Portrait von Alexavius

Alexavius: “Die Welt ist mein Laufsteg”

Der Germany’s-Next-Topmodel-Star im Gespräch

5 Min.

© Lamaya Studio/Maya Pollinger

Der Grazer Alexavius kam bei „Germany’s Next Topmodel 2026“ unter die Top 5 und rückte mit seinem auffälligen Style ins Rampenlicht. Entertainment liegt ihm – Schreiben auch, wie er mit seinem ersten Buch über Männer und Dating-Erfahrungen beweist.

Der 23-jährige Alexavius ist eine Erscheinung: Er trägt bei 1,90 m Größe noch Highheels, hat gepflegte lange Haare und ist perfekt geschminkt. So treffen wir ihn zum Interview. Mit etwas Abstand zu seiner Zeit bei der TV-Show „Germany’s Next Topmodel“ sieht er diese als schon verrückte Zeit, aber auch als ein riesiges Sprungbrett, das ihm viele Türen in der Entertainment- und Modelbranche öffnete.

Beim Umstyling musste Alexa­vius seinen Schnurrbart entfernen und bekam als erster Kandidat Haar-Extensions. „Ich dachte immer, es würde nichts geben, das ich nicht mache. Aber den Tag des Umstylings mit Haarverlängerung werde ich nie vergessen. Ich musste mich den krassesten Herausforderungen stellen und merkte, dass ich doch an meine Grenzen kam und mich manchmal selbst überwinden musste.“ Er meint damit seine extreme Unterwasserangst, trotzdem machte er das Unterwassershooting. Denn aus seiner Komfortzone zu gehen, findet er fast das Wichtigste in dieser Branche.

Dickes Fell

Jetzt bereitet sich Alexavius auf eine Entertainer- und Modelkarriere vor und will die Bühnen erobern. Aber gibt es für den gelernten Friseur und Stylisten dabei auch Grenzen? „Ich glaube, ich war da schon immer extremer Hardliner. Auch war mir immer bewusst, wenn ich etwas haben möchte, muss ich etwas tun dafür, muss möglichst der Erste und Beste sein und dafür auch Risiken eingehen.“

Ein sehr enges Verhältnis hat Alexavius zu seiner Mama und seiner Schwester, die ihn bei seinem „Anderssein“ immer sehr unterstützten, denn schon von Kindheit an fühlte er anders, kleidete sich anders und gab sich unkonventionell. „Meine 14 Jahre ältere Schwester hat mir immer gesagt, ich soll mir nichts und von niemandem etwas gefallen lassen. Während der Schulzeit war das aber nicht immer leicht für mich, Kinder können ja sehr gemein sein, dabei war Social Media noch gar nicht so ein Riesenthema. Aber ich bekam dadurch ein dickes Fell und dafür bin ich dankbar, denn wenn man in der Öffentlichkeit steht, muss man sich oft Kritik und leider auch Hass von Menschen anhören, die einen gar nicht kennen. Es ist daher so wichtig, schon Kinder in allem zu stärken.“

Vor und hinter der Kamera

Vor seiner Zeit als Model arbeitete der Grazer hinter der Kamera als Videograf und entwickelte Werbekampagnen. „Ich spüre, ich stehe jetzt vor einer wichtigen, aber nicht leichten Entscheidung: Stürze ich mich als erst 23-Jähriger in die Selbstständigkeit oder behalte ich doch lieber meinen ‚sicheren‘ Job? Aber die neue Arbeit vor der Kamera macht mir sehr viel Spaß und dabei kommt mir auch meine Erfahrung als Videograf zugute.“ Aber ist es mit dieser Erfahrung als Videograf, Friseur und Stylist nicht oft schwierig, Anweisungen zu befolgen? „Bei diesen Themen und bei meinem Make-up bin ich sehr eigen, aber ich lerne dazu und Job ist Job.“

In seinem Schrank hängen mittlerweile mehr als 60 Anzüge und über 150 Krawatten. „Ich werfe auch nichts weg, ich habe sogar noch meinen ersten Anzug.“ Schon während seiner Volksschulzeit hat ihm seine Mama immer ein Hemd mit Gilet rausgelegt. „So bin ich damals mit meinen sieben Jahren in die Schule gegangen, fand das toll und sagte, dass ich irgendwann der sein möchte, der jeden Tag einen Anzug trägt.“ Während eines Jobs bei einer Versicherung begann er Ansteckblumen zu tragen. Als die Sekretärin einmal meinte, dass seine immer größer werdenden Ansteckblumen nicht mehr passen würden, trug er aus Trotz noch größere. „Schon damals dachte ich mir: Nein, mir sagt niemand, was ich tragen soll. Und mit der Zeit wurde das alles mein Markenzeichen.“

Kein Plan B notwendig

Einen Plan B gab es für Alexavius nie. „Für mich war es nie eine Frage von ‚Komme ich irgendwann auf die Bühne, auf den Laufsteg oder in die Öffentlichkeit?‘, die Frage war immer nur wann. Ich bin absolut der Meinung, wenn der Plan A gut ist, dann brauchst du keinen Plan B.“
Als seine Vorbilder bezeichnet er Legenden wie Karl Lagerfeld und John Galliano. „Die beiden haben einen extrem starken Wiedererkennungswert, und das ist auch mein Ziel“, meint er selbstbewusst und er kann sich auch vorstellen, einmal Mode zu designen. Er vergleicht Mode gerne mit Kunst, „denn auf den Laufstegen sieht man einzigartige Kunstwerke“.

Alexavius ist auch ein Kämpfer für Gleichheit und Gleichberechtigung, dass jeder so sein kann, wie er will. „Ich möchte Menschen entertainen, aber ich möchte mich auch für diejenigen einsetzen, die keine Stimme haben. Niemand soll denken, sich ändern zu müssen, um in die Gesellschaft zu passen.“
Obwohl Alexavius erst 23 ist, kommt heuer sein erstes Buch heraus, in dem er sich zu den Themen Dating und die Männer-Welt kein Blatt vor den Mund nimmt. „Meine Dating-Erfahrungen waren wirklich schrecklich und ich habe sie in meinem Buch verarbeitet. Und ich schreibe schon an einem zweiten.“ Dem Online-Dating hat Alexavius mittlerweile übrigens komplett abgeschworen, „denn es ist katastrophal oberflächlich. Als Fan von alten Filmen oder ‚Sex in the City‘ würde ich mir wünschen, dass Dating so ein bisschen wie in der Serie persönlich erfolgt.“

Neben Entertainen, Modeln, aber auch Schauspiel möchte Alexavius noch vieles machen. „Ich mag alles, bei dem man in eine Rolle schlüpfen kann, ich liebe die Arbeit an einem Projekt und das finale Produkt zu sehen. Wie ich schon einmal sagte: Die Welt ist mein Laufsteg.“

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