Der richtige Sport für jeden Typ

Fit bleiben ist mit dem richtigen Sport viel einfacher - man muss nur wissen, welcher Sporttyp man ist und wie man richtig trainiert. Wir haben die Profi-Tipps!

Manche Menschen gehen vier Wochen ins Fitnesscenter und schon zeichnet sich unter dem T-Shirt ein Sixpack ab. Andere quälen sich monatelang und sehen keine Erfolge. Wie ist das möglich? Lange Zeit dachte man, dass es Menschen gibt, deren Körper nicht auf Sport anspricht, die also trainieren, aber nicht fitter werden. Diese sogenannten Non-Responder hatten dann auch wunderbare Ausreden, warum Sport nichts bringt. Jetzt weiß man: Das richtige Training ist vor allem eine Frage des Typs. Um die Non-Responder-Theorie zu widerlegen, wurden in einer Studie der Queen’s University in Kingston, Kanada, mehrere Gruppen mit unterschiedlichen Work-outs über Monate beobachtet. Sie mussten entweder Ausdauer- oder Intervalltraining machen. Nach einer Pause wurden die Trainingspläne getauscht. Das Ergebnis: Beide Work-outs waren im Durchschnitt gleich effizient. In den individuellen Ergebnissen zeigte sich aber ein anderes Bild: Diejenigen, die beim Ausdauer­sport keine Erfolge bemerkt haben, sind durch das Intervalltraining sehr wohl fitter geworden – und umgekehrt. Das Fazit der WissenschaftlerInnen? Das richtige Training ist Typfrage, und jeder Mensch ist trainierbar.

Das bestätigt auch Sportmediziner Robert Fritz (sportordination.com): „Es gibt unterschiedliche Muskelfasertypen, und jeder Mensch hat im Sport unterschiedliche Begabungen.“ Manche Muskeln sind dafür geschaffen, Masse zu bekommen, andere können eher schneller arbeiten. „Frauen haben von der Grundvoraussetzung eher die Gene für den Ausdauersport. Warum? Weil wir vor vielen Tausend Jahren Jäger und Sammler waren. Die Frauen mussten sehr ­lange, aber bei sehr niedriger Intensität unterwegs sein. Die Männer haben gejagt und mussten schnell Energie bereitstellen und waren die Kämpfer. Das ist alles ewig her, aber es ist in unseren Genen drinnen“.

Wie trainieren wir also richtig?

Aus medizinischer Sicht sollten wir immer Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination trainieren, um den Körper gesund zu halten. Laut WHO wären pro Woche 150 Minuten Ausdauersport, verteilt auf drei Trainings, ideal. Robert Fritz: „Das ist für den Gesundheits­erhalt und noch kein wirkliches Training. Wichtig ist dabei, möglichst locker Sport zu betreiben. Die ­Haus-Laufrunde jedes Mal zum Wettkampf mit sich selbst zu machen, bringt niemandem etwas.“ Wann wir unsere Runden laufen, ist übrigens nicht so wichtig. „Wer Samstag und Sonntag Sport macht, hat schon zwei von drei Ausdauertrainings erledigt und braucht unter der Woche kein schlechtes Gewissen haben, wenn er nur einmal zum Sport kommt“, so Fritz. Aber Vorsicht: Es sollten maximal zwei Trainings aufeinanderfolgen, dreimal hintereinander ist zu viel. Der Körper braucht auch Erholung.

Wie finde ich heraus, welcher Sporttyp ich bin?

Leistungsdiagnostik kann helfen, das individuelle Training effektiv zu gestalten und Talente zu erkennen. „Wir messen an den PatientInnen, wo die Talente liegen, wo sie schon gut trainiert sind und wo vielleicht noch etwas fehlt. Darauf stellen wir dann das Training ab.“ Laut dem Experten kommt man so schneller zum Erfolg, der ein wichtiger Faktor im Training ist: „Erfolg macht Spaß, das motiviert“, sagt Robert Fritz.

Ist Krafttraining auch für Frauen wichtig?

„Definitiv, ja. Frauen gehören in die Kraftkammer!“, so Fritz. „Ab dem 27. Lebensjahr verlieren wir jedes Jahr Muskelmasse, ein Prozent pro Jahr. Und das sieht man den Leuten auch an. Plötzlich tut der Rücken weh, man hat keine Stabilität, der Grundumsatz geht nach unten und man nimmt zu, obwohl man gar nichts verändert hat.“ Gerade Frauen denken dann oft an eine hormonelle Umstellung. Laut dem Experten ist aber die schwindende Muskelmasse das größere Problem: „Bei vielen Frauen macht der untere Rücken Probleme, weil die Rumpfmuskeln fehlen.“ Eine starke Muskulatur entlastet Sehnen und Gelenke. Angst vor Muskelbergen braucht man dabei nicht zu haben. „Wer regelmäßig Krafttraining macht, wird definierter, man sieht Muskeln, aber bestimmt keine Muskelberge.“

 

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