J.Lo, Shakira und der Superbowl: Gesehen wird nur, wer 'jung und knackig' ist

Jennifer Lopez (50) und Shakira (43) haben die diesjährige Halbzeitshow des Superbowls performt. Zwei Latinas jenseits der Vierzig, die eine Geschichte der Diversität und Stärke erzählen wollen. Das kann groß sein. Übrig geblieben ist aber vor allem eine weitere Glorifizierung der ewigen Jugend. Ein Kommentar.

Jennifer Lopez und Shakira beim Superbowl

Es war, wie man im Englischen sagt, a first: Mit Jennifer Lopezund Shakira performten am Sonntag zum ersten Mal gleich zwei Frauen mit lateinamerikanischen Wurzeln die Superbowl-Halbzeitshow in den USA. Zu dieser Zeit, in diesem Land sei das "sehr empowernd", so J.Lo im Vorfeld. Eine Gelegenheit, eine Geschichte der Stärke der Frauen und der lateinamerikanischen Community zu erzählen. Bis gestern war Gloria Estefan in der Geschichte der Superbowl-Headliner die einzige Latina, heute gehen die Bilder der zwei Künstlerinnen um die Welt. Die eine eine in New York geborene Puerto Ricanerin, die andere Kolumbianerin.

"J.Lo und ich definieren Paradigmen über Alter, Race und Herkunft neu", sagt Shakira noch vor der Show bei einer Pressekonferenz. Ihre Halbzeitshow bricht gleich mit mehreren magischen Grenzen der Sichtbarkeit: Sie sind Frauen, sie sind nicht Weiß und sie sind älter als 40.

Wer sichtbar bleiben will, muss jung bleiben

Aus der Popkultur, sei es Fernsehen, Film oder Musik, verschwinden Frauen zusehends, je älter sie werden. Altern, das darf sich eine Frau in der Öffentlichkeit eher nicht erlauben. Und auch die heurige Halbzeit-Show des Superbowls macht da keine große Ausnahme. Shakira mag 43 Jahre alt sein, Jennifer Lopez sogar 50. Ihre Ästhetik und Energie aber wirken wesentlich jünger. Das ist weniger Paradigmenwechsel, sondern mehr die Bestätigung: Du darfst bleiben, wenn du alt bist – solange man dir das auf keinen Fall ansieht.

Denn diese Jahrzehnte, die zeigen die Sängerinnen nicht. Vom Kopf mit den perfekt geschwungenen Beach Waves, über die muskulösen Arme, bis zu den straffen Beinen sieht alles so aus, wie es das geltende Schönheitsideal will. Sie performen punktgenau, jeder Tanzschritt, jede Handbewegung sitzt. Wer sich der Jagd nach der Jugend so erfolgreich unterwirft, bekommt die Liebe des Mainstream-Internets. Zahlreiche Memes widmen sich seit gestern Nacht der ewigen Jugend von J.Lo und Shakira.

Bitte bloß keine Omas!

Es geht auch anders: Als die Künstlerin Alexandra Grant vor wenigen Wochen mit ihrem Partner Keanu Reeves bei einer Premiere zum ersten Mal öffentlich auftrat, zählte 'Warum diese Oma?' noch zu den netteren Kommentaren, die man über sie lesen konnte. Als 'alte' Frau gilt schon, wer mit 55 aussieht wie Grant. Ganz normale Falten und graue Haare reichen für eine fiese Mischung aus Ageism und Misogynie.

Dabei ist Alter per se nur eine Zahl. Gene und Lebensstil, aber vor allem Privilegien und Möglichkeiten bestimmen, wie 'alt' man aussieht. Zeit und Geld für Sport, gesunde Ernährung, kosmetische Behandlungen oder gar Schönheitsoperationen, sowie eine Armada an Menschen, die hochstecken und festbinden, abdecken und zum Strahlen bringen, mildern die gesellschaftlich unliebsamen Alterserscheinungen. Für Frauen wie J.Lo. und Shakira ist das ein Job. Wie sie aussehen, bestimmt nach wie vor ihren 'Marktwert', ihre persönliche Sichtbarkeit.

Was aber übrig bleibt: Zahlreiche Postings, die scheinbar scherzhalber den eigenen Körper mit denen der beiden Superstars vergleichen. Aus Studien wissen wir, dass diese Zelebrierung von unerreichbaren Schönheitsidealen einen sehr realen, negativen Einfluss auf das Körpergefühl von Zuschauerinnen hat. Jugendliche, trainierte und normschöne Frauen wie J.Lo und Shakira sind dabei nicht das Problem, zumindest nicht als Individuen. Sie sind Sinnbild einer Gesellschaft, in der Äußerlichkeiten den Wert einer Frau so nachhaltig bestimmen, dass anderes nur schwer zu sehen ist. Und selbst in Momenten wie diesem, in dem eben nicht-Weiße Frauen jenseits der 40 oder 50 eine der prestigeträchtigsten Shows der Welt performen, letztlich nur zählt: Wie haben sie dabei ausgesehen?

 

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