Sila Sahin-Radlinger nennt Niederösterreich ihr neues Zuhause
"Niederösterreich ist jetzt mein Zuhause"
© Sarah Katharina Photography
Sie ist bekannt aus Serien wie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“, „Alles was zählt“ oder „Nachtschwestern“: Schauspielerin Sila Sahin-Radlinger über Karriere, Familie und ihr neues Leben in Österreich.
Coverstar Sila Sahin-Radlinger im Interview
Von Berlin nach Gumpoldskirchen: Der Liebe wegen ist Schauspielerin Sila Sahin-Radlinger bereits vor einigen Jahren nach Österreich gezogen. Die 40-Jährige ist mit dem österreichischen Fußball-Star Samuel Radlinger verheiratet, der aktuell für Austria Wien spielt. Von Oberösterreich hat es die Familie – die beiden haben zwei gemeinsame Söhne – nun nach Niederösterreich verschlagen, wo sie sich in Gumpoldskirchen richtig wohlfühlt. Hier kann sich die erfolgreiche Schauspielerin, Schuh-Designerin und seit Kurzem auch Sängerin vorstellen, ein dauerhaftes Zuhause aufzubauen. Wir haben mit der sympathischen Sila über ihren Weg zur Schauspielerei, ihre Karrierepläne in Österreich, ihre Liebe zu gutem Essen und das Leben in Niederösterreich gesprochen – authentisch und absolut ehrlich.
Du zierst unser aktuelles Cover – was bedeutet es für dich, auf einem Magazin zu sein?
Für mich ist es immer wieder eine große Ehre, auf einem Magazin-Cover oder generell in einem Magazin zu sein. Ich finde das so besonders und ich habe über die Jahre auch tatsächlich alles gesammelt. Meine Familie auch! Wir haben noch so viele Zeitschriften von früher, in denen ich zu sehen bin. Irgendwann zeige ich das auch alles meinen Kindern. Das ist für mich sehr besonders, ich liebe Zeitschriften!
Die meisten kennen dich wahrscheinlich aus Serien wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder „Alles was zählt“. Wie kam es dazu und wie hat diese Zeit dein Leben verändert?
Ich bin da ziemlich blauäugig reingestartet und hatte von dieser Branche anfangs überhaupt keine Ahnung. (lacht) Ich war damals zwar schon auf der Schauspielschule, aber das Ganze ist eigentlich durch einen Zufall entstanden. Mein Vater war in der Türkei und ich hatte die Schlüssel zu seiner Wohnung in Hamburg. Ich bin damals mit einer Freundin aus der Schauspielschule hingefahren und habe seinen Anrufbeantworter abgehört. Plötzlich war da eine Nachricht von einer Casterin, die auf der Suche nach einer jungen Türkin für eine Rolle bei GZSZ war. Sie kannte mich von einem Casting, zu dem mein Vater mich einmal mitgenommen hatte, und wollte mich noch einmal einladen. Wäre ich damals nicht nach Hamburg gefahren, hätte ich diese Nachricht nie gehört. Das war wirklich Schicksal! Ich habe dann sofort zurückgerufen und gesagt, dass ich gerade zufällig in Hamburg bin und gerne zum Casting kommen würde.
Der Castingprozess hat ein Jahr gedauert, weil sie sehr viele Mädchen gecastet haben. Irgendwann war ich unter den letzten drei und dann hat es tatsächlich geklappt! Ich war damals noch auf der Schauspielschule und habe mit dem Direktor ausgemacht, dass ich nach drei Monaten wieder zurückkomme. Ich wollte den Job unbedingt machen und musste außerdem Geld verdienen, um mir die Schule leisten zu können. Nach drei Monaten hieß es dann, dass mich die Serie ein Jahr behalten will – und am Ende bin ich sechs Jahre geblieben! (lacht) Das war eine sehr besondere Zeit. Man taucht in eine neue Welt ein, hat beim Seriendreh einen festen Tagesablauf und eine Art Familie am Set, und plötzlich ist man berühmt und wird auf der Straße erkannt. Es waren sehr wilde Jahre – gute Zeiten, aber auch harte Zeiten und auch schlechte Zeiten. Ich habe dort meine Jugend verbracht, bin sehr gewachsen und habe unglaublich viel gelernt.
Wusstest du immer schon, dass du Schauspielerin werden willst?
Nein, tatsächlich nicht. Mein Vater ist Schauspieler und hat mich früher oft zu seinen Proben mitgenommen. Ich fand das damals immer ein bisschen skurril, muss ich sagen. (lacht) Ich hatte zwar Talent, war aber viel zu schüchtern. Erst durch meine Ballettstunden bin ich selbstbewusster geworden – aber ich hatte immer ein sehr zartes Wesen und musste mich erst in diese Welt hineinfinden. Durch meinen Vater, der mich später zu Castings mitnahm, hat sich das alles so ergeben und irgendwann kam dann der Moment, in dem ich wusste: Ich will das jetzt wirklich probieren! In Berlin habe ich eine tolle Theaterpädagogin kennengelernt, die mich auf alles vorbereitet hat, und so hat das Ganze seinen Lauf genommen. Ich bin sehr froh, dass ich diesen Weg gegangen bin. Aber ich sage auch immer: Dazu gehört unglaublich viel Glück. Es reicht nicht, Talent zu haben. Du musst die richtigen Leute kennen und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Die Schauspielerei ist ein riskanter Beruf, deshalb würde ich jungen Menschen immer raten, vorher noch etwas anderes zu lernen.

Welchen Rat würdest du deinem jüngeren Ich geben?
Ich habe früher viele Entscheidungen sehr spontan aus dem Bauch und der Laune heraus getroffen. Das ist zwar nicht immer schlecht, aber leider sind solche Entscheidung langfristig nicht immer gut. Ich hätte mir gewünscht, manchmal etwas bedachter und weniger voreilig zu sein.
Du machst seit Kurzem auch Musik und hast mit deiner Freundin Antonia Parensen einen Song veröffentlicht – wie kam es dazu und gibt es bald noch mehr zu hören?
Wir überlegen tatsächlich, im Sommer noch etwas rauszubringen, müssen aber gerade noch schauen, wann wir das umsetzen wollen. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht und ich habe mich sehr gefreut, dass die Menschen in Österreich so offen dafür waren und uns gefeiert haben – wir wurden zu Sendungen eingeladen und haben viel Plattform bekommen. Gemeinsam mit Toni funktioniert das richtig gut! Sie selbst hat sich nie getraut, aber sie hat eine großartige Stimme und ist ja auch Gesangscoach. Und ich habe mich auch nie getraut, das allein zu machen. So sind wir zusammengekommen und wollten das gemeinsam umsetzen. Für mich war es auch ein kleiner Mädchentraum aus meiner Kindheit, einmal einen eigenen Song zu performen!
Gibt es aktuell neue Schauspielprojekte, an denen du arbeitest?
Es gibt ein paar Anfragen, bei denen gerade Castings laufen. Das ist in diesem Beruf immer so: Es kommen Anfragen, dann wird man zum Casting eingeladen und hofft natürlich, dass es klappt. Ich würde mich sehr freuen, bald wieder zu drehen. Besonders schön fände ich es auch, einmal in Österreich zu drehen, weil ich hier bisher noch kein Projekt gemacht habe.
Wäre denn eine Rolle in einem Sissi-Film etwas für dich?
Das wäre tatsächlich mein absoluter Traum! Ich habe wirklich alle Sissi-Filme und -Serien gesehen. Jetzt ist gerade Bridgerton dran – ich liebe einfach alles, was historisch und alt ist. Und Schlösser faszinieren mich sowieso! Mein absoluter Traum wäre es, einmal in einem historischen Film mitzuspielen – vielleicht als verrückte Gräfin, die in einem Schloss lebt … (lacht)
Wenn du nicht gerade schauspielerst oder Musik machst, kochst du gerne und teilst das auch auf Instagram …
Kochen ist für mich eine Art, Liebe zu zeigen. Wenn ich für jemanden koche, dann bedeutet mir dieser Mensch etwas. Es macht mich glücklich, wenn Menschen, die ich wirklich liebe, mein Essen genießen, es ihnen gut geht und sie satt nach Hause gehen. Ich habe vor einiger Zeit bereits ein Kochbuch rausgebracht und dann eine längere Pause gemacht – in letzter Zeit habe ich aber gemerkt, dass viele meiner Follower sich wieder mehr Food-Videos von mir wünschen. Deshalb gibt es davon nun wieder mehr auf meinem Instagram-Account. Ich teile gerne einfache Rezepte, die jeder nachkochen kann – und auch viel aus meiner türkischen Kultur. Mit Sicherheit werde ich auch irgendwann mal ein Österreich-Special machen!
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Mehr InformationenWie gehst du mit negativer Kritik im Netz um?
Ich glaube, das ist der Preis, den man zahlt, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Man kann nicht jedem gefallen – und das wäre auch komisch, wenn mich jeder toll finden würde. Wenn Kritik berechtigt ist, finde ich das völlig in Ordnung. Aber Beleidigungen gehen gar nicht! Solche Kommentare lösche ich einfach oder blockiere die Leute. Warum sollte ich mir das reinziehen? Wenn jemand nichts Nettes zu sagen hat, brauche ich diese Person auch nicht in meinem Leben, denn das raubt nur Energie. Klar, man polarisiert natürlich auch gewisser Maßen – ich bin mit einem Fußballer zusammen und nach außen wirkt unser Leben vielleicht oft perfekt. Dabei habe ich auch Struggles und mache ganz alltägliche und normale Dinge wie Hausputz, Einkäufe, oder gestern zum Beispiel Restmüll im Altstoffsammelzentrum entsorgen (lacht) – auch das ist eine Seite von mir, die man auf Social Media aber nicht immer sieht. Ich bin ganz normal und koche auch nur mit Wasser. Manche Menschen sind voreingenommen oder lassen sich von Schlagzeilen blenden, aber ich habe gelernt, dass nichts so ist, wie es nach außen scheint.
Dein Mann Samuel und du, ihr seid seit zehn Jahren verheiratet – was hat euch als Paar besonders zusammengeschweißt?
Ganz sicher die vielen Auslandsaufenthalte. Ich glaube, wir sind insgesamt 14 Mal umgezogen und hatten oft nur uns. Immer wieder neue Länder, neue Menschen, neue Sprachen – das schweißt zusammen und hat uns als Paar ziemlich gestärkt. Wir waren wirklich viel unterwegs – wie oft wir schon ein- und wieder ausgepackt haben … (lacht). Das war spannend und schön, aber auch anstrengend. Mittlerweile bin ich in einem Alter, in dem ich das nicht mehr möchte und ich hoffe, dass ich jetzt angekommen bin.

Kannst du dir vorstellen, dass Gumpoldskirchen euer Zuhause bleibt?
Ja, das kann ich mir wirklich gut vorstellen! Schon allein deshalb, weil die Kinder jetzt hier zur Schule gehen und sich sehr wohlfühlen. Ich möchte sie nicht schon wieder irgendwo herausreißen. Samuels Vertrag bei Austria Wien läuft ja auch noch zwei Jahre, und wenn alles so bleibt und weiterhin gut läuft, würde das auf jeden Fall gut passen. Außerdem ist es hier in Gumpoldskirchen auch wirklich wunderschön!
Was verbindest du mit Niederösterreich?
Für mich ist es inzwischen mein Zuhause. Es ist unglaublich vielseitig und sehr kinderfreundlich. Ich liebe die Natur, die vielen Parks, die Weingärten und natürlich die Schlösser, die ich noch alle entdecken möchte! Ich mache bei meinen Freunden in Berlin und Deutschland auch immer ordentlich Werbung für Niederösterreich. (lacht) Die sind mittlerweile alle super neugierig und wollen unbedingt nach Österreich kommen und uns hier besuchen.
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