Bi Visibility Day: Was du über Bisexualität wissen solltest

"Das ist nur eine Phase", "Du kannst dich wohl nicht entscheiden" oder "Du stehst sicher auf Dreier" sind nur ein paar der Vorurteile, die bisexuelle Menschen häufig zu hören bekommen.

Zwei Frauen küssen sich

Keine sexuelle Orientierung wird so häufig geleugnet, unsichtbar gemacht oder stigmatisiert wie Bisexualität. Damit das aufhört, wird seit mittlerweile 21 Jahren am 23. September der 'Bi Visibility Day' (oft auch 'Bisexual Pride Day') begangen, welchen die Bi-Aktivist*innen Wendy Curry, Michael Page und Gigi Raven Wilbur 1999 ins Leben ins Leben riefen. Wir haben zusammengefasst, was du über Bisexualität wissen solltest und wie du bisexuelle Menschen unterstützen kannst.

Was versteht man unter Bisexualität?

Zu Beginn: Bisexuell zu sein bedeutet für verschiedene Menschen verschiedene Dinge. Viele verstehen "bisexuell" als Überbegriff für jede Form der Anziehung von zwei oder mehr Geschlechtern. Ältere Definitionen von Bisexualität beziehen sich lediglich auf ein binäres Geschlechterverständnis, also eine Anziehung von Frauen und Männern. Einen etwas inklusiveren Ansatz liefert US-Aktivistin Robyn Ochs:"Ich bezeichne mich als bisexuell, weil ich anerkenne, dass ich das Potenzial habe, mich - romantisch und/oder sexuell - von mehr als einem Geschlecht angezogen zu fühlen. Nicht unbedingt zur gleichen Zeit, nicht unbedingt auf die gleiche Weise und nicht unbedingt in gleichem Maße."

Wie Ochs Definition bereits erklärt, ist Bisexualität - wie Sexualität allgemein - fluid. Das bedeutet, dass die Anziehung von verschiedenen Geschlechtern variieren kann. Bisexualität heißt also nicht, dass man sich zu allen Geschlechtern im gleichen Ausmaß oder zur selben Zeit angezogen fühlt.

Diskriminierung von bisexuellen Menschen

Leider gibt es heutzutage immer noch viele Vorurteile und verachtende Reaktionen gegenüber Menschen, die sich als bisexuell definieren. Nach wie vor werden sie häufig von der Gesellschaft übersehen, für nicht existent erklärt ("Bisexual Erasure") oder der Behauptung bezichtigt, sie befänden sich "nur in einer Phase".

Viele bisexuelle Menschen erfahren Ausgrenzung und Diskriminierung sowohl von ihrem heterosexuellen Umfeld als auch aus der LGBTIQ+-Community. Nach wie vor kursieren viele Vorurteile und Klischees, Bisexuelle werden entweder als hetero- oder homosexuell wahrgenommen, abhängig vom Geschlecht ihres*r Partners*in. Auch fehlt eine realistische Darstellung bisexueller Personen in den Medien.

Bisexuelle leiden besonders häufig unter Depressionen

All das kann massive Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden haben. Studien haben immer wieder gezeigt, dass sich Bisexuelle deutlich seltener in der Familie oder am Arbeitsplatz outen als Homosexuelle. Darüber hinaus ist erwiesen, dass Bi-Feindlichkeit zu hohem Maße zu Depressionen, Angststörungen und Suizidalität führt.

Zusätzlich sind bisexuelle Menschen, insbesondere Frauen, wesentlicher häufiger von häuslicher und sexualisierter Gewalt betroffen als hetero- und homosexuelle Frauen, was unter anderem auf das Vorurteil der "sexuellen Verfügbarkeit" gegenüber bisexuellen Frauen zurückzuführen ist. Aus diesen Gründen wird am heutigen Tag darauf aufmerksam gemacht, dass Bisexualität als eigenständige sexuelle Orientierung akzeptiert werden muss.

Wie du bisexuelle Menschen unterstürzen kannst:

  • Gehe nicht von einer bestimmten Sexualität aus: Anstatt anzunehmen, dass eine Frau, die eine Beziehung mit einem Mann führt, automatisch heterosexuell sein muss, denke daran, dass sexuelle Orientierung total individuell ist und das Spektrum über Hetero- und Homosexualität hinausgeht.
  • Informiere dich: Lies Bücher von und über Menschen der LGBTIQ+-Community (Tipps gibt’s hier) oder erweitere deinen Horizont, indem du Accounts folgst, die LGBTIQ+-Content teilen. Wenn du mehr über Bisexualität lernen möchtest, dann schau doch mal bei @fraufrasl vorbei!
  • Stelle Bisexualität nicht in Frage: Jemand in deinem Umfeld outet sich als bisexuell? Schön! Zeige ihm*ihr, dass du sie*ihn so annimmst, wie er*sie ist und spare dir Fragen oder Kommentare wie "Aber du warst doch bisher nur mit Männern*Frauen zusammen" oder "Früher oder später wirst du dich schon entscheiden". Er*Sie wird besser wissen, welche sexuelle Orientierung auf ihn*sie zutrifft.
 

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