"Historische Verschärfung": Norwegen bekommt ein strengeres Abtreibungsrecht

Schwangere haben in Norwegen seit Jahrzehnten einen straffreien und sicheren Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen. Die Mitte-Rechts-Mehrheit im Parlament schränkt die Rechte von Frauen jetzt ein.

Am Donnerstag hat das norwegische Parlament für eine Verschärfung des 1976 eingeführten Abtreibungsrechts gestimmt. Zum ersten Mal seit 40 Jahren beschneidet Norwegen so das Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren eigenen Körper.

Strengere Regeln für Mehrlingsschwangerschaften

Bei Mehrlingsschwangerschaften soll künftig ein spezieller Ausschuss über die Möglichkeit einer selektive Reduktion beraten - also darüber, ob einer der Föten abgetrieben werden darf. ÄrztInnen sollen sich mit dem Antrag befassen und dann Stellung beziehen, berichtet die norwegische Zeitung Dagbladet. Perfide, denn die Reduktion bei Mehrlingsschwangerschaften wird ohnehin meist nur dann durchgeführt, wenn das Leben der Mutter oder des/der verbleibenden Embryos/nen gefährdet ist. Man spricht von einem Teilabbruch oder einer selektiven Reduktion.

Das ist nicht unüblich. Mehrlingsschwangerschaften mit drei oder mehr Feten haben ein erhöhtes Frühgeburtsrisiko, außerdem ist die Wahrscheinlichkeit einer Wachstumsretardierung und die Todeswahrscheinlichkeit bei Frühchen höher. Auch für Schwangere birgt eine Mehrlingsschwangerschaft, neben der ohnehin höheren psychischen und physischen Belastung, Risiken wie etwa eine höhere Chance auf Präeklampsie, Eklampsie oder eine Lungenembolie.

Die Häufigkeit von Mehrlingsschwangerschaften hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Das liegt einerseits am höheren Gebäralter von Schwangeren, und andererseits an der höheren Nachfrage nach Fortpflanzungsmedizin.

Konservative und ihr Wunsch nach strengen Abtreibungsgesetzen

105 von 169 Abgeordneten haben für die Gesetzesänderung gestimmt. Der öffentlich-rechtliche Sender NRK spricht von einer "historischen Verschärfung", vor dem Parlament protestierten FeministInnen gegen das neue Gesetz.

Die Verschärfung geht auf eine Initiative der seit Kurzem an der Regierung beteiligten Christlichen Volkspartei zurück und wurde mit den Stimmen der Mitte-Rechts-Regierung möglich gemacht. Dazu gehören neben der konservativen Høyre von Ministerpräsidentin Erna Solberg auch die rechtspopulistische Fortschrittspartei (FrP), die sozialliberale Venstre und die federführende Christliche Volkspartei. Nicht durchsetzen konnte sich die Partei mit ihrer Forderung, die Möglichkeit eines Abbruchs bei schwer kranken und behinderten Föten einzuschränken. Ähnliche Pläne propagiert die Initiative #fairändern gerade in Österreich.

Ministerpräsidentin Solberg gebe Frauenrechte auf, kritisiert die Oppostion. In der hitzigen Debatte des Parlaments verglich Jonas Gahr Støre von den oppositionellen Sozialdemokraten die Verschärfung mit jenen im US-Bundesstaat Alabama.

 

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