Frau behandelt Fußpilz mit Hausmittelchen und verbrennt sich den Fuß

Hausmittelchen sind meistens eh super. Essigpatscherl helfen bei Fieber, Mayonnaise tötet Kopfläuse, aber das mit dem Knoblauch bei Fußpilz sollte man lieber lassen.

Wer schon einmal einen Fußpilz hatte, weiß: den kleinen Scheißer wird man nicht so einfach wieder los. Dem Pilz ist das Immunsystem seiner/seines WirtIn ziemlich wurscht, zunehmende Resistenzen gegen herkömmliche Medikamente tun ihr übriges und übrig bleiben nur wenige Möglichkeiten, Fußpilz effektiv zu bekämpfen. Aber: Nur, weil die Schulmedizin hier an ihre Grenzen stößt, sollte man sich nicht auf unerprobte, "natürliche Heilmethoden" verlassen, wie der Fall einer 45 Jahre alten Britin beweist.

Die Frau versuchte, den hartnäckigen Pilz an ihrem linken großen Zeh mit Knoblauch zu behandeln. Vier Wochen lang legte sie jeden Tag ein frisches Stück Knoblauch auf die infizierte Stelle. Als sie schließlich doch eine Arztpraxis aufsuchte, lautete die Diagnose: ein teilweise abgefallenen Nagel, Verbrennungen zweiten Grades und ein von der Behandlung völlig unbeeindruckter Fußpilz.

Frau behandelt Fußpilz mit rohem Knoblauch

ÄrztInnen veröffentlichten den Fall im wissenschaftlichen Journal BMJ Case Reports. In ihren Berichten erklären die behandelnden ÄrztInnen, dass der pH-Wert der Haut auf dem Zeh der Patientin bei 9 lag, normalerweise hat Haut einen pH-Wert von etwa 5. "Die nachteiligen Effekte von rohem Knoblauch auf Haut sind zweierlei: es kann einerseits zu chemischen Verbrennungen kommen, andererseits kann es bei sensibilisierte Personen zu einer allergischen Reaktion kommen, einer Kontaktdermatititis", so die ÄrztInnen. Bei KöchInnen und Menschen, die oft mit Essen hantieren, würde es regelmäßig zu solchen Verbrennungen und allergischen Reaktionen kommen.

Nagelpilz: 1, Knoblauch: 0

Der Hintergedanke der natürlichen Behandlungsmethode ist nicht gänzlich unsinnig: Knoblauch enthält Schwefelmoleküle, die der Knolle einerseits ihren charakteristischen Geschmack geben, andererseits als eine Art Selbstschutzmechanismus gegen Krankheitserreger dienen - wie eben Pilzarten. Solche natürlich vorkommenden Abwehrstoffe sind die Basis traditioneller Medizin, zahlreiche Medikamente der modernen Medizin basieren ebenfalls auf diesen Wirkungsweisen. In eine Studie aus dem Jahr 2000 konnten bei bestimmten Fußpilzarten auch Heilungserfolge mit einer Tinktur aus Allicin, das natürlich in Knoblauch vorkommt, dokumentiert werden.

Leider wirken keine der bekannten Antipilzmittel mehr, sobald der Fußpilz erst den Nagel befallen hat. Die ÄrztInnen empfahlen der Frau ein oral einzunehmendes Medikament gegen Fußpilz. Das kann ebenfalls Nebenwirkungen haben, es verbrennt dir aber nicht den Fuß.

 

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