Wie man als KrebspatientIn blöde Sprüche kontert

"Du schaust ja gar nicht krank aus, wieso gehst du nicht arbeiten?" Genau solche blöden Sprüche müssen sich KrebspatientInnen laufend anhören. Ein neuer Online-Kurs hilft beim Kontern.

Claudia Altmann-Pospischek schreibt auf ihrem Blog Claudia’s Cancer Challenge über ihr Leben als Krebsbetroffene. Gemeinsam mit selpers.com hat sie einen Kurs zum Thema Schlagfertigkeit für KrebspatientInnen entwickelt.

WIENERIN: Wie sind Sie auf die Idee zu einem Schlagfertigkeitskurs für KrebspatientInnen gekommen?

Claudia Altmann-Pospischek: Die Idee zum Online-Kurs entstand im Rahmen eines Gesprächs mit Iris Herscovici von selpers.com. Wir wussten beide, dass KrebspatientInnen erstaunlich oft mit Aussagen konfrontiert sind, bei denen ihnen der Mund offen stehen bleibt. Deshalb wollen wir Betroffenen nun mit unserem Kurs ein Rüstzeug mitgeben, um auf unbedachte Bemerkungen und unpassende Fragen kontern zu können und nicht sprachlos zurückbleiben zu müssen.

Können Sie Beispiele nennen?

Es sind Aussagen und Fragen wie „Du siehst gar nicht so krank aus“, „Deine Perücke passt dir überhaupt nicht“ oder "Warum setzt du dieses komische tuch auf?", die weh tun. Eine Freundin hat ihrer Bekannten beispielsweise erzählt, dass sie Krebs habe und bekam als Reaktion: „Na dann kannst du dir gleich deinen Sarg bestellen.“ Solche Sätze sind verletzend und lassen Betroffene schlucken. KrebspatientInnen sind schlichtweg überfordert, wenn sie dieses oder ähnliches an den Kopf geknallt bekommen. Als mir auffiel, dass es zum Thema Schlagfertigkeit für KrebspatientInnen keinerlei Inputs gibt, wollte ich selbst aktiv werden. Ich habe damals die Leute auf meinem Blog dazu aufgerufen, mir die negativsten und kuriosesten Bemerkungen, die sie zu hören bekommen hatten, zu schicken. Die Rückmeldungen waren enorm. Und all das ist natürlich in den Kurs miteingeflossen.

Waren Sie selbst auch schon mit unpassenden Fragen konfrontiert?

Mir persönlich ist es oft passiert, dass Leute gesagt haben „Du siehst super aus. Wieso gehst du denn eigentlich nicht arbeiten?“. Die Menschen verbinden eine Krebserkrankung stets mit einem bestimmten Aussehen, doch hinter die Fassade blicken sich nicht. Ich bekomme Dauerchemo und muss mit einer Vielzahl an Nebenwirkungen zurechtkommen – doch das ist eben nicht auf den ersten Blick ersichtlich.

Was kann der Kurs für KrebspatienInnen leisten?

Der Kurs gibt KrebspatientInnen jenes Rüstzeug mit auf den Weg, um auf unliebsame Kommentare auf unterschiedliche Weise reagieren zu können. Er ist online, kostenlos, niederschwellig und hat Kommunikation auf Augenhöhe zum Ziel. Es geht darum, in Alltagssituationen nicht sprachlos zurückzubleiben. Wir haben enorm positives Feedback erhalten. Man sieht, dass man etwas bewegen kann und das freut mich außerordentlich. Ein weiterer Kurs für Angehörige ist bereits in Planung.

Als eine Freundin einer Bekannten erzählte, dass sie Krebs habe bekam sie als Reaktion: „Na dann kannst du dir gleich deinen Sarg bestellen.“ Da bleibt einem erstmal der Mund offen stehen.

Warum ist es Ihnen so wichtig über Ihre Krankheit zu sprechen?

Der metastasierte Brustkrebs führt ein Schattendasein. Der Vorsorge wird – Gott sei Dank – viel Aufmerksamkeit zuteil, der fortgeschrittenen Situation leider nicht. Es gilt Folgendes zu bedenken: Wir können nie wieder in unser altes Leben einsteigen, haben Dauertherapie, kämpfen mit Nebenwirkungen, tragen eine übergroße psychische Belastung und sind mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert. Unsere Diagnose zerstört Lebensträume, betrifft die ganze Familie und bringt in vielen Fällen den Jobverlust bzw. finanzielle Einbußen mit sich. Die Prognose bei metastasiertem Brustkrebs liegt bei durchschnittlich 2 bis 4 Jahren – das ist recht wenig. Ich möchte dieser Form der Krankheit ein Gesicht und eine Stimme geben.

Sind Sie für Ihren öffentlichen Umgang mit dem Thema auch schon angegriffen worden?

Nein, ich habe nie einen Shitstorm erlebt. Ich würde alles genauso wieder machen, habe nichts bereut. Ich möchte Spuren hinterlassen und aus all dem Negativen, das mir widerfahren ist, auch etwas Positives schöpfen. Und wenn die Krankheit – so belastend sie auch sein mag – irgendetwas für mich gebracht hat, dann war es eine Umorientierung im Leben. Ich brenne nun für das Thema „Brustkrebs“. Ich will Menschen Mut und Hoffnung schenken und ihnen zeigen, dass eine metastasierte Brustkrebserkrankung nicht das unmittelbare Ende bedeutet.

Was wäre Ihr Wunsch, wie sollen Ihnen die Leute begegnen?

Mein Lieblingseinstiegssatz lautet: „Darf ich dich fragen, wie es dir geht, oder möchtest du heute lieber über andere Themen sprechen?“. Da besteht sowohl die Option darauf zu antworten „Ja, ich will dir erzählen, was gerade Sache ist und welche Therapien laufen“, oder es ist auch völlig legitim zu sagen „Du, ich habe heute einen schlechten Tag, ich möchte lieber über andere Dinge sprechen“. Der Punkt ist, dass das Gespräch mit dieser Frage nie in eine Schieflage geraten wird – jede Antwort ist willkommen. Das als kleiner Tipp, um positiv in ein Gespräch zu gehen.

 

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