Nachhaltige Jeans

Wer hat meine Jeans gemacht? Vielleicht haben Sie (sich) diese Frage noch nie gestellt. Das Label Kuyichi beantwortet sie trotzdem. Was es sonst noch Neues in Sachen Denim und Nachhaltigkeit gibt, erfahren Sie hier.

Es war 1969, im Summer of Love, als der Startschuss für nachhaltige Mode im neuen Jahrtausend fiel. Damals wurde in den Niederlanden die Organisation Solidaridad gegründet. Das Ziel: eine bessere und lebenswertere Welt mit gesunden und fair bezahlten Arbeitern. Was sich auch heute noch wie ein Märchen anhört, ist der Beginn der Geschichte von Kuyichi.

Nachdem sich Solidaridad lange mit Fair-Trade-Kaffee oder -Obst befasste, war mit dem Millennium die Zeit reif für nachhaltige Jeans.

Aber keines der großen und bekannten Denim-Labels war daran interessiert, mit Bio-Baumwolle zu arbeiten oder bessere Bedingungen in den Produktionsketten von den Zulieferern zu fordern. Deshalb gründete Solidaridad im Jahr 2001 eine eigene Marke, bei der Nachhaltigkeit genauso wichtig wie Design war. Das erste Öko-Denim-Label der Welt hatte neben einem guten Gewissen für die Konsumenten auch noch stylishe Jeans im Programm.

Der Erfolg gab Kuyichi recht. Die Konsequenz der Marke löste ­einen Trend in Richtung grünere Blue Jeans aus. Es einen Boom zu nennen, wäre auch im Jahr 2015 zu optimistisch. Denn immer noch produzieren über 90 Prozent der Big Player im Business konventionell. Auch wenn große Labels mit enormen Marketingbugdets gerne etwas anderes glauben machen wollen.

Blau macht auf Grün

Für den Konsumenten heißt das, auch das Kleingedruckte dieser Kampagnen zu lesen. Aber eins ist klar: Jeder Schritt in Richtung Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Schritt.

Das bedeutet nämlich, dass etwa der Wasserverbrauch von bis zu 30.000 Liter für ein Kilo Baumwolle bei Biobaumwolle auf rund 7.000 Liter sinkt. Doch nur weil Biobaumwolle im Spiel ist, heißt das nicht, dass das Endprodukt auch einen ökologisch wertvollen Fußabdruck hat.

Nach der Ernte kommt die Baumwolle in die Spinnerei, in die Weberei, in die Färberei. Einer der nächsten Schritte ist die Näherei. Werden die Arbeiter überall fair bezahlt und produzieren unter Bedingungen, die nicht gesundheitsgefährdend sind? Diese Frage stellen sich lediglich fünf Prozent der Konsumenten. Rund genauso viele fragen nach, ob für die Arbeiter schädliche Chemie wie Chlor oder Kaliumpermanganat für die coolen Waschungen ihrer Jeans im Einsatz waren oder moderne Lasertechniken. Wie wurden die Jeans für den Used-Look behandelt? Sandblasting etwa kann im Gegensatz zu neuen Airbrush-Verfahren für einen Fabrikarbeiter einen schnellen Tod bedeuten. Wie weit sind die Produktionswege? Ging die Hose einmal um die Welt, bevor sie im Shop gelandet ist, oder waren nur ein paar wenige Stationen notwendig? Es gibt so viele Fragen über die Produktionskette der Lieblingshose wie Stationen bis zum fertigen Produkt.

Viele davon werden durch Zertifikate beantwortet, die sich Labels oder Kollektionen erarbeitet haben (eine Liste der wichtigsten Zertifikate finden Sie hier).

Labels wie Kuyichi sind ein Vorbild für eine ganze Industrie. Die Jeansmarke geht heute sogar so weit, jeden einzelnen Produktionsschritt mit allen Zulieferfirmen und Porträts von Arbeitern öffentlich zu machen. Denn nur so wird die Kette für den Konsumenten transparent.

Und damit hat es mehr als ein Funken Spirit von Love, Peace & Happiness aus dem Jahr 1969 in den Sommer 2015 geschafft.

Nudie Jeans

Das schwedische Label zeichnet sich nicht nur durch tolle Schnitte aus. Nudie Jeans mit zu viel Geschichte werden in eigenen Stores repariert oder recycelt und als Secondhand-Ware wieder in die Shops gehängt. Alle Infos und Initiativen unter nudiejeans.com.

G-Star

Rund 269.000 Tonnen Plastik schwimmen in den Weltmeeren. Für die "RAW for the Oceans"-Kollektion von G-Star wurden bis jetzt zehn davon herausgefischt. PET-Flaschen werden dabei u. a. gemeinsam mit Baumwolle in den Recyclinggarn Bionic Yarn verarbeitet.
Infos: g-star.com.

Livid Jeans

Die handgefertigten Jeans aus Norwegen werden seit 2010 in der Stadt Trondheim gefertigt. Eine Prêt-à-porter-Linie wird nach höchsten Standards in Barcelos, Portugal, hergestellt. Infos: lividjeans.com.

H&M

Wer bei H&M nachhaltigere Jeans kaufen möchte, muss sich auf die Suche nach dem Label "Conscious Denim" machen. In jeder Filiale gibt es Teile, die sich mit dem Etikett „ressourcensparend produziert“ schmücken dürfen. Das heißt u. a., dass beim Waschungsprozess ca. die Hälfte der Energie gespart wurde. Infos: hm.com.

Levi's

"Made of Progress" heißt die Initiative, mit der sich Levi’s gerade beschäftigt. Dabei setzt das Label ebenfalls auf die Reduktion des Wasserverbrauchs. Angesetzt wird beim Waschungs- und Finishing-Prozess. Bis jetzt konnten über 770 Millionen Liter gespart werden. Infos: levi.com.

 

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