Warum niemand Strache für sein rückständiges Familienbild feiern sollte

Die Vizekanzler-Familie inszeniert sich in der "Kronen Zeitung" als gemütliche und gleichberechtigte Durchschnittsfamilie. Glaubwürdig ist das nicht. Ein Kommentar.

„Ein Geschenk“ war die Zeit mit seinem Kind für Heinz-Christian Strache. In einem Interview mit der "Kronen Zeitung" schwärmt der Vizekanzler von seinem "Papamonat" Anfang des Jahres. Er war tatsächlich der erste männliche Bundespolitiker, der sich für sein neugeborenes Kind Zeit genommen hat. Und das als Vorsitzender einer Partei, deren Beitrag zu Frauenpolitik im Wahlprogramm eine heiße Seite lang war. Einer Partei, die das Frauen*volksbegehren nicht nur ignoriert, sondern zu Grabe getragen hat (gemeinsam mit dem Koalitionspartner) und deren prominente VertreterInnen sich gerade für eine Initiative einsetzen, die das körperliche Selbstbestimmungsrecht von Frauen unter dem Vorwand von Behindertenrechten einschränken soll. Ist Strache der große Brecher der Normen? Naja. „Für Ministerräte oder wichtige Termine habe ich natürlich unterbrochen“, sagt er.

Der Papamonat, der keiner war

Dabei hätte das durchaus anders laufen können. Österreichische Politikerinnen und Politiker auf Bundesebene haben keinen Anspruch auf das Papamonat (oder eine normale Karenz), weil sie keine Anstellung, sondern eine Funktion haben. Damit sind sie nicht allein, bei Selbstständigen und in fast allen Branchen der Privatwirtschaft gibt es auch keinen Rechtsanspruch auf das Papamonat. PolitikerInnen haben es aber dennoch leichter: Sie können zu Anwesenheit und Arbeit nicht verpflichtet werden, somit stünde auch einer richtigen, ausgedehnten Babypflege nichts im Weg. Elisabeth Köstinger und Beate Meinl-Reisinger haben in den letzten Monaten Kinder bekommen – beide sind länger zuhause geblieben als Strache, haben dafür aber weniger Lob und Aufmerksamkeit bekommen.

Zwischen den Weihnachtsfeiertagen, der Geburt am 1. Jänner, der Regierungsklausur am 10. und 11. Jänner und dem Schiurlaub Anfang Februar war Straches "Papamonat" am Ende auch nicht mehr als verlängerte Weihnachtsferien. Das Konstrukt „Aufopfernder Familienvater Strache“ funktioniert nur, weil eine Mutter und ein familiäres Betreuungsnetz existieren, die sich tatsächlich um das Kind kümmern. „Wir haben das Glück, dass meine Mama in Altersteilzeit bei der Bank ist und auf ihn [Anmerkung: Baby Hendrik] aufpasst“, sagt Philippa Strache im "Krone"-Interview über die Vereinbarkeit ihrer eigenen FPÖ-Jobs und der Kinderbetreuung.

Väter sollen nicht „helfen“, sie sollen betreuen!

Die Verantwortung in der Kinderbetreuung bleibt bei Frauen. Sie übernehmen immer noch den Großteil der unbezahlten Familien- und Care-Arbeiten. Genauso läuft es auch im Haushalt Strache. „Manchmal durfte ich helfen“, sagt, ein nach Ansicht der Kronen Zeitung „schwelgender“, Strache über die Zeit mit seinem kleinen Sohn. Die Rollenverteilung ist klar: Mutter Philippa betreut das Kind, Vater Heinz-Christian „darf“ in einer Nebenrolle ab und zu „helfen“. Es ist ein konservatives Frauenbild, konzentriert auf Mutterschaft und Aufopferung.

„Es ist ein Wahnsinn, was Frauen an Liebe, Einsatz und Verlässlichkeit für uns leisten. Davor habe ich allergrößten Respekt!“, sagt Strache der Krone. Der Respekt endet freilich da, wo Frauen aus den ihnen zugedachten Rollenbildern auszubrechen drohen. Sobald es um Gleichstellung und Fairness geht, um Selbstbestimmung und Wahlfreiheit, gibt es weder Lob noch Unterstützung.

Der österreichische Boulevard liebt das alles trotzdem. "Österreich"hat dem Vizekanzler für seine progressiven Pläne schon im letzten Oktober den Titel “Familienmensch” verliehen. Ein wichtiges und wertvolles Prädikat, steht es doch in der österreichischen Beliebtheitsskala gleich nach “TierfreundIn“. Zum Glück kommt Hündin Linda prominent im aktuellen "Krone"-Artikel vor.

Ein konservatives Familienbild mit Social-Media-Rüschen

Strache selbst weiß die Publicity zu nutzen. In den sozialen Medien teilt er den Beitrag, bewirbt ihn auf Facebook sogar. Mit Steuergeld, versteht sich. Familienmensch Strache, der „manchmal“ sogar beim Wickeln seines eigenen Babys „hilft“. Vielleicht landet sogar Babykacka auf den schwer arbeitenden Händen – was könnte menschlicher und echter sein, als ein liebender Vater! Es ist ein Bild, das funktioniert.

Nur: Das Familienbild der Straches und der FPÖ ist nicht modern und progressiv, nicht volksnah oder gleichberechtigt. Es ist einfach nur althergebrachte Rollenverteilung, aufgehübscht mit ein bisserl Imagepflege. Aber wir wissen ja: Mit Babies und Hunden geht in diesem Land fast alles.

 

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