Dance Captain des Phantoms

Julia Hübner ist Ensemblemitglied im "Phantom der Oper" - wir haben sie getroffen, und sind in die Welt des Phantoms eingetaucht.

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Maskenball! Das Ensemble des Phantom der Oper in vollem Einsatz © Deen van Meer

Dass Julia Hübner eines Tages auf die ganz große Bühne gehört, hat sich bereits in frühester Kindheit abgezeichnet. Ein großer Traum, harte Arbeit, Tanzmeisterschaften und Titel im Volksschulalter sowie eine Teilnahme beim ORF-Kids-Casting „Kiddy Contest“ legten rückblickend schon früh den Grundstein für eine Karriere im Showbusiness. Ganz so selbstverständlich war es dann aber doch nicht, vor allem für die heute 30-Jährige selbst. „Lange Zeit wollte ich eigentlich Anwältin werden. Mir war früh klar, dass der Künstlerberuf viele Unsicherheiten mit sich bringt, und deshalb habe ich zunächst bewusst den ‚sicheren‘ Weg gewählt. Nach meiner Ballettausbildung mit 18 begann ich ein Studium in Wirtschaftsrecht und habe dem Tanzen und Singen erst einmal den Rücken gekehrt. Doch während des Studiums ergaben sich immer wieder kleine Tanzjobs und dabei musste ich mir eingestehen, dass es mich doch viel mehr erfüllt, meiner Leidenschaft nachzugehen, als in einer Kanzlei zu sitzen. So habe ich schließlich parallel noch mit einer Musicalausbildung begonnen.“ Am Ende hat die smarte Klagenfurterin beide Studien abgeschlossen und ist immer tiefer in Musical-Engagements hineingewachsen – und schließlich doch auf der großen Bühne gelandet. „Heute bin ich sehr glücklich über genau diesen Weg“, erzählt sie.

Julia Hübner ist Wahlwienerin aus Klagenfurt © beigestellt

Intensive Tanz- und Gesangsstunden in Kärnten führten Julia Hübner bereits mit 15 nach England an die Elmhurst School, die Ballettschule des Birmingham Royal Ballet zur klassischen Ballettausbildung, bevor in Wien am Performing Center Austria die Musicalausbildung folgte. „Die prägendste Zeit war in England. Mit 15 allein in ein anderes Land zu ziehen, bedeutet, eine völlig neue Welt kennenzulernen: Eindrücke, Menschen und Kulturen aus aller Welt – das öffnet einem wirklich die Augen. Auch die intensive Zeit an der Ballettschule mit täglich fünf bis acht Stunden Training hat mich sehr geformt. Man lernt, auf sich selbst gestellt zu sein und Dinge auch dann in die Hand zu nehmen, wenn es gerade nicht bequem ist. In dieser Zeit bin ich, glaube ich, wirklich erwachsen geworden. Meinen Eltern bin ich bis heute sehr dankbar, dass sie mir diesen Traum ermöglicht und mir ihr Vertrauen geschenkt haben.“

Ihre ersten schauspielerischen Schritte machte Julia Hübner am Klagenfurter Stadttheater und erfüllte sich später auch den Traum, als Solotänzerin für das Tanztheater Carmina Burana/ Feuervogel zu ihren Wurzeln zurückzukehren. „Diese Produktion war für mich wohl die emotionalste, weil sie ein echtes Herzensprojekt war. Dank der großartigen Unterstützung meiner Choreografin Sabine Arthold sowie des gesamten Theaterteams konnte ich mich dort künstlerisch vollkommen verwirklichen. Rückblickend war es einfach überwältigend, jeden Abend vor ausverkauftem Haus zu tanzen, die gespannte Stille im Saal zu spüren und bei Standing Ovations als Letzte zur Verbeugung auf die Bühne zu treten.“

Hübner als Meg Giry © beigestellt

Dance Captain & Meg Giry

Aktuell lebt Hübner den nächsten großen Meilenstein ihrer Karriere: als „Swing“, „Dance Captain“ und Cover der Rolle Meg Giry im Musical „Phantom der Oper“ am Wiener Raimund Theater. Was das bedeutet? „Als Dance Captain trage ich die Verantwortung für die tänzerische Qualität der Show im laufenden Spielbetrieb“, erklärt Hübner ihre Position. „Wenn ich nicht selbst auf der Bühne stehe, sehe ich mir die Vorstellungen oft von vorne oder backstage an und gebe dem gesamten Cast im Anschluss Feedback. Zusätzlich machen wir immer wieder sogenannte ‚Putzproben‘, in denen wir die Choreografien erneut verfeinern und auffrischen.“ Bei mittlerweile über 400 gespielten Shows gilt es, der Routine den Kampf anzusagen: „Da schleichen sich automatisch kleine Ungenauigkeiten ein – es ist meine Aufgabe, darauf zu achten, dass die Qualität trotzdem jeden Abend auf höchstem Niveau bleibt.“ Mehr als eine Rolle. Als „Swing“ ist Hübner für sechs verschiedene Damenpositionen im Ensemble zuständig, für die sie im Notfall einspringen muss. „Das bedeutet, ich bin bei jeder Show als Standby im Haus und springe sofort ein, sollte jemand ausfallen – manchmal sogar mitten in der Vorstellung. In der Branche sagt man oft, Swings sind die stillen Heldinnen einer Produktion, weil sie überall einspringen können, ohne dass das Publikum es überhaupt bemerkt.“ Für Hübner bedeutet das Verantwortung, Abwechslung, hohe Konzentration und „manchmal auch echtes Gehirnchaos – aber vor allem sehr viel Spaß und Lebendigkeit!“ Zwischen alldem spielt die talentierte Klagenfurterin an ausgewählten Abenden außerdem die Rolle der Meg Giry, einer wichtigen Nebenfigur in der Geschichte des Phantoms der Oper. „Es ist spannend, einer Figur Schritt für Schritt Leben zu geben. Mit jeder Vorstellung entwickelt sich die Rolle weiter, wächst mit der eigenen Routine – bleibt aber dennoch jedes Mal eine neue Herausforderung. Am Ende erfüllt sich für mich immer ein kleiner Traum, wenn ich auf der Bühne stehe, in einen voll besetzten Saal blicke und mich diesem Moment vollkommen hingeben darf.“

Ein kleiner Einblick auf die Bühne © beigestellt

Phantom der Oper – eindrucksvolles Theatererlebnis

Wir haben Hübner und ihre brillanten Kolleg:innen vom Saal aus selbst erlebt – und waren vollends begeistert. Der Bühnenklassiker von Andrew Lloyd Webber präsentiert sich im Raimund Theater mit allen Highlights, Überraschungen und Details, die Musicalfans sonst nur vom Hörensagen kennen. Ein ikonischer Luster, der als roter Faden wie ein Damoklesschwert über dem Publikum hängt, Kostüme, die in andere Zeiten entführen und ein Bühnenbild, das vollständig und intensiv in die Welt der Protagonist:innen eintauchen lässt, vereinen sich mit den herausragenden künstlerischen Leistungen der Cast zu einem Erlebnis, das man nicht mehr vergisst. Der internationale Musicalstar Anton Zetterholm als Phantom vereint in seiner Stimme all den Schmerz, die Kraft und und die Leidenschaft seines Charakters, während die beeindruckende Lisanne Veeneman als Christine Daaé brillant und berührend mit ihrem Wien-Debüt für Standing Ovations sorgt. Kein Unbekannter auf den Wiener Bühnen ist der Holländer Roy Goldman, der nicht nur in seiner Rolle des Raoul Vicomte de Chagny mit Stimme und Gefühl überzeugt, sondern als Cover Phantom auch zeitweise die Seiten wechselt. Das Ensemble mit Julia Hübner als Dance Captian beeindruckt, ausgestattet mit aufwendigen Kostümen, mit Eleganz und Präzision. Welche Highlights uns aus dem Stück besonders in Erinnerung geblieben sind, verraten wir an dieser Stelle nicht – denn bis Juni können Sie sich noch selbst davon überzeugen.



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Anton Zetterholm und Lisanne Clemence Veeneman vor dem spektakulären Bühnenbild im Raimund Theater ©VBW / Deen van Meer

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