Portrait von Isabel Poier-Kisling

Kolumne: Finanzexpertin Isabel Poier-Kisling über bewussten Konsum

Brauche ich das oder will ich es nur?

2 Min.

© Nikki Harris , Shutterstock

Was? Ihr seid mit den Kindern noch nie geflogen?“ Die Reaktion kommt meistens sofort mit entsetztem Gesicht. Als hätte ich gesagt, die Kinder bekämen nur trockenes Brot. Nein, wir sind tatsächlich noch nie mit unseren Kindern geflogen. Weder nach Dubai noch nach Spanien. Und ganz ehrlich? Ich habe kein Problem damit. Natürlich sprechen mein Mann und ich manchmal darüber, ob wir nicht doch einen großen Familienurlaub machen sollten. Den Kindern „die Welt zeigen“, so wie es gefühlt alle machen.

Aber dann wird kurz gerechnet: vier Personen, Flug, Hotel, Essen, Transfer. Und irgendetwas geht immer schief: Einer wird krank, einer hat einen Nervenzusammenbruch (meistens ich). Und plötzlich geht es nicht mehr um Urlaub, sondern um 6.000 bis 10.000 Euro. Für was genau? Für kleine Kinder, die sich später vermutlich nicht einmal daran erinnern? Für Fotos auf Instagram, damit alle sehen, wie schön unser Leben ist? Ja, manchmal fühle ich mich wie eine Spaßbremse. Wie die Mutter, die ihren Kindern etwas vorenthält. Aber vielleicht liegt genau hier das Problem. Wir leben in einer Welt, in der Konsum längst nichts mehr mit Bedürfnissen zu tun hat. Konsum ist Status geworden. Kindergeburtstage wirken heute oft wie Mini-Hochzeiten: Dekokonzept, Showprogramm und Designertorte.

Als ich klein war, gab es selbstgemachte Schokotorte, Luftballons und Topfklopfen, und für uns war es großartig. Wann wurde beschlossen, dass alles größer, teurer und spektakulärer sein muss? Ich kenne diese Welt selbst. Auch ich habe früher viel Geld für schöne Dinge ausgegeben. Und ja, ich liebe Geldausgeben noch immer. Aber mal ehrlich: Meine Designertaschen bringen mir finanziell exakt gar nichts. Sie sehen schön aus. Das war’s! Heute stelle ich mir vor fast jeder Ausgabe nur noch eine Frage: Brauche ich das oder will ich es nur? In den meisten Fällen ist die ehrliche Antwort: Ich will es nur. Ein 10.000-Euro-Urlaub ist kein Grundbedürfnis, und leider auch nicht die Designertasche.

Dabei geht es nicht darum, nie wieder Geld auszugeben. Wenn eine Reise ein echter Herzenswunsch ist, dann soll sie gemacht werden. Wenn schöne Dinge Freude bereiten, dürfen sie gekauft werden. Aber vielleicht wäre es sinnvoller, weniger Geld auszugeben, nur weil „die anderen das machen“ oder weil Social Media suggeriert, dass ein lebenswertes Leben teuer aussehen muss. Vielleicht lohnt es sich, öfter innezuhalten und sich zu fragen: Brauche ich das wirklich oder geht es nur um ein kurzes Gefühl? Denn genau diese eine Frage kann finanzielle Entscheidungen grundlegend verändern.

Isabel Poier-Kisling ist Juristin und Finanzmentorin. Sie teilt ab jetzt ihr Wissen und ihre Erfahrungen in der WIENERIN. Mehr Einblicke gibt’s auf ihrem Instagram-Account @isabel_moneyness und in ihrem Podcast „Mein Geld. Meine Freiheit.”

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