Und plötzlich war da Schnee: Mit Sneakers durch den Winter

Was tun, wenn einem beim Anblick von gefütterten Stiefeln das Grauen kommt und man sich auch bei Minusgraden partout nicht von seinen Sneakers trennen will? Eine Leidensgeschichte.

Es ist jedes Jahr dasselbe Gwirks. Da reden sie schon seit Tagen über den Kälteeinbruch samt Schnee und Graupelschauer und dann steh ich doch überrascht mit meinen Chucks im Schneegatsch oder wundere mich, dass das Punschtrinken im Stehen mit denselben irgendwie ungemütlich ist. Schuld bin ich daran aber bestimmt nicht, mein ästhetisches Empfinden hat halt leider ein Problem mit dem Angebot an Winterschuhen. Für „Form follows function“ fühl ich mich definitiv zu jung. Weil’s der Körper mit 35 aber auch nicht mehr ganz so gut wegsteckt, wenn Füße monatelang chronisch unterkühlt sind, nehme ich also noch einmal all meine Energie, Kompromissfähigkeit und meinen Kontostand zusammen und begebe mich auf die Suche nach Schuhen, die aussehen wie Sneakers, aber so warm sind wie Ugg-Boots.

Zwei unerlässliche Dinge in der Vorab-Recherche: eine Umfrage unter Kolleginnen und Styling-Inspiration auf Pinterest. Bei ersterer kristallisieren sich zwei Zugänge heraus – der schon erwähnte pragmatisch-praktische (also warm gefütterte, klassische Schnürschuhe) und der „na Doc Martens!“-Zugang. Mit erstem hätte meine Mutter zweifellos große Freude. Zweiterer würde dem Style-Bewusstsein gut gefallen, warm ist aber auch anders und für die nötige Eingehphase ist Anfang Jänner keine Zeit mehr.

Weiter zu Pinterest. Sagen wir so, dort ist es schön, aber nicht praktisch. Ich finde entweder Ugg-Boots, Schuhe für die Alaska-Expedition oder nackte Knöchel zu Daunenjacken. Danke, da war ich schon.

Natürlich hat die Sneaker-Industrie dieser Welt längst erfolgreich ein Winterprogramm installiert – aber ob mit Teddybärenfell gefütterte Modelle da tatsächlich das wahre sind? Ich bezweifle es. Und frage die Experten: David und Severin betreiben den feinen Sneaker-Shop Zapateria in der Wiener Kirchengasse. Die sind bei den gefütterten Modellen auch skeptisch: "Viele sind nur im Schaft, aber nicht bei den Zehen gefüttert - eine halbe Geschichte." Was machen nun Sneaker-FreundInnen bei Schnee und Gatsch? Für die beiden ganz klar: „Lammfellinnensohle und/oder dicke Socken.“ Und haben noch eine Alternative in petto: „Richtig super finden wir die Gore Tex-Versionen von bekannten Sneakern – die sind eigentlich immer ihr Geld wert, aber leider gibt es in diesem Jahr definitiv zu wenig Modelle.“

Ich komme zum Schluss: Es ist und bleibt ein Gwirks. Und hat vielleicht mehr mit einer latenten Winter-in-der-Stadt-Leugnung von meiner Seite zu tun als mit dem Angebot. Ach, was soll’s, ein paar dicke Socken und ein paar Thermo-Einlegesohlen und geht schon. Bis zum nächsten Winter.

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