6 Mythen über die Klitoris und warum sie nicht stimmen

Das weibliche Lustorgan, die Klitoris, ist für viele - auch Frauen - noch immer eine Unbekannte.

„Der Großteil der Mädchen hat den Begriff Klitoris noch nie gehört“, sagt die Sexualpädagogin Kerstin Pirker. Das Sexualorgan der Frau bleibt auch im Jahr 2018 häufig unbenannt, das Wissen darum ist sehr gering. „Selbst in Fachbüchern der Anatomie wird sie nur fragmentiert und unvollständig dargestellt“, kritisiert die Expertin. Dabei ist die Klitoris einzig und allein für die Lust, Erregung und den Orgasmus der Frau da. „Vielleicht mit ein Grund, warum sie noch immer tabuisiert wird", spekuliert sie.

Um endgültig mit Mythen rund um die Klitoris aufzuräumen, hat Pirker die gängigsten davon widerlegt:

Mythos 1: Die Klitoris ist nur ein kleiner Knopf.

Die Klitoris ist mehr als der sogenannte "Kitzler". Sie besteht aus Kopf, Schaft, zwei Schenkeln und zugehörigen Schwellkörpern und misst zwischen 7 und 12 Zentimeter. Bei Stimulation schwillt sie an und wird größer. Was die wenigsten wissen: Auch der Harnröhrenschwellkörper ist Teil dieses Organkomplexes.

Mythos 2: Das Sexualorgan der Frau ist die Vagina.

Die Vagina – also der von der Gebärmutter nach außen führende Teil des weiblichen Geschlechtsorgans – ist so gut wie gar nicht mit Nerven ausgekleidet, weiß die Expertin. Allein die Klitoris ist für das Lustempfinden der Frau zuständig. 

Mythos 3: Der vaginale Orgasmus ist etwas anderes als der klitorale.

Es ist immer die Klitoris, die einen Orgasmus auslöst. Auch Bewegungen innerhalb der Vagina können das Schwellkörpergewebe der Klitoris stimulieren und zu Orgasmen führen. Studien zeigen: klitorale Stimulation ist effektiver als vaginale, um einen Orgasmus zu erlangen. Das kann wohl jede Frau selbst bestätigen. 

Mythos 4: Es gibt kein weibliches Ejakulat.

Der Harnröhrenschwellkörper der Klitoris (manchmal auch G-Punkt genannt) schwillt bei Stimulation an. Die darin liegenden Drüsen bilden ein Ejakulat. Dieses kann durch die Harnöffnung ausfließen oder spritzen oder sich einfach zurückbilden. Das kann mit einem Orgasmus einhergehen, muss aber nicht. Ungefähr ein Viertel aller Frauen ejakuliert.

Mythos 5: Frauen brauchen länger, bis sie einen Orgasmus erreichen.

Auch das stimmt nicht. Frauen kommen bei gezielter Stimulation genauso schnell wie Männer, sagt die Sexualpädagogin. Trotzdem: weniger als ein Drittel aller Frauen erleben während heterosexuellen Geschlechtsverkehrs einen Orgasmus. 

Mythos 6: Frauen haben weniger starke sexuelle Bedürfnisse.

„Da Frauen insgesamt so viel Wissen um ihre Körper und ihre Lust vorenthalten wird, ist es auch nicht überraschend, wenn sie häufiger über Unlust klagen“, so die Sexualpädagogin. Es gebe jedoch keinen biologischen Anhaltspunkt dafür – Frauen könnten wegen ihrer Klitoris sogar länger sexuell aktiv bleiben als Männer.

"Mangelndes Wissen um das eigene sexuelle Organ schwächt das Selbstwertgefühl von Frauen, beeinträchtigt ihre sexuellen Erfahrungen und begünstigt sexuelle Übergriffe. Vollständiges Wissen ermächtigt und macht Lust", appelliert die Sexualberaterin.

Zur Person:

Mag.a Kerstin Pirker, geb. 1974, Sozialpädagogin, Erwachsenenbildnerin, Familienplanungsberaterin (Österreichische Gesellschaft für Familienplanung), Sexualpädagogin und Sexualberaterin (Österreichische Gesellschaft für Sexualforschung). Seit 2001 im Frauengesundheitszentrum in Graz tätig, Schwerpunkte: sexuelle und reproduktive Gesundheit von Frauen, Verhütungsberatung, Sexualberatung, Begleitung von Kursen für schwangere Frauen und Paare, Projektkoordination „Gesundheit verträgt keine Gewalt“.

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