Burn-On: Eine Depression aus Erschöpfung

Burn-Outs sind bekannt. Aber was ist, wenn man unter chronischer Erschöpfung leidet, aber trotzdem im Hamsterrad weiter rennt? Immer schneller und schneller?

Burn-On Chronische Erschöpfungsdepression

Wir alle kennen das Wort Burn-Out und vielleicht sogar jemanden, der davon betroffen ist. Weniger bekannt ist allerdings Burn-On, ein Symptom bei dem Betroffene für ihre Arbeit brennen – nur um irgendwann festzustellen dass sie komplett erschöpft sind und so viel in ihrem Leben versäumt haben.

Ein klassisches Symptom davon ist, dass Menschen stark auf ihren Beruf und ihre Karriere fixiert sind. Arbeit und vor allem Arbeitsfähigkeit und Leistung stehen über allem anderen. Die Betroffenen funktionieren perfekt, sie arbeiten immer weiter, obwohl ihnen schon lange alles zu viel ist. Sie zeichnen sich durch Hyperaktivität aus, während sie sich gleichzeitig gelähmt fühlen.

Besonders betroffen sind Menschen, die sich dem Leistungsprinzip der westlichen Welt so stark unterwerfen, dass es Abhängigkeit oder zwanghafte Züge annimmt oder auch zu depressiven Episoden oder Angstzuständen kommt.

Stolz und Verzweiflung

Burn-On-Betroffene empfinden Stolz über das, was sie erreicht haben aber gleichzeitig Scham dafür, was sie verpasst haben und haben dauerhaft das Gefühl, dass alles gut werden würde, wenn sie sich nur noch mehr anstrengen würden. Ein Gefühl echter Zufriedenheit kennen sie nicht mehr.

Aber wie kommt man aus diesem schwierigen Kreislauf raus? Wie bekommt man Zufriedenheit und einen Lebenswert zurück, statt weiterhin mit dieser chronischen Erschöpfungsdepression zu kämpfen? Der erste Schritt ist es, die eigene Freiheit zurückzugewinnen, indem sie sich von der Selbst- und Fremdausbeutung im Job freimachen. Sie müssen ihren Selbstwert über etwas anderes bemessen. Das kann natürlich nicht über Nacht passieren. Folgende Übungen können helfen:

Bestimmen, was deine Werte sind

Stell dir die Frage: Was ist dir wichtig im Leben? Das sollte der Kompass sein, nachdem das eigene Verhalten ausgerichtet wird. Ein Anzeichen von Burn-On ist, dass man diese Ziele und Werte aus den Augen verliert und nur noch funktioniert. Deshalb ist die Frage was einem wichtig ist besonders essenziell. Mach am besten eine Tabelle, in die du verschiedene Bereiche deines Lebens schreibst und daneben nach einem Punktesystem bewertest, wie wichtig dir diese sind.

Brich den toxischen Gedankenkreis

Diese Verhaltensmuster und Gedanken sind lange gelernt, es ist nicht so einfach, diese zu unterbrechen, aber ein erster Schritt ist, sie zu erkennen und infrage zu stellen. Als Übung schreibst du folgende drei Sätze auf ein Blatt Papier und machst dir deine eigenen Regeln bewusst:

  • "Ich muss …"
  • "Ich darf nicht …"
  • "Ich kann nicht …"

Hier kann nun stehen: Ich muss immer alle Feuer von allen löschen. Ich darf nicht nein sagen oder ich kann nicht meine Bedürfnisse über die Arbeit stellen. Lies dir die Sätze genau durch und mach dir bewusst, wie diese Regeln dein Leben beeinflussen. Danach passt du die Satzanfänge folgendermaßen an und beobachtest, wie sich diese Regeln verändern. Du triffst diese Entscheidungen. Niemand zwingt dich dazu. Du hast es in der Hand, das zu ändern.

  • "Ich entscheide mich dazu …"
  • "Ich erlaube mir nicht …"
  • "Ich möchte nicht …"

Auf sich selbst achten

Das Burn On-Syndrom lebt davon, dass man immer weiter rennt in dem Rad, in dem man gefangen ist und nicht darauf achtet, wie man sich dadurch fühlt oder wie es einem geht. Auf sich selbst zu achten und den eigenen Bedürfnissen Raum zu geben, ist deshalb der erste wichtige Schritt.

Dabei gilt es, die eigenen Gedanken zu hinterfragen und auch mal herauszufordern: Entspricht das meinen Werten oder haben gerade die gelernten und automatischen Mechanismen übernommen?

Hilfreich ist dabei die "Da-ist-Übung", die die Gedanken entschleunigt und hilft, sich bewusst zu machen, wo man sich gerade befindet. Dabei beginnt man einfach jeden Satz mit "Da ist" und benennt alle Gedanken und Gefühle, die man gerade hat.

Beispielsweise:

  • "Da ist die Überlegung, ob ich wirklich ein Problem habe."
  • "Da ist der Gedanke, dass diese Übung doof ist."
  • "Da ist ein Gefühl der Panik und der Antriebslosigkeit."
 

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