Unter die Haut: Wenn Café auf Tattoo-Studio trifft
Lea Antonia Wald über ihr einzigartiges Tattoo-Studio-Konzept
© Markus Wald
Vom Lehramt zum Tattoo-Studio und eigenen Café: Lea Antonia Wald hat mit “Lebenslinien Tattoo” gleich an zwei Standorten in Wien einen Safe Space geschaffen.
Vor Jahren sahen Tattoo-Studios oftmals noch anders aus, die Lifestyle-Komponente fehlte, hauchdünne Peckerl gab es kaum. Unter anderem hat Lea Antonia Wald in Wien zu einem Wandel beigetragen: Begonnen hat sie als Tätowiererin in ihrer Wohnung, dann folgte mit „Lebenslinien Tattoo“ ein eigenes Studio im zweiten Bezirk, schließlich 2024 ein zweites, ebenso in 1020. In Letzterem eröffnete sie zusätzlich ein angrenzendes Café, womit sie ein neuartiges Studiokonzept entwickelte.
Tätowiererin Lea Antonia Wald im Interview
Wie kam es zum beruflichen Neuanfang?
Lea Antonia Wald: Ich habe einige Jahre als Lehrerin in der Kunsterziehung gearbeitet, nachdem ich mein Studium beendet habe. Ursprünglich habe ich Malerei und Grafik studiert – das Lehramt war dann eigentlich nur der “Ich muss Geld verdienen”-Job (lacht). Wirklich machen wollte ich das nie, wusste aber mit Mitte 20 nicht wirklich, wie ich mit Kunst Geld verdienen kann. Dass ich Tätowiererin werde, war aber tatsächlich auch nie der Plan. Ich habe mir irgendwann ein Jahr Auszeit von der Schule genommen und rein aus Neugier eine Tattoo Ausbildung gemacht. Ich war super begeistert und habe das Tätowieren von Anfang an geliebt. Ich liebe es heute immer noch!
Zu welchem Moment hast du dir gedacht: Jetzt wird’s Zeit für ein Studio?
Als ich damals angefangen habe zu tätowieren, gab es noch nicht wirklich auf Fineline spezialisierte Studios. Die meisten waren so, wie man sich typischerweise ein Studio vorgestellt hat: Die Szene war sehr von Männern dominiert, hauptsächlich gab’s großflächige Tattoomotive. Das Studio, in dem ich als Praktikantin angefangen habe, hat sich gerne und lautstark über Kund:innen lustig gemacht, die ein kleines Herz oder ein Blümchen tätowiert haben wollten. So wurden Minitattoo-Wünsche damals oft belächelt und nicht ernst genommen. Meine Motivation ein eigenes Studio zu öffnen war vor allem, ein Studio für Frauen zu öffnen. Ein Studio, in dem sich wirklich jede:r wohlfühlen kann, nicht ausgelacht wird, keine Schwellenangst haben muss hineinzugehen, und auch glücklich wieder hinausgeht. Fineline kannte man damals in Wien noch nicht; viele Studios haben “Fineline Tattoos” mit zu dicken Nadeln gestochen – natürlich war das Ergebnis dann nicht das, was die Kund:innen wollten.
Wofür steht „Lebenslinien Tattoo“?
Für High-End qualitative Fineline-Tattoos. Aber auch für einen Ort zum Wohlfühlen, Sicherfühlen und Entspannen. Gerade bei Tattoos ist es wichtig, dass die Menschen sich wohlfühlen. Immerhin stechen wir Farbe in ihre Haut und hinterlassen dort etwas Bleibendes – also auch ein Stück von uns selbst.


Wie kam es zur Idee vom Lebenslinien Café und wie kann man sich das Konzept davon vorstellen?
Das Lebenslinien Café ist eine Fortführung meiner Idee eines Wohlfühlstudios. Es ist beides: ein Café und ein Tattoostudio. Du kannst nur auf einen Kaffee und Kuchen vorbeikommen, oder auch nur für ein Tattoo. Du kannst aber auch beides verbinden und beispielsweise mit Freund:innen zum Brunch kommen, den Vormittag bei uns verbringen, gemeinsam ein Freundschaftstattoo stechen lassen, und danach noch gemeinsam ein Gläschen Sprudeliges trinken und das Tattoo feiern (grinst).Die Tattooräume sind natürlich nicht im Cafébereich, schon aus hygienischen Gründen, und niemand kann hineinsehen. Es sind eigene Räume im hinteren Bereich des Lokals – selbstverständlich läuft auch hier alles nach höchsten Hygienestandards und privat ab.
Was schätzt du an deiner Arbeit besonders?
Am allermeisten liebe ich es, Menschen glücklich zu machen. Es ist so wunderschön, wie viel Liebe und Freude aus dieser Arbeit hervorgeht. Das Plaudern mit den Kund:innen, das Platzieren des Motivs und die Freude, wenn man eine perfekte Stelle am Körper gefunden hat. Vor allem aber die Freude, wenn das Tattoo fertig gestochen ist. Manchmal wird getanzt, manchmal umarmt, manchmal fließen Glücks-
tränen. Ich finde es so schön mit meiner Arbeit etwas so Wichtiges für Menschen machen zu können.
Gab es ein Tattoo, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Es gibt einige Motive, die sich bei mir eingebrannt haben – oft sind es Tattoos, die mit Lebensereignissen oder Schicksalsschlägen verbunden sind. Ein Tattoo, an das ich oft denken muss, ist ein winzig kleines Symbol, das sich eine Frau hat stechen lassen, als Zeichen dafür, dass sie trotz unglaublicher Widerstände und Hürden den Mut hatte, ihren eigenen Weg zu gehen, sich nicht beirren hat lassen, und letztendlich tatsächlich geschafft hat, wovon sie geträumt hat.
Welche Person würdest du gerne mal tätowieren?
Schwierige Frage (lacht). Vielleicht meine Latein-Professorin aus der dritten Klasse. Ich war grottenschlecht in Latein, ich war auch definitiv nicht der Liebling meiner Latein-Professorin. Ich glaube aber, dass sie eine recht coole Person war – irgendwie (grinst).
Welche Frage sollte man sich vor dem ersten oder nächsten Tattoo unbedingt stellen?
Neben den wichtigen Fragen wie: “Möchte ich dieses Motiv für immer auf meiner Haut haben?”, ist für mich eine der wichtigsten Fragen: “Habe ich das richtige Studio beziehungsweise den richtigen Artist gefunden?”. Es kommen viele Menschen zu uns ins Studio, die unglücklich sind über ein Tattoo, das Fineline hätte werden sollen, es aber nicht ist. Umgekehrt lehne ich auch Anfragen ab, die einfach nicht zu uns passen – Motive bei denen ich weiß, dass sie in einem anderen Studio besser umgesetzt werden. Damit man also glücklich und zufrieden nach einem Tattootermin nach Hause gehen kann, ist es superwichtig sich das Studio vorher auf Instagram oder der Website anzusehen und zu schauen, ob der Stil auch zu dem Motiv passt, das man haben möchte.