Mesotherapie

Zugegeben, die Vorstellung von hunderten Nadelstichen ist nicht gerade verlockend. Doch es gibt stichhaltige Argumente, sich dennoch einer Mesotherapie zu unterziehen: Mit ihr können etwa schlaffe Haut, Akne, Haarausfall oder Cellulite deutlich gebessert werden. Und dafür nimmt man kleine Piekser doch gern in Kauf.

Die Nadel ist winzig, ihre Wirkung riesig. Denn mit ihr wird ein Wirkstoffcocktail in die Haut gespritzt, der körpereigene Reparaturprozesse anregt und die Optik auffrischt. „Die sogenannte Mesotherapie wirkt zweifach“, erklärt DDr. Selli vom e’pur-Studio in Wien (Webgasse 43, 6. Bezirk, www.epur.at). „Einerseits gelangen die Wirkstoffe genau dahin, wo sie hinsollen. Und andererseits bewirken die winzigen Verletzungen der Haut einen intensiven Regenerationsprozess.“

Edmond Selli

Edmond Selli, der operative Leiter von e’pur in Wien, ist Spezialist für Mesotherapie

Einst Schmerz-, jetzt Beautytherapie

Kein Wunder also, dass das Treatment in Hollywood längst zum Beauty-Standardprogramm der Stars gehört. Und auch hierzulande erfreut es sich immer größerer Beliebtheit. Dabei war die Mesotherapie ursprünglich gar nicht für den Einsatz in der Kosmetik bestimmt. Der französische Arzt Michel Pistor entwickelte das Verfahren vielmehr, um Schmerzen zu lindern. Dass man auf dieselbe Art Beauty-Wirkstoffe effizient in die Haut einschleusen kann, blieb der Schönheitsindustrie aber nicht lange verborgen.

Schön mit Pistole

Das Prinzip ist simpel: Mit einer Art Pistole wird die Injektionsnadel in knappen Abständen einen halben bis einen Millimeter tief in die Haut gestochen. Dort gibt sie einen zehntel Milliliter Wirkstoffcocktail ab. Je nach Bedarf besteht dieser aus Vitaminen, Anti-Aging-Substanzen oder Energizern, um etwa Alterserscheinungen wie fahle, schlaffe Haut zu reduzieren. Aber nicht nur im Gesicht und am Dekolleté wird die Nadel angesetzt. Auch bei Haarausfall und Cellulite versprechen die Mikroinjektionen Besserung. Der Einsatz der Mesotherapie ist Ärzten vorbehalten, eine abgeschwächte Variante mit Mesoroller und Wirkstoffcremes kommt aber auch in Kosmetikstudios zum Einsatz.

Von Kopf bis Fuss

Wie Dr. Weidmann aus Augsburg kritisiert, fehlen aber objektive Studien, weil Wirkstoffe und Behandlungsmethode von Arzt zu Arzt variieren. Im Netzwerk Aesthetik-Meso setzt er sich deshalb für einheitliche Standards ein. Damit könnten Ergebnisse vergleichbar gemacht und die Sicherheit für die Patienten erhöht werden, so der Experte. Und die Schmerzen? „Wirklich nicht schlimm“, versichert Selli. „Vor der Behandlung im Gesicht wird eine Anästhesie-Salbe aufgetragen, da spürt man die Stiche (immerhin 200 bis 300 sind es!) fast gar nicht.“ Wichtig ist nur, dass die Patientin sich in den ersten 24 Stunden nach der Behandlung nicht schminkt und die Sonne meidet. „Auch bei den Haaren und am Körper ist die Therapie harmlos“, so Selli. Lokale Rötungen klingen in der Regel nach kurzer Zeit ab. Ein kleiner Schmerzfaktor bleibt jedoch: € 72,– bis € 350,– pro Sitzung (je nach Anwendungsgebiet) sind nicht ganz billig. Dafür hat man nach der Behandlungsrunde mehrere Monate lang seine schöne Ruhe ...

Lesen Sie auf Seite 2 die drei unterschiedlichen Anwendungsgebiete der Mesotherapie!

Edmond Selli, der operative Leiter von e’pur in Wien, ist Spezialist für Mesotherapie.

Was sind die Vorteile der Mesotherapie? Die Wirkstoffe gelangen besser in die Haut als beim Eincremen. Durch die Nadelstiche werden zusätzlich Reparaturprozesse angeregt.

Sind die Schmerzen mit denen von Tattoos vergleichbar? Nein, die sind nicht so schlimm. Ich kenne niemanden, der gesagt hätte: „Das halte ich nicht aus.“

Was sind die Grenzen der Mesotherapie? Mesolift etwa bewirkt ein frischeres Aussehen und etwas straffere Haut. Hängende Wangen und tiefe Falten werden dadurch nicht weggemacht. Da braucht es dann doch Botox, Hyaluron oder gar ein Facelift.

Mesolift

Nach einer eingehenden Hautanalyse werden passende Aktivstoffe ausgewählt. Gegen müde, schlaffe Haut sollen Energizer wie Koffein oder Tauricol helfen, Alterserscheinungen werden mit Hyaluronsäure, Stammzell-Aktivatoren und Vitaminen bekämpft, für einen strahlenden Teint kommt ein Glow-Komplex zum Einsatz. Wird eine glattere Hautoberfläche angestrebt, können feinste Mengen Botox beigemischt werden. Eine Sitzung inklusive Vorbehandlung mit Peeling, Ultraschall und Anästhesiesalbe sowie Nachbehandlung mit Kollagenvlies, Eismaske und Repaircreme dauert ca. eine Stunde. Behandlungsdauer: 3–4 Sitzungen alle zwei Wochen, danach eine Erhaltungssitzung alle 3–6 Monate. Kosten: ab ca. € 225,– pro Sitzung.

Mesohair

Therapie und Erfolgsaussichten hängen von der Ursache des Haarausfalls ab. Dünnt das Haar aufgrund von Stress oder Nährstoffmangel diffus aus, helfen etwa Cocktails mit Biotin und Panthenol. Aber auch bei hormonell bedingtem Haarausfall kann Besserung erzielt werden. Da sich die Haare in unterschiedlichen Wachstumsphasen befinden, müssen die Behandlungen über einen längeren Zeitraum wöchentlich erfolgen. Dabei wird jeweils ein Mikroriss in die Haut gezogen, um den Wirkstoff einzubringen, dazu kommen etwa 20 bis 30 Injektionen, die den Wirkstoff-Cocktail zu den Haarwurzeln bringen. Behandlungsdauer: 6–10 Sitzungen im Abstand von jeweils einer Woche. Kosten: ab ca. € 72,– pro Sitzung.

Meso-Anti-Cellulite

Auf das Beratungsgespräch mit der Bodyforming- Expertin folgt ein individuelles Behandlungsprogramm – etwa Mesotherapie, Lipomassage, Ultraschall und Radiofrequenz. Dazu gibt es eine Ernährungs- und Sportberatung. Je nach Schweregrad bekommt die Patientin bei der Mesotherapie einen passenden Anti-Cellulite-Cocktail injiziert, der die Blutzirkulation und den Lymphfluss im Bindegewebe stimuliert. Dadurch sollen Schlacken abtransportiert, das Gewebe regeneriert und die Hautoberfläche gestrafft werden. Gegen Fettdepots an Po und Oberschenkeln werden Fett abbauende Wirkstoffe eingesetzt. Behandlungsdauer: 2–6 Sitzungen alle sechs bis acht Wochen, je nach Schweregrad. Kosten: ab ca. € 265,– pro Sitzung.

 

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