So lösen Sie Liebes-Blockaden

Manche Frauen scheinen die richtige Nadel im Männerheuhaufen einfach nicht zu finden und blockieren sich bei der Suche manchmal selbst. Andere reden sich die Beziehung von Anfang an schlecht. Was man tun kann, um seine Liebesblockaden zu lösen, haben wir zwei Expertinnen gefragt.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, nicht die der Liebe

Manchmal ertappt man sich als Single dabei, einem Händchen haltenden Pärchen nachzuschauen und ein bissl Sehnsucht dabei zu empfinden. Sehnsucht danach, auch Teil einer Beziehung zu sein. Wäre doch schön, wenn zu Hause jemand auf einen warten würde, wenn man aus dem Büro kommt ...

Natürlich gibt es viele Singles, die diese Gedanken auch schnell wieder vergessen, weil sie alleine ein ganz wunderbares Leben führen und daran auch nichts ändern wollen. Doch genauso viele sind eher unfreiwillig solo.

Von Singles und Mingles

Nach wie vor steigt in Österreich die Zahl der Singles. Und auch Mingles, also Menschen, die eine Art halbe Beziehung führen ("Mingle" = "mixed" und "Single"), sind auf dem Vormarsch. Und das, obwohl sie sich eigentlich eine fixe Partnerschaft wünschen. Doch sich auf jemanden wirklich einlassen? Davor scheinen viele regelrecht Angst zu haben. "Ich will nicht schon wieder verletzt werden", hört man aus dem Freundeskresi immer öfter als Begründung fürs Alleinsein. Und sich zu schützen ist ja auch eine zutiefst menschliche, verständliche Reaktion auf schlechte Erfahrungen. Wem wehgetan wurde, der geht lieber auf nummer sicher. Und die heißt: vorsichtig sein.

Richtige Liebesblockaden

Wird aus dieser Ängstlichkeit aber irgendwann eine richtige Überzeugung, an der Singles eisern festhalten und ihr Leben danach ausrichten, wird’s ein bisserl brenzlig. Denn wer Sätze wie "Ich hab einfach kein Glück in der Liebe" oder "Den Mann für mich gibt es gar nicht" plus die Gedanken dahinter verinnerlicht, tut womöglich eines: Er sabotiert sich in der Liebe selbst.

Als "Mindfuck" bezeichnet Petra Bock, Coachin und Autorin von "Mindfuck Love", derlei blockierende Denkmuster: "Sie liegen zwischen uns und dem Liebesleben, das wir uns wünschen und für das wir eigentlich gemacht sind. Betreiben wir Mindfuck, bleiben wir weit hinter unseren Möglichkeiten zurück." Und die gute Nachricht gleich mit dazu: Liebesblockaden kann man identifizieren, verstehen und sich von ihnen verabschieden.

Liebe auf Augenhöhe

Woher kommen solche Blockaden nun eigentlich? Wieso sabotieren sich immer mehr Menschen in der Liebe mit falschen Denkmustern? Expertin Petra Bock hat eine Erklärung: "Wir neigen dazu, nach jemandem zu suchen, der uns vollständig machen soll. Aber: Das ist oft einer Eltern-Kind-Beziehung nachempfunden, die auf Abhängigkeit beruht." Das Problem an der Sache ist: Dadurch entsteht eine Verbindung, die automatisch von Verlustängsten geprägt ist - und keine gleichberechtigte Partnerschaft. "Erst wenn ich gut allein leben kann und herausfinde, wer ich als erwachsene Frau bin und was ich wirklich will, habe ich die Chance zu einer richtig stabilen Beziehung," weiß Petra Bock.

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Ware Partner

Der andere Grund liegt in einer - sehr salopp gesagt - zunehmend narzisstischen Gesellschaft, meint die Wiener Medizinerin und Psychotherapeutin Martina Leibovici-Mühlberger. In immer mehr Lebensbereichen, auch in der Liebe, denken wir wie Konsumenten - und behandeln einander wie Ware. "Der Kapitalismus ist bis in die Liebesbeziehungen eingedrungen", sagt die Therapeutin. "Ich will einen Partner regelrecht konsumieren, er wird zu einem Zukauf und muss in mein Lebenskonzept passen."

Auch wer davon selbst gerade nicht davon betroffen ist, bekommt mit: Um uns herum scheitern Beziehungen, schreitet die Kapitalisierung der Liebe voran - was unseren allgemeinen Glauben an die Liebe erschüttert.

Sich dagegen zu wappnen, einen Panzer anzulegen in Form schützender Denkmuster, scheint also nur logisch zu sein. Dort allerdings für immer zu verharren. hält Martina Leibovici-Mühlberger, Autorin von "Diagnose Mingle", für gefährlich: "So wie wir als biologische Wesen funktionieren, ist es für uns auch lebenswichtig, in Bindung und Beziehung eingebettet zu sein. Wir bleiben ein Leben lang abhängig von Sauerstoff, Wasser, Schwerkraft und eben der Liebe."


Die Handbremse lösen

Also dann, wieder ran an die Liebe. Bloß wie?! Der Schlüssel, unsere Blockaden zu lösen, steckt jedenfalls in uns selbst. Schritt eins: Erkennen, dass es sich um eine Love-Blockade im Kopf handelt und nicht um die Realität. Klingt erst einmal nicht ganz so schwierig, kann aber durchaus ein bisserl knifflig werden. Es kann deshalb helfen, sich einen Therapeuten mit ins Boot zu holen - für das Aufdröseln von Fragen wie: "Wie ist es zu dieser Überzeugung gekommen? Weöche Erfahrung hat sie ausgelöst? Was hätte ich damals anders verstehen können? Hatte der Mann nur zu wenig Kraft, seine Frau zu verlassen und es lag gar nicht an mir?"

Wenn ich mich mag, find ich dich leichter

Den nächsten Schritt formuliert Matrina Leibovici-Mühlberger so: "Es gilt, die emotionale Kraft wieder zu stärken, sich wieder mehr wertzuschätzen. Denn dann wird man automatisch mutiger, offener und wieder eher bereit, in der Liebe ein Risiko einzugehen." Und Love-Blockaden lösen sich dann quasi von alleine auf.

Und so funktioniert es konkret, seine emotionale Kraft zu stärken: Überlegen Sie, welche Erlebnisse oder Tätigkeiten Sie glücklich und zufrieden machen. Wobei fhlen Sie sich angenommen und daheim, wobei lebendig und so in Ordnung, wie Sie sind? Ist es beim Motorradfahren, Wandern, Kochen, Singen, Skifahren ...

Haben Sie diese persönliche(n) Kraftquelle(n) gefunden, gehen Sie ihr möglichst oft nach. Denn mit jedem "So wie ich bin, bin ich gut", das Sie dabei fühlen, gewinnen Sie an Sicherheit - und können eines Tages wieder offener auf andere zugehen. Man wird wieder risikobereit und liebesfähig(er). Und das gilbt übrigens nicht nur für Singles.

Liebe schmerzt, zum Glück!

"Wer diese Geisteshaltung kultiviert, erfährt sich als selbstmächtig und -wirksam und spürt: Ich habe mein Leben selbst in der Hand und kann dafür sprgen, dass es mir gut geht", sagt Leibovici-Mühlberger. Nur wenn man weiß, dass man den anderen nicht braucht, sondern will, kann aus zwei Individuen ein großes Ganzes entstehen. Ja, das alles braucht viel Mut, sagt die Psychotherapeutin: "Vor allem Mut zum Einlassen und zum Schmerz." Auch eine gute Beziehung hat nämlich Schattenseiten. "Geben Sie den Denksatz auf: Liebe muss immer schön sein und darf nicht wehtun", rät Coachin Petra Bock. "Sonst verharren Sie in einem abhängigen Kind-Ich." Besser ist, nach einer Liebe mit Höhen und Tiefen zu streben: "Denn nur sie wird uns wirklich glücklich machen."

 

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