Die Inhaberinnen des Selfloveclub Salzburg: Caterina Müller und Julia Wenderoth im Porträtbild. Im Hintergrund "You had me at selflove" in Neonlichtern

Self Love Club: Mehr Wertschätzung für uns selbst

Ein Hoch auf uns selbst!

5 Min.

© Self Love Club Lumee Photography


Der Self-Love-Club „liebestrunken“ in Salzburg fußt auf einer besonderen Kombination aus Workshops und kreativen Angeboten. Ergänzt wird das Konzept durch einen kleinen Concept-Store und die Möglichkeit, bei einem Kaffee zu verweilen. Ohne Perfektionsanspruch, ohne Wertung: Caterina Müller und Julia Wenderoth haben den „Club“ geschaffen, in dem die Liebe zu sich selbst gefeiert wird.

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© Self Love Club Lumee Photography

Kannst du das Konzept des „Self-Love-Clubs“ erklären?
Caterina Müller: Meine beste Freundin und Geschäftspartnerin Julia und ich haben uns schon immer gewundert, warum wir uns selbst so wenig feiern. Anderen gegenüber bringen wir oft viel mehr Geduld und Verständnis auf als uns selbst. Wir fanden, dass es in Salzburg einen Safe Space braucht – einen Ort, an dem man sich selbst wieder feiern kann und mit all seinen Gefühlen willkommen ist. Genau deshalb gibt es uns. Mit Workshops und Gesprächen möchten wir Menschen dazu motivieren, wieder mehr zu sich selbst zu finden, sich selbst wertzuschätzen oder sich einfach daran zu erinnern, dass man all das auch darf.

Wie hilft Kreativität konkret dabei, Zugang zu den eigenen Bedürfnissen und Gefühlen zu finden?
In unseren Workshops erschaffen wir viele kreative Dinge. Wir sind überzeugt davon, dass wir durch das Arbeiten mit den Händen wieder näher zu uns selbst kommen. Wenn die Hände beschäftigt sind, wird der Kopf ruhiger. Es ist entspannend für Körper und Geist, vom ständigen Konsumieren wieder ins Kreieren zu kommen.

Viele Menschen verwechseln Selbstliebe mit Egoismus. Welche Missverständnisse begegnen dir am häufigsten – und wie räumst du damit auf?
Rund um Selbstliebe gibt es viele Mythen, die einfach nicht stimmen. Einer davon ist, dass Selbstliebe bedeutet, jeden Tag mit sich im Reinen zu sein, immer glücklich und gut drauf. Selbstliebe heißt aber, zulassen zu können, wie man sich gerade fühlt. Ich kann noch so sehr bei mir sein – und im nächsten Moment passiert etwas im Außen, das mir den Boden unter den Füßen wegzieht. Wichtig ist, all das zu akzeptieren und zu lernen, trotzdem bei sich selbst zu bleiben. Für manche Menschen ist Selbstliebe ein sehr großer Begriff. Vielleicht kann man auch mit Selbstfreundschaft beginnen.

Was verstehst du unter Selbstfreundschaft? Was zeichnet eine gute Freundschaft mit sich selbst aus?
Wir sind mit uns selbst oft extrem kritisch. So wie man mit sich selbst spricht, würde man niemals mit der besten Freundin reden. Meine Geschäftspartnerin Julia ist meine beste Freundin – und wir reden uns gegenseitig gut zu und motivieren uns. Selbst wenn man kritisch mit sich ist, kann man lernen, sich selbst auch zu sagen, dass man großartig ist. Genau darum geht es: Dass man für sich selbst ein guter Freund oder eine gute Freundin sein kann, vor allem in schwierigen Momenten.

Warum glaubst du, fällt es unserer Gesellschaft so schwer, unperfekt zu sein?
Wir alle tragen einen großen Rucksack mit uns – gesellschaftlich wie auch familiär. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Deshalb fällt es uns unglaublich schwer zuzugeben, dass wir Fehler machen, und diese auch offen zu zeigen. Dabei ist unperfekt sein eigentlich perfekt.

Gab es in deinem eigenen Leben Momente, in denen du lernen musstest, mit dir selbst befreundet zu sein?
Vor allem dann, wenn Dinge kamen, die mir sehr wichtig waren – beruflich oder privat. In solchen Momenten war ich oft besonders streng mit mir selbst. Es gibt aber viele Methoden, um diese kleine innere Stimme, die viele von uns kennen, sanfter werden zu lassen. Das kann man tatsächlich trainieren, sodass sie im Ernstfall liebevoller mit uns spricht.

Am 14. Februar ist Valentinstag. Nicht jede:r ist in einer Beziehung. Was kann man an diesem Tag – oder generell an Feiertagen wie Weihnachten – tun, um sich nicht allein zu fühlen oder die Beziehung mit sich selbst zu feiern?
Gerade der Valentinstag ist bei uns ein großes Thema, weil an diesem Tag viel Druck von außen entsteht: Man soll in einer Partnerschaft sein, glücklich sein, alles soll perfekt wirken. Wir finden, man darf an solchen Tagen alles fühlen. Wenn wir uns gegenseitig erlauben, ehrlich zu sein, nehmen wir uns auch selbst ein Stück dieses Drucks.

Welche kleinen, alltagstauglichen Rituale empfiehlst du Menschen, die beginnen möchten, sich selbst liebevoller zu begegnen?
Ich bin ein großer Fan von einfachen Dingen. Zum Beispiel sich im Spiegel anzusehen und sich selbst zu sagen: „Du bist gut, so wie du bist. Du bist cool. Ich feiere dich.“
Sehr gerne mache ich auch Journaling – früher nannte man das einfach Tagebuchschreiben. Dabei geht es darum, Gefühle aufzuschreiben, Dinge zu benennen, für die man dankbar ist, und sich Gedanken von der Seele zu schreiben, ganz ohne Bewertung. Man muss keinen Roman verfassen oder schöne Formulierungen finden. Man sortiert einfach seine Gedanken. Das ist ein wunderbares Tool und ein schönes Ritual, das man ganz nach eigenem Gefühl täglich oder dann machen kann, wenn einem danach ist.

Mehr über die Autorin dieses Beitrags

Elisabeth Trauner
© Privat

Elisabeth Trauner ist Redakteurin bei Unser SALZBURG und mit Stift, Block und Herz immer zur Stelle, wenn Menschen spannende Geschichten zu erzählen haben. Sie hört Podcasts, braucht Krimis und True Crime-Dokus zum Einschlafen und probiert gerne neue Kochrezepte aus, die aber meistens komplett schief gehen.

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