Augenyoga, Nahrungsergänzung & Co: Was brauchen wir wirklich für gesunde Augen?

Unsere Augen lassen wir bei der eigenen Gesundheitsvorsorge oft außen vor. Wir haben eine Augenärztin gefragt, wie oft wir zur Kontrolle gehen sollten und welche "Gadgets" tatsächlich etwas nützen.

Augengesundheit von Frauen weltweit

Wann wart ihr das letzte Mal beim*bei der Augenarzt*ärztin? Wart ihr überhaupt schon mal? Für langfristig gesunde Augen und gute Sehkraft sollten wir unsere Augen regelmäßig kontrollieren lassen – zumindest ab einem bestimmten Alter. Immer öfter werden auch alle möglichen Tools und Gadgets angeboten, die förderlich für unsere Augen sein sollen – von Nahrungsergänzungsmitteln über Blaufilterbrillen. Alles Humbug oder ist da was dran? Wir haben bei Augenärztin Irene Ruhswurm nachgefragt.

WIENERIN: Wie oft sollten wir zur Kontrolle bei der Augenärztin gehen?

Irene Ruhswurm: Angenommen man ist augengesund, trägt keine Brille oder Ähnliches, dann sollte man ab ca. 40 Jahren am besten alle zwei Jahre und ab 50 dann jährlich zur Kontrolle gehen. Das ist wichtig, wegen bestimmten Erkrankungen, die auftreten können, die man unter Umständen zu spät erkennt, wie etwa das Glaukom (Grüner Star, Anm.).

Bestimmte Augenerkrankungen wie das Glaukom oder die Makuladegeneration haben eine genetische Komponente, das heißt, gibt es diese Krankheiten bereits in der Familie, sollte man schon ab 40 regelmäßig zur Kontrolle gehen. Gerade diesen erhöhten Augendruck beim Glaukom spürt man selbst einfach nicht, das ist sehr tückisch. Wenn man das verschleppt und ewig nicht zum Augenarzt geht, kann es sein, dass man irreversible Schäden davonträgt.

Regelmäßig zur Augenärztin sollten natürlich Brillenträger gehen. Auch Linsenträger sollten sich zumindest einmal im Jahr die Augen anschauen lassen. Und klarerweise jeder, der Beschwerden hat. Die häufigste Beschwerde bei Leuten unter 40 sind trockene Augen. Meist durch das viele Arbeiten am Bildschirm. Das ist natürlich keine schwere Erkrankung, aber viele leiden darunter und auch da kann man etwas machen.

Was sollte man beim Arbeiten am Bildschirm beachten?

Das Wichtigste ist Pausen zu machen. Als Regel kann man sich merken: 50 Minuten arbeiten, zehn Minuten pausieren. Daran denken, immer wieder in die Ferne zu schauen und ab und zu zu blinzeln. Das aktiviert die Drüsen. Blinzeln ist bei Bildschirmarbeit nämlich extrem reduziert. Normalerweise blinzeln wir 15-20-mal pro Minute – bei angestrengter Bildschirmarbeit nur 5-mal.

Außerdem viel trinken und regelmäßig befeuchtende Augentropfen verwenden. Wenn man trockene Hände hat, schmiert man sie auch mit einer guten Creme ein und genauso sollte man auch die Augen behandeln. Eine gute, passende Brille ist auch wichtig, sodass die Sehschwäche gut auskorrigiert ist, damit man die Augen nicht anstrengen muss. Bei allem was da so aufpoppt - trockene Augen, Kopfschmerzen - kann man ruhig mal den Gang zum Augenarzt wagen.

Was sollte man im Alltag noch beachten, um seine Augen gesund zu halten?

Ausgewogene Ernährung, nicht rauchen. Weiters natürlich Licht- und Sonnenschutz, also Kappe und/oder Sonnenbrille tragen. Gerade die Sonnenbrille schützt die Makula bzw. schützt uns vor Makuladegeneration sowie vor trockenen, gereizten Augen. Das ist das Wichtigste.

Schützen günstige Sonnenbrillen wie man sie etwa in Fast Fashion-Geschäften bekommt auch vor UV-Einstrahlung? Oder können sie gar schädlich wirken?

Es ist hierzulande so, dass Sonnenbrillen einen UV-Schutz haben müssen. Das heißt, wenn man sich z.B. bei H&M eine preiswerte Brille kauft, muss auch darauf gekennzeichnet sein, dass sie über UV-Schutz verfügt.

Hätte man tatsächlich eine Brille ohne UV-Schutz, die nur getönt ist, könnte das durchaus kontraproduktiv sein, weil durch die Tönung, durch die Dunkelheit die Pupille ein bisschen weiter wird und so noch mehr UV hineinkommt als ohne. Die eigene Linse bietet ja auch UV-Schutz, aber mit richtiger Sonnenbrille ist es natürlich noch besser.

Wo man auch aufpassen sollte, ist beim Kontaktlinsenkauf. Viele beziehen ihre Linsen ja übers Internet – das kann allerdings seine Tücken haben. Etwa, was die die Sauerstoffdurchlässigkeit bzw. was die Sauerstoffversorgung betrifft, Infektionsgefahr etc. Also von einem Kauf übers Internet ohne professionelle Beratung oder Kontrolle kann ich nur warnen.

Gerade für Leute, die viel am Computer arbeiten, werden immer häufiger Blaufilterbrillen empfohlen. Was bringt’s?

Das, was wir an Blaulicht abkriegen, wenn wir im Freien sind, ist exponentiell mehr als wir es über den Bildschirm bekommen. Sieht man sich genauer an, ob etwa Makulaschäden durch Handynutzung und Co entstehen, muss man sagen, das Blaulicht ist eigentlich vernachlässigbar. Also was die Augengesundheit betrifft, sind derartige Brillen sicher keine Notwendigkeit.

Immer öfter hört man auch von Yoga für die Augen? Für wen kann so etwas denn sinnvoll sein? (wenn überhaupt?)

Ist die Brille nicht richtig eingestellt oder hat man noch keine Sehhilfe und bräuchte aber eine, sind die Augen ständig angestrengt und ermüden mit der Zeit. Da können gewisse Übungen bei der Entspannung helfen. Oftmals lässt ab einem Alter von ca. 40 Jahren die Elastizität der Linse nach, wodurch eine Lesebrille nötig wird. Gerade im Frühstadium kann man mit bestimmten Trainings ganz gut gegenarbeiten, auch indem man die Brille nicht bei jeder Gelegenheit aufsetzt.

Auch können bei manchen Menschen die Augen nicht mehr so gut zusammenschauen, wenn sie müde werden. Auch hier kann man Übungen machen. Es gibt also ein paar augenärztliche Bereiche, wo Augentrainings durchaus einen Sinn haben.

In Drogerien stößt man häufig auch auf Nahrungsergänzungsmittel für die Augen. Was hat es damit auf sich?

Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen, egal ob für die Augen, das Immunsystem oder sonst irgendetwas, ohne dass eine spezielle Erkrankung vorhanden ist, hat meiner Ansicht nach überhaupt keinen Sinn. Was von Ärzt*innen allerdings schon empfohlen wird, wenn man eine Makuladegeneration hat - beginnend oder auch schon schwerer - ist Lutein bzw. Zink.

Da gibt es ganz gute Präparate, die helfen können, die Netzhaut zu schützen. Bei speziellen Indikationen kann das sinnvoll sein und wird auch beim Augenarzt empfohlen.

 

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