ankommen, wo Frauen sich und ihre Körper so nehmen können, wie sie sind. Miller: "Es gibt diesen Chor von Frauen, die einen Orgasmus vortäuschen. Das Ziel muss sein, dass Frauen auch sagen, es gefällt mir nicht – machen wir es anders."

Kinostart Österreich: 16. November 2018. Termine hier: https://www.film.at/female-pleasure

Regisseurin Barbara Miller mit den Protagonistinnen

BARBARA MILLER (Buch & Regie, links im Bild): Geboren 1970 in Zürich, Schweiz. Jurastudium mit Lizenziat und Grundstudium in Filmwissenschaft, Philosophie und Psychologie an der Universität Zürich. Als Regieassistentin und Schnitt-Assistentin arbeitete sie zwei Jahre für Christian Frei am Dokumentarfilm „War Photographer“. Seit 2001 freischaffende Dokumentarfilmerin.

 

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