Oscars 2020: Und schon wieder hapert’s mit der Diversität

Die Academy Awards hätten dieses Jahr die Chance gehabt, in Sachen Diversity mal richtig Gas zu geben – Leider schaut’s bei den Nominierungen jedoch auch heuer wieder trist aus.

Joaquin Phoenix und Regisseur Todd Phillips bei der Joker-Premiere in Paris

The same procedure as every year – die Oscar-Nominierungen sind raus und siehe da: Erneut werden quasi ausschließlich Filme von Weißen Männern für Weiße Männer abgefeiert (bestes Beispiel: Spitzenreiter "Joker" mit 11 Nominierungen). Dabei hätte es gerade dieses Jahr so viel Auswahl an großartigen Produktionen gegeben, die nicht dem öden "White Male"-Klischee entsprechen. Schade, wiedermal eine verpasste Chance, endlich mit einer verstaubten Tradition zu brechen und für vielfältige Repräsentanz zu sorgen.

Kategorie Schauspiel: Nur eine Person of Color nominiert

Wir wissen kaum, wo wir bei diesem Trauerspiel anfangen sollen: Vielleicht mit der ernüchternden Tatsache, dass unter den Nominierungen aller Schauspiel-Kategorien mit Cynthia Erivo ("Harriet") gerade mal eine (!) Person of Color zu finden ist. Dass die einzige Woman of Color darüber hinaus für ihre Darbietung einer Sklavin gewürdigt wird, kann eigentlich nur ein schlechter Scherz sein.

Warum Golden Globe-Gewinnerin Akwafina ("The Farewell"), Lupita Nyong’o ("Us") oder Song Kang-Ho ("Parasite") bei den Nominierungen völlig übersehen wurden, ist für viele Filmexpert*innen ein Rätsel. Das letzte Mal, dass eine Woman of Color in der Kategorie "Best Actress" gewonnen hat, war übrigens Halle Barry ("Monster‘s Ball") vor sage und schreibe 18 (!) Jahren. Hier läuft also eindeutig einiges falsch.

Keine einzige Frau in der Kategorie Regie

Auch wenn‘s um die Regie geht, sieht’s nicht besser aus, im Gegenteil: Unter den Nominierten findet sich nicht eine einzige Frau, obwohl es gerade heuer so viel Auswahl an gelungenen Produktionen von Frauen gegeben hätte wie schon lange nicht: Man denke an Greta Gerwigs gefeierte Neuauflage des Klassikers "Little Women", Marielle Hellers Filmbiografie "A Beautiful Day in the Neighborhood" über Kinder-TV-Legende Mr. Rogers oder Lorene Scafarias starbesetzte Krimikomödie "Hustlers".

US-Schauspielerin und Regisseurin Issa Rae, welche die Nominierten präsentierte, konnte sich (zurecht) ein wenig Shade nicht verkneifen:

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Auch online übt man Kritik an der diesjährigen Auswahl an Nominierten und bedauert das Fehlen von Diversity:

Wo bleibt die Vielfalt?

Vor einigen Jahren gab es eine Neubesetzung der Acadamy-Mitglieder, aber auch das hatte keine große Auswirkung auf die Diversität unter den Nominierten. "Da gabs aber auch noch nicht so viele Filme, die divers und inklusiv besetzt sind" mag man jetzt denken und das stimmt zumindest bedingt. Schließlich kann man nichts nominieren, was nicht existiert. Aber: Die Ausrede, dass es keine in Frage kommenden Filme gäbe, zählt im Jahr 2020 eindeutig nicht mehr. Gerade heuer war die Bandbreite an diverseren Produktionen besonders groß (auch auf Queer Representation wurde trotz mehrerer in Frage kommender Produktionen wie "Portrait of a Lady on Fire" verzichtet).

Die Verleihung der Academy Awards verliert zusehends an Interesse, erst 2018 verzeichnete man bei den Zuseher*innen ein Rekordtief. Wie auch der 2015 veröffentlichte Nielsen Report analysiert, würde mehr Vielfalt bei den Nominierungen auch ein breiteres Publikum anziehen. Wie es aussieht, reicht selbst dieses Argument für die Academy nicht aus. Klar, würden Straight White Men dann ja vielleicht leer ausgehen.

 

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