Fotos: VanDeHart
„JobTwins“: Katharina Miller und Sigrid Uray-Esterer wollen mit dem visionären Start-up Glück im Job und Karriere ermöglichen – und zwar in Teilzeit.
Legen wir mal die Karten auf den Tisch: Ganz bald nach der Geburt des Kindes wieder Vollzeit zu arbeiten, geht – für die wenigsten Frauen. In Teilzeit Karriere zu machen, geht ebenso – für die wenigsten. Wem das eine oder das andere gelingt: Chapeau, aber der Rest der Menschheit, und zumeist ist hierbei (noch) die Rede von Frauen, sollte sich nicht schlecht fühlen. Als Katharina Millers erstes Baby ein Jahr alt war, stieg sie in ihre verantwortungsvolle Position wieder Vollzeit ein – und litt darunter, „dass ich das Kind nur noch zum Schlafen legen gesehen habe“, sagt sie.
Sigrid Uray-Esterer gibt zu: Früher verdrehte sie schon mal die Augen, wenn ihr das Tamtam um Mütter, Teilzeitanstellungen und kranke Kinder auf die Nerven ging. Für sie war klar: Nach der Karenz startet sie wieder voll durch. Dann war das erste Kind da und sie reduzierte ihre Stunden auf gut die Hälfte.
Es gibt genau eine Sache, die man werdenden Eltern mitgeben kann: Es kommt alles anders. Und mit dem zweiten Kind noch mal. „Ich wusste nicht mehr, wie Vollzeit mit zwei zu schupfen sein soll. Das beste Kinderbetreuungsnetz bringt mir nix, wenn ein Kind krank ist“, sagt Katharina Miller.
Es gibt Lebenssituationen, in denen es Teilzeit braucht. Nicht nur für Eltern.
Katharina Miller, Founder JobTwins
Also ab in die Teilzeit, deren Ruf nicht gerade verlockend ist? Sie kam ins Grübeln. „Wieso stellt man gut ausgebildete Personen, die vorher wichtige Positionen innehatten, auf ein berufliches Abstellgleis? Wir müssen anerkennen, dass es Lebenssituationen gibt, in denen es Teilzeit braucht.“ Und zwar nicht nur für frischgebackene Eltern.
Katharina Miller beschäftigte sich intensiv mit dem Thema, recherchierte viel, bis sie eines Tages noch tropfnass nach der Dusche der Familie die große Neuigkeit präsentierte: „Ich mache mich selbstständig. Mit Jobsharing.“ Dass Töchter und Mann fragend die Stirn runzelten, ist nicht verwunderlich; bis heute ist die Aufklärung ihrer Mission „part of the game“, weil – im Gegensatz zu England, Deutschland oder zur Schweiz – hierzulande die wenigsten etwas mit Jobsharing anfangen können.
Sie geht den Weg nicht allein: Job-Twins gründete Katharina Miller im Vorjahr gemeinsam mit Sigrid Uray-Esterer, die sie über deren damaligen erfolgreichen Blog „Mamawahrheiten“ bzw. Teilzeit-Karriere-Podcast kennengelernt hatte.

Ultrakurz erklärt: Die Online-Plattform JobTwins matcht Menschen, die in Teilzeit arbeiten wollen und gemeinsam eine verantwortungsvolle – aber nicht ausschließlich führende – Position ausfüllen wollen. „Das ist eine tektonische Veränderung von Arbeit, was Sie da vorhaben“, hörte sie bald einen Bankenvorstand sagen. „Deswegen sind wir heute auch ein Social Impact Start-up, weil wir nachhaltig altes Denken aufbrechen wollen“, betont Katharina Miller. JobTwins wird bereits in der zweiten Runde von der AWS (Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft) gefördert.
Wie funktioniert Jobsharing?
Sigrid Uray-Esterer: Zwei Menschen teilen sich vollverantwortlich eine Position; sie treffen Entscheidungen gemeinsam, jeder weiß über die Aufgaben und die Rolle des anderen in ungefähr gleichem Ausmaß Bescheid.
Katharina Miller: Weil zumeist alte weiße Männer sagen, das geht nicht, vergleiche ich das gerne mit der Situation im Spital: Wenn ich für zumindest einen Tag ins Krankenhaus muss, bin ich in der Früh mit anderen Ärzt:innen und Krankenpfleger:innen konfrontiert als am Abend. Kann sein, dass mir das eine Team mehr oder weniger sympathisch ist, aber die Leistung haben alle zu erbringen. Das funktioniert bei nahezu allen Jobs, man muss nur das Ego ein bisserl loslassen.
Was braucht es dafür?
Sigrid: Ein nicht so großes Ego (lacht). Teamspirit und Kompromissbereitschaft – und das Bewusstsein, dass man die Ziele gemeinsam erreichen will und dass es umgekehrt auch kein Fingerpointing gibt, wenn etwas nicht so gut funktioniert.
Katharina: Was erfolgreiche Jobsharer ausmacht, damit habe ich mich in der Produktentwicklung für JobTwins sehr lang beschäftigt. Die Persönlichkeit ist der wesentliche Punkt. Und zwar, wie ich in Beziehung mit anderen Menschen bin: Wie agiere ich in Stresssituationen? Wie kommuniziere ich? Wie ist mein Arbeitsstil?
Wie sieht das Produkt nun aus?
Katharina: JobTwins findet mithilfe eines dreistufigen Algorithmus heraus, was deine beruflichen Qualifikationen sind, wohin du willst und wie deine Persönlichkeit ist.
Sigrid: Du gibst – vergleichbar mit Parship – alles ein, bist dann als Teilzeittalent registriert und bekommst sofort im Anschluss einen Matching Score. Du kannst also über JobTwins Personen kennenlernen, mit denen du möglicherweise zusammenpasst. Wie viel du mit der Außenwelt teilst, ob du dich dann mit den Personen austauschst und triffst, entscheidest du. Integriert ist auch ein Twinning Check; dieser zeigt dir, ob du überhaupt für Jobsharing geeignet bist.
Katharina: Ich sage immer: Es ist für alle, aber nicht für jeden.
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