Fünf Anzeichen einer "stillen Entzündung" und warum sie gefährlich ist

Entzündungen im Körper haben viele Gesichter und können Krankheiten wie Diabetes, Depression oder Krebs auslösen. Woran man die Schwelbrände selbst erkennen kann, welche Rolle unser Immunsystem spielt und warum man bei diesem Thema Schul- und Komplementärmedizin nicht trennen kann.

Energielosigkeit, Müdigkeit, immer wiederkehrende Erkältungen - die Anzeichen für Entzündungen im Körper sind vielfältig und manchmal nicht sehr eindeutig. Auch deshalb bleiben sie oft lange Zeit unentdeckt. 

Dabei sind Entzündungen ein wichtiges Frühwarnsystem: Wenn unser Organismus einen Eindringling, etwa Viren oder Bakterien, entdeckt, wehrt er sich in Form von Entzündungen. Sie sind lebenswichtig -dauern sie allerdings zu lange oder werden chronisch, ist das Gegenteil der Fall. In jüngster Vergangenheit häufen sich die Erkenntnisse zum Thema: Sogenannte "stille Entzündungen" können im Körper der Grund für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt sein. Sie können sogar Krebs und Autoimmunerkrankungen auslösen. Höchste Zeit, genauer hinzuschauen.

Die ersten Anzeichen können unterschiedlich sein und reichen von ständiger Müdigkeit und Mattigkeit über Durchfälle bis hin zu starker Infektanfälligkeit.

Sie flammen erst durch bestimmte Reize wieder auf

"Entzündungen sind Reaktionen unseres Immunsystems auf kranke Zellen oder totes Gewebe. Eindringlinge sollen eliminiert oder unschädlich gemacht werden. Sie sind entweder örtlich begrenzt oder betreffen den gesamten Organismus, etwa bei Autoimmunerkrankungen", erklärt Internistin Renate Zach. Die Oberärztin an der Universitätsklinik Graz kombiniert in ihrer Tätigkeit als integrative Medizinerin ihr Wissen aus Fastenmedizin, orthomolekularer Medizin und Akupunktur. Unterschieden wird zwischen akuten und chronischen Entzündungen: Erstere treten plötzlich auf, etwa bei einem grippalen Infekt. Chronische Entzündungen beginnen hingegen schleichend mit oft schubweisem Verlauf und können auch Folge einer akuten, nicht ausgeheilten Entzündung sein. "Klassiker sind streuende Zahnherde, nicht sanierte Nasennebenhöhlenentzündungen oder abgekapselte Abszesse im Körper. Von dort können sich Bakterien immer wieder über den Blutkreislauf im ganzen Körper ausbreiten und beispielsweise Schaden am Herzmuskel oder den Herzklappen verursachen", erklärt Zach. Besonders tückisch sind chronische Entzündungen, weil sie oft erst sehr spät entdeckt werden. Sie verlaufen sozusagen unter dem Körperradar und flammen erst durch bestimmte Reize immer wieder auf.

Derzeit wird etwa jede fünfte Krebserkrankung mit chronischen Entzündungsprozessen im Körper in Zusammenhang gebracht. NeurowissenschaftlerInnen haben herausgefunden, dass unterschwellige Entzündungen Depressionen auslösen können. Chronische Darmentzündungen, etwa Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, seien ebenfalls Folgen. "Entzündungen, die nicht mit den klassischen Symptomen wie etwa Fieber einhergehen und nicht von Bakterien oder Viren verursacht werden, sondern sich mehr oder weniger unbemerkt im Körper manifestieren, fasst man unter dem Begriff 'silent inflammation' - also 'stille Entzündung' - zusammen", so Kurt Widhalm, Präsident des Österreichischen Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin. "Die Mechanismen, die dabei eine Rolle spielen, kennt man bislang nicht genau, es gibt keine wirklich klaren Daten."

Krank im Bett

Die ersten Anzeichen können unterschiedlich sein und reichen von ständiger Müdigkeit und Mattigkeit über Durchfälle bis hin zu starker Infektanfälligkeit, denn der permanente Schwelbrand schwächt das Immunsystem - der Körper gerät so in einen Teufelskreis; das geschwächte Immunsystem wird mit der Entzündung nicht mehr richtig fertig. "Im Labor zeigen sich Veränderungen im Blutbild: Es kommt zu einem Anstieg oder Abfall der weißen Blutzellen sowie zu einem Anstieg von Entzündungsproteinen wie CRP und Procalcitonin, außerdem ist die Blutsenkung erhöht", so Zach.

Die Ursachen "stiller" Entzündungen

Die häufigste Ursache chronischer Entzündungen ist eine Kombination aus falscher Ernährung, zu wenig Bewegung und zu viel Stress. "Dauerstress führt dazu, dass der Körper ständig das Stresshormon Cortisol ausschüttet", erklärt Claudia Mainau, Ärztin für Allgemeinmedizin und Ayurveda. "Cortisol ist eines der wichtigsten entzündungshemmenden Hormone im Körper. Wenn es jedoch dauernd ausgeschüttet wird, verliert es irgendwann diesen Effekt." Bewegung und Entspannungsmethoden wie Yoga und Meditation senken nachweislich den Cortisolspiegel im Körper. Und auch Nahrungsmittel können eher entzündungsfördernd oder -lindernd wirken. "Eine gesunde Ernährung mit einem hohen Anteil an Obst und Gemüse, mit gesunden Proteinen und Fetten, Vollkornprodukten, wenig Fleisch, verarbeiteten Fleischprodukten und Zucker kann die Entzündungsfaktoren im Körper deutlich verbessern -genauso wie regelmäßiger Sport", betont Widhalm.

Was sollte man also bei Verdacht auf eine Entzündung, bei allgemeinem Unwohlsein, oder wenn man im Herbst und Winter "jeden Schnupfen mitnimmt", tun? Schul-und Komplementärmedizin ergänzen einander gerade beim umfangreichen Thema der Entzündungen im Körper sehr gut. Hilft der klassische Entzündungshemmer Kortison nicht (mehr), so wird etwa im Ayurveda, der TCM oder der Akupunktur andere Ursachenforschung betrieben. Das Augenmerk liegt meist mehr in der Prävention und der Aktivierung der eigenen Selbstheilungskräfte. Widhalm: "Für mich gibt es eine naturwissenschaftlich und empirisch dominierte Medizin. Manchmal weiß man in der Schulmedizin aber nicht weiter, dann können andere Therapieformen helfen. Meiner Meinung nach sollte es da keine Trennung geben." Denn so vielfältig die Symptome einer stillen Entzündung sein können, so vielfältig sind meist auch ihre Ursachen -darauf zu achten, ist der erste Schritt, um "stille" Signale des Körpers wieder wahrzunehmen.

FÜNF ANZEICHEN EINER ENTZÜNDUNG

Die fünf Kardinalsymptome einer akuten Entzündung sind:

»TUMOR = SCHWELLUNG: Das entzündete Gewebe ist geschwollen.

»RUBOR = RÖTUNG: Im betroffenen Bereich tritt eine Rötung auf.

»CALOR = WÄRME: Der Entzündungsherd fühlt sich warm an.

»DOLOR = SCHMERZ: Die entzündete Stelle schmerzt.

»FUNCTIO LAESA = FUNKTIONS-EINSCHRÄNKUNG: Das entzündete Gewebe kann seine Funktion nicht erfüllen.

Symptome einer versteckten oder chronischen Entzündung sind meist nicht so eindeutig. Eine sogenannte "stille Entzündung" ("silent inflammation") kann sich durch folgende Anzeichen bemerkbar machen:

»Allgemeine Müdigkeit und Schwäche

»(Neue) Nahrungsmittelunverträglichkeiten

»Schlechter Schlaf

»Nächtliches Schwitzen

»Wiederkehrende Infekte

Im Zweifelsfall zum/r ÄrztIn gehen. Bei Verdacht kann ein Blutbild Entzündungen im Organismus aufzeigen.

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