3 Strategien, wie du (nicht nur in der Krise) besser mit Stress umgehen kannst

Wer ein völlig stressfreies Leben führt, wird auf Dauer nicht glücklich. Trotzdem kann zu viel gefährlich werden.

Gestresste Frau liegt auf dem Sofa

Grundsätzlich ist Stress nicht nur negativ. Wer ein völlig stressfreies, weil anforderungsfreies Leben führt, wird auf Dauer nicht glücklich. Herausforderungen zu bewältigen, vor denen man zunächst Angst hat, ist ein sehr gutes Gefühl und stärkt uns langfristig. Weil aber immer mehr Menschen im Dauerstress sind und die Balance zwischen Anforderung und Erholung nicht mehr gegeben ist, brauchen auch immer mehr Menschen privat und am Arbeitsplatz Unterstützung. Wir haben Bettina Klaninger, Klinische und Gesundheitspsychologin sowie Psychotherapeutin, und Elisabeth Zahlbruckner, Ärztin für Allgemeinmedizin, Akupunktur und Wundmanagement, vom Stressmanagement.Institute gefragt, wie wir lernen können, mit Stress umzugehen.

1. Typische Stressoren erkennen

Typische Stressoren sind: Informationsflut oder mangelnde Information, Termindruck, ständige Erreichbarkeit, Unsicherheit und Zukunftssorgen, Isolation, hohe Leistungsanforderungen, wenig Handlungsspielraum, ein Mangel an Anerkennung und Wertschätzung, Schwierigkeiten in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, soziale Konflikte, wenig Raum für Ruhe und Muße, Lebensereignisse etc. Auch in einer Krise, wie wir sie derzeit erleben, kann unsere Stresskompetenz leiden. Wem alles zu viel wird, der erlebt Stress nicht mehr als positiv und leidet sowohl körperlich als auch psychisch. Elisabeth Zahlbruckner: "Stressempfinden ist sehr individuell. Viele schieben den Stress weg und meinen so lange, dass es eh geht, bis es eben nicht mehr geht. Deshalb ist die Anamnese so wichtig." Erste körperliche Warnsignale sind laut Zahlbruckner sehr häufig Schlafstörungen und Antriebslosigkeit. Wer erste Warnsignale bei sich beobachtet, kann sein Stresslevel online testen.

Der Online-Check ist laut Zahlbruckner folgendermaßen eingeteilt: "Wir erheben körperliche, emotionale und kognitive Warnsignale sowie das Verhalten. Diese sind unterteilt in Elemente wie körperliches Engegefühl in der Brust, Angstgefühle, Gereiztheit oder Lustlosigkeit. Warnsignale im Verhalten sind z.B. Zähneknirschen, schnelles Sprechen, andere unterbrechen, nicht zuhören können, unregelmäßiges Essen. Nach dieser Struktur haben wir eine erste Einschätzung, um die eigene Stressbelastung abschätzen zu können."

Bettina Klaninger: "Der Test ist eine gute Orientierungshilfe. Man sollte sich selbst beobachten. Ziehe ich mich zurück, mag ich vielleicht nichts mehr unternehmen, bin reizbarer, habe immer mehr Konflikte mit meiner Familie, mit meinem sozialen Umfeld, fühle mich angespannt und ängstlich? Manchmal verändern sich auch die Essgewohnheiten, Menschen leiden unter Appetitlosigkeit, haben Rücken- oder Kopfschmerzen. Mit dem Test kann man früh erkennen, ob alles im grünen Bereich ist oder es an der Zeit wäre, etwas für die eigene Gesundheit zu tun."

2. Stresskompetenz trainieren

"Stresserleben hat immer damit zu tun, wie ich eine Situation bewerte, für wie schwierig halte ich sie und wie bewerte ich meine eigenen Kompetenzen im Bezug darauf, diese Situation zu bewältigen", erklärt Bettina Klaninger. Wenn das nicht mehr alleine klappt, kann ein*e geschulte*r Psycholog*in helfen. "Einstellungen, Bewertungen, Ansatzpunkte an die eigenen Gedanken und Denkmuster können auch hinderlich sein. Ich helfe meinen Patient*innen, ihre Bewertungen von Situationen zu erweitern. Es geht immer um eine Balance zwischen Erholung, Entspannung und Aktivität. Welche Möglichkeiten hab ich, wie ernähre ich mich, bewege ich mich und schlafe ich genug? Wie organisiere ich den Alltag auch ein Stück anders? Wie tue ich mit den Kindern, wenn sie daheim sind? Wie kann ich Abläufe organisieren ohne den eigenen Anspruch an Perfektion, und wer kann mich vielleicht entlasten?" Schon kleine Veränderungen können in Ausnahmesituationen einen großen Unterschied machen.

3. Stress (auch) als etwas Positives akzeptieren

Stress haben wir alle, und er gehört laut den Expertinnen auch zum Leben dazu. Klaninger: "Wir brauchen Stress im positiven Sinn auch. Ich habe eine Herausforderung, bewältige sie und schaffe so Zufriedenheit." Wir sollten also gar nicht versuchen, äußere Stressoren komplett auszuschalten, sondern lernen, mit ihnen umzugehen. "Das ist ein Spektrum aus regenerativen, mentalen und instrumentellen Stresskompetenzen. Je bunter und vielfältiger, desto besser", so Klaninger. Trotzdem: Wer die oben genannten Symptome bei sich beobachtet, sollte sich professionelle Hilfe holen.

Das Stressmanagement.Institute in Wien möchte als One-Stop-Shop für Stressmanagement Anlaufstelle für Privatpersonen und Unternehmen sein. Das Team besteht aus mehreren Psychologinnen unter der Leitung von Bettina Klaninger, Ärztin Elisabeth Zahlbruckner und dem wirtschaftswissenschaftlichen Leiter Oliver Schmitt. Die Daten des Online-Tests basieren auf der Forschung des Stressexperten Gert Kaluza. Das Zusammenspiel aus psychologischen und ärztlichen Maßnahmen sorgt für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und Behandlung der Patient*innen. Für Unternehmen bietet das Institut Burnoutprävention, Einzel- und Gruppencoachings an. Ein psychologisches Erstgespräch kostet 120 Euro und dauert 50 Minuten.

 

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